Laufsport
Martina Strähl kämpft gegen Widrigkeiten auf Weg zum EM-Marathon in Zürich

Die 26-jährige Berglauf-Spezialistin Martina Strähl ist nach einer hartnäckigen Grippe noch nicht ganz im Vollbesitz ihrer Kräfte. Auswirkungen auf die Teilnahme an der Heim-EM soll dies jedoch keine haben.

Fabio Baranzini
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Freut sich auf die Europameisterschaft in Zürich: Martina Strähl

Freut sich auf die Europameisterschaft in Zürich: Martina Strähl

Der Marathon an der EM Mitte August in Zürich wird das wichtigste Rennen in der Karriere von Martina Strähl sein – zumindest gemessen an der Grösse des Anlasses und der daraus resultierenden Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. An Welt- und Europameisterschaften hat die 26-jährige Solothurnerin schon oft teilgenommen, bis auf eine Ausnahme (2010 lief sie über 10 000 Meter an der Leichtathletik-EM in Barcelona) allerdings immer im Berglauf.

Einmalige Chance

In ihrer Paradedisziplin hat sie sich bereits zwei EM-Titel gesichert. Extra für die Leichtathletik-EM in Zürich hat sich die Läuferin des LV Langenthal nun auf die flache und längere Marathondistanz gewagt. «Ich bin und bleibe ein Bergläuferin, aber die Chance, an einer Leichtathletik-EM im eigenen Land teilzunehmen, ist einmalig», so Strähl, die beim letztjährigen Swiss City Marathon in Luzern – ihrem ersten klassischen Marathon überhaupt – die EM-Limite gleich um fünf Minuten unterboten hatte.

In diesem Jahr sind Wettkampf- und Trainingsplan voll auf den Auftritt in Zürich ausgerichtet. Doch ausgerechnet als Ende Februar die ersten, wärmenden Sonnenstrahlen den Frühling ankündeten und das Trainieren draussen angenehmer machten, wurde Martina Strähl von einer Grippe ausgebremst. Zwei Wochen wurde die 26-Jährige von Fieber, Halsschmerzen und Müdigkeit ausser Gefecht gesetzt. Trotzdem entschloss sie sich, am Reusslauf in Bremgarten zu starten. Keine gute Idee, wie sich zeigen sollte. «Ich hatte danach einen Rückfall und war erneut fast vier Wochen krank», sagt Strähl.

Weiterhin entkräftet

Auch heute ist sie noch nicht ganz im Vollbesitz ihrer Kräfte. «Ich absolviere zwar wieder mein gewohntes Trainingspensum, aber ich fühle mich noch immer müde, vor allem dann, wenn ich draussen trainiere.» Erschwerend kommt hinzu, dass die Psychologiestudentin mitten in der entscheidenden Phase ihrer Masterarbeit steckt und daher immer wieder Nachtschichten einlegen muss, damit es mit der Abgabe im Juli klappt. Trotzdem ist sie überzeugt, dass weder der krankheitsbedingte Trainingsrückstand noch der zusätzliche Stress an der Universität einen Einfluss auf ihre EM-Vorbereitungen haben werden. «Die Krankheit kam gar nicht zu einem so ungünstigen Zeitpunkt. Sonst hätte ich vielleicht zu viel trainiert und wäre an der EM gar nicht mehr in Topform gewesen.»

Eigenwillige Vorbereitung

So aber beginnt sich Martina Strähl langsam an die Marathondistanz heranzutasten. Den geplanten Start am Halbmarathon in Freiburg (De) an diesem Wochenende hat sie abgesagt, dafür wird die Oekingerin in den kommenden Wochen an einigen Bergläufen teilnehmen. Eine Strategie, die nicht alle verstehen. «Es gibt schon Leute, die beim Anblick meines Rennplans denken: ‹Die spinnt ja.› Aber die Bergläufe haben mir bereits letztes Jahr geholfen, meine Form zu finden», erklärt Martina Strähl schmunzelnd. Je näher die EM rückt, desto länger werden auch ihre Renndistanzen. Den Abschluss bildet im Juli ein Halbmarathon.

Trotz der klaren Planung bleibt eine kleine Unsicherheit. «Das EM-Rennen ist erst mein zweiter Marathon. Da fehlt mir natürlich noch die Erfahrung und zudem ist die Strecke in Zürich ziemlich anspruchsvoll», sagt Strähl.