Volleyball-Europameisterschaft

Mehr als nur der Spassvogel: Sarah Trösch und ihre Erlebnisse an der Volleyball-Europameisterschaft

Sarah Trösch (2. von rechts) nach dem Sieg im Cupfinal mit Neuenburg gegen Sm’Aesch Pfeffingen.

Sarah Trösch (2. von rechts) nach dem Sieg im Cupfinal mit Neuenburg gegen Sm’Aesch Pfeffingen.

Zusammen mit der Volleyballnationalmannschaft erlebte Sarah Trösch an der Europameisterschaft eine emotionale Achterbahnfahrt. Nun blickt sie auf ihre Abenteuer mit der Schweizer Nationalmannschaft und das Triple mit Viteos NUC zurück.

Freude, Enttäuschung, Ehrfurcht, Wehmut: Sämtliche nur menschenmöglichen Emotionen prägten die vergangenen Wochen im Leben von Sarah Trösch. Zusammen mit der Volleyballnationalmannschaft erlebte die 24-Jährige an der Europameisterschaft eine emotionale Achterbahnfahrt. In Bratislava angekommen, überwog vor allem die Vorfreude.

«Es war für uns alle eine krasse Erfahrung. Die Atmosphäre im Stadion war total schön. Wir hatten alle Gänsehaut, als wir es zum ersten Mal betraten», blickt Trösch zurück.
Doch nicht immer blieb die Vorfreude ungetrübt. Die Vorbereitung in Frankreich und Estland miteinberechnet, verbrachten die Spielerinnen insgesamt 60 Tage miteinander, Kontakt zu den anderen Spielerinnen gab es nur zur Essenszeit.

Obwohl von Lagerkoller keine Rede sein kann, war die ungewohnte Situation nicht immer einfach. Dass Sarah Trösch den Ruf als Unterhalterin geniesst, kam ihr und der Mannschaft zugute. Als Trösch auf diese Rolle angesprochen wird, muss sie zuerst einmal herzhaft lachen. Doch schnell zeigt sich, dass dahinter mehr steckt.

Mit Humor alle Widrigkeiten bekämpft

«So lange mit den gleichen Personen unterwegs zu sein, kann manchmal schwierig sein. Viele Spielerinnen hatten Heimweh oder vermissten ihr gewohntes Umfeld», so die Solothurnerin. «In solchen Situationen liess ich oft einen Witz fallen, um sie aufzubauen. Mit einem dummen Spruch wollte ich ein wenig Lockerheit ins Team zu bringen».

Sie nur als Spassvogel zu bezeichnen, wird ihr trotzdem nicht gerecht. Mit ihrer positiven Einstellung hält sie das Team nicht nur in Bratislava zusammen. «Ich finde es gut, wenn man auch über Krisen und ernstere Situationen lachen kann», fügt sie an.

Diese Einstellung sollte ihr auch darüber hinweghelfen, dass sie alle fünf Spiele bloss als Zuschauerin von der Bank aus erlebte. Während sie in der Qualifikationsphase selbst auf dem Platz stehen durfte, blieb ihr dies am Turnier verwehrt.

«So ist es nun einmal im Teamsport, jeder hat seine Rolle. Mit den Jahren lernt man, dies zu akzeptieren», sagt Trösch. «Dass wir alle Freundinnen sind, macht es ein wenig einfacher. Zu der EM gehören letztlich nicht nur die vierzehn Personen, die vor Ort waren. Es ist das Ergebnis der letzten zwei Jahre.»

Fehlende Abgeklärtheit und ein letzter Erfolg

Aussen vor war sie sowieso nie. Nicht selten war ihr Humor in Bratislava existenziell. Es galt, die eine oder andere Enttäuschung wegzustecken. Dazu gehörten vor allem die beiden Fehlschläge gegen Spanien und die Slowakei. Während die Schweizerinnen gegen Russland und Deutschland als Aussenseiter eine Niederlage miteinkalkuliert hatten, erhoffte sich das Team in diesen beiden Partien Punkte, die ein Weiterkommen ermöglicht hätten.

«Wir waren zu nervös und unerfahren, um in den richtigen Momenten das Richtige zu tun. Die Abgeklärtheit fehlte», erklärt sich Trösch den Ausgang der beiden Spiele. Doch nach der vierten Niederlage in Folge sollte die Achterbahn der Gefühle kein Ende finden.

Im letzten Spiel der Gruppenphase traf die Schweiz auf Weissrussland. Zu diesem Zeitpunkt stand schon fest, dass ein Weiterkommen nicht mehr möglich war, doch das schien die Schweizerinnen nicht zu bremsen. Mit 3:1 setzten sie sich letztlich gegen den Favoriten durch und realisierten den ersten Sieg an einer EM seit 1971.

Rückkehr in den Alltag

So folgte auf die anfängliche Enttäuschung die pure Freude, in der doch auch etwas Wehmut mitmischte, die letztlich im Abschiedsschmerz ihren Höhepunkt fand: Nach 13 Jahren wird Timo Lippuner, der das Team erst als Assistenztrainer und dann als Headcoach betreute, nicht mehr länger für die Schweizer Nationalmannschaft tätig sein. Als einen der prägendsten Momente bezeichnet Trösch deswegen auch dessen Abschied.

«Wir waren alle zusammen noch ein letztes Mal essen, bei der Verabschiedung wurde es recht emotional», sagt Trösch. Während der mit einem letzten Triumph verabschiedete Timo Lippuner sich in der Bundesliga nun wieder voll und ganz um die Roten Raben Vilsbiburg kümmern kann, geht es für Trösch nach all dem Trubel zurück in den Alltag.

Diesem blickt sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. «Es war eine mega schöne Zeit in Bratislava, aber jetzt freue ich mich vor allem über die Rückkehr nach Neuenburg. Wieder zurück im Alltag zu sein, ist auch schön.»

Eine perfekte Saison gekrönt

Doch seitdem sie in der Saison 2011/12 mit Volley Schönenwerd den Aufstieg in die Nationalliga B realisierte, ist auch dieser alles andere als gewöhnlich. Zahlreiche Stationen hat die aus Aeschi stammende Trösch durchlaufen, um heute als Profispielerin mit Viteos NUC dem Erfolg nachjagen zu können. Dort fühlt sie sich puddelwohl: «Der Klub steht immer hinter uns, auch wenn es mal nicht läuft. Es ist wie eine Familie in Neuenburg.»

Mit dieser gelang ihr in der letzten Saison gar das Triple und somit die Krönung ihrer besten Saison. «Am Ende drei Goldmedaillen zu haben, ist Wahnsinn. Ich kann dieses Gefühl auch heute noch immer nicht beschreiben», sagt Trösch. Ganz verarbeitet hat sie weder das Triple noch all die Erfahrungen an der Europameisterschaft.

Zeit für eine Verschnaufpause bleibt ihr dennoch kaum, im Oktober folgt mit dem Supercup bereits schon wieder der erste Ernstkampf mit Viteos NUC. Spätestens dann dürfte sich ihr Leben wieder ein kleines bisschen im Ausnahmezustand befinden.

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