Kickboxen
«Mein Wille war stärker als mein Körper»: Trotz Verletzung in der ersten Runde holt sich Levent Liechti EM-Gold

Nach den beiden Goldmedaillen an der WM im Frühling erkämpft sich Levent Liechti am Wochenende in Deutschland den Europameistertitel im K-1.

MGT
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Levent Liechti (l.) im EM-Kampf gegen den Nordiren Lee McKibbin.

Levent Liechti (l.) im EM-Kampf gegen den Nordiren Lee McKibbin.

Björn Brunner

In Singen am Bodensee fand am Wochenende die TBC Fight Night V statt. Die Halle war mit über 2000 Zuschauern, die aus Deutschland, den Nachbarländern und teilweise auch aus ganz Europa angereist waren, voll besetzt. Unter das Publikum mischten sich auch an die vierzig Mitglieder des Raion Dojo in Wangen an der Aare. Sie waren angereist, um ihren Trainer Levent Liechti anzufeuern.

Je näher der Fight des Präsidenten des Raion Dojo rückte, desto mehr stieg die Nervosität. Kurz nach der ersten Pause kündigte der Speaker den Fight von Liechti gegen den Nordiren Lee McKibbin an. Zu «Feuer frei» von Rammstein lief Liechti energiegeladen zum Ring. Die Entschlossenheit, diesen Kampf für sich zu entscheiden, stand dem Feldbrunner ins Gesicht geschrieben. «Auf diesen Moment habe ich mich mehrere Monate lang vorbereitet, mit bis zu 15 Stunden Training pro Woche», sagte Liechti hinterher. «Das Gefühl kurz vor dem Fight war unbeschreiblich.»

Starker Wille dank mentaler Vorbereitung

Liechtis Kontrahent war fast einen halben Kopf grösser und ein paar Kilos schwerer. Doch vor allem mit seinen Kicks konnte Liechti seinem Gegner immer wieder zusetzen. Er zog sich allerdings bereits in der ersten Runde eine Verletzung zu, kämpfte aber unverdrossen weiter. «Mein Wille war in diesem Moment stärker als mein Körper. Dies hängt auch mit meiner mentalen Vorbereitung zusammen, auf die ich sehr viel Wert gelegt habe», erklärte Liechti.

Er setzte weiterhin auf seine starken Kicks und seinen geschulten Blick. Gekonnt beobachtete er die Bewegungen des Gegners und griff in den richtigen Momenten an. Die beiden Männer zeigten einen fairen Titelkampf auf hohem Niveau. Auch an Kondition mangelte es keinem der beiden.

«Ein unglaubliches Gefühl»

Nach fünf Runden à je zwei Minuten stand Liechti als Sieger nach Punkten und neuer ISKA-Europameister bis 81 kg fest. «Dieser Erfolg, die Stimmung in der Halle, die Zurufe der Klubmitglieder, aber auch die Verletzungen und Schmerzen, es ist ein unglaubliches Gefühl», freute er sich. «Die Trainings und die Vorbereitungsstrategie der Coaches sind der Schlüssel zu solchen Erfolgen. Ohne die Leute um mich herum und den Verein wäre dieser Sieg nie möglich gewesen.»