Laufsport
Martina Strähl ist am Berg wieder einmal die Stärkste

Während es bei den Frauen mit der Streckenrekordhalterin Martina Strähl eine «logische» Siegerin gab, setzte sich bei den Männern mit Raffael Huber einer durch, den die wenigsten auf der Rechnung hatten.

Michael Forster
Drucken
Teilen
Die kurz vor dem Rennen fertiggestellte neue Brücke hielt der Belastung von 1388 Beinen mühelos stand.

Die kurz vor dem Rennen fertiggestellte neue Brücke hielt der Belastung von 1388 Beinen mühelos stand.

Bruno Kissling

Dabei hätte es eigentlich genau umgekehrt sein sollen. Denn mit dem 24-jährigen Raffael Huber reiste nicht irgendwer nach Hägendorf, sondern der amtierende Studenten-Weltmeister im Orientierungslauf über die Langdistanz. Und Martina Strähl? Sie stapelte vor dem Start tief, im Wissen, dass der erste Lauf in dieser Saison in erster Linie einer Standortbestimmung gleichkommen würde. Ein Ermüdungsbruch im Oberschenkel Anfang Jahr liess ein vernünftiges Lauftraining kaum zu, und so hielt sich die Oekingerin polysportiv fit. «Ich stellte mich auf einen Trainingslauf ein, und am Anfang ging ich es auch wirklich gemächlich an.» Beim Sprint nach knapp vier Kilometern schienen die Rollen denn auch klar verteilt: Vorjahressiegerin Bernadette Meier lief vor dem Einbiegen in die Schlucht souverän als Erste durch, während Strähl einen eher verkrampften Eindruck machte. «Zu diesem Zeitpunkt wollte ich ganz einfach noch ins Ziel kommen», bestätigte die 25-Jährige den gewonnenen Eindruck – doch dann kam alles anders.

Die Studentin fühlte sich, je steiler es wurde, desto besser, machte Boden auf Meier gut und überholte die Ostschweizerin in zweiten Hälfte der Schlucht. Diese hatte in den letzten Wochen viel in die Vorbereitung zur 10 000-m-SM investiert und deshalb das Bergtraining etwas vernachlässigt: «Dafür bin ich mit der heutigen Leistung ganz zufrieden.» Spätestens im Hinblick auf die Berg-EM, welche Meier als Saisonziel formuliert, werde sie die Prioritäten aber wieder anders setzten. Im Ziel genoss Martina Strähl ihren bereits 6. Erfolg am Schluchtlauf, ohne jedoch euphorisch zu werden: «Ich spürte die heutigen Strapazen bereits unmittelbar nach dem Rennen. Mein Körper ist sehr anfällig, deshalb darf ich in der nächsten Zeit nicht zu viel machen.» Und so liess sie auch offen, ob sie am Wengi-Berglauf vom nächsten Freitag starten wird. Bereits ihren 20. Einsatz absolvierte am 25. Tüfelsschluchtlauf übrigens die Neuendörferin Vroni Kobler, und dabei verfehlte sie den Kategoriensieg bein den F50 nur um neun Sekunden.

während bei den frauen das Rennen ganz klar vom Duell der beiden Erstklassierten geprägt wurde, zeichnete sich an der Spitze des Männerrennens schon früh ein Duell der verschiedenen Sportarten ab. Bereits bei der Sprintwertung, welche Raffael Huber scheinbar locker und mit rund 15 Sekunden Vorsprung zu seinen Gunsten entschied, war klar: Die reinen Berglaufspezialisten, wie etwa Vorjahressieger Andi Herzig, würden es in diesem Jahr schwer haben. Denn hinter dem späteren Sieger, der sich bereits nach wenigen Metern aus dem grossen Hauptfeld verabschiedete, formierte sich ein Quartett mit dem starken Mittel- und Langstreckler Silvan Marfurt, dem zweifachen Gigathlon-Sieger Samuel Hürzeler, Andi Herzig und dem Obergösger Severin Widmer. Der Inline-Gesamtweltcupsieger von 2011 erreichte am Ende den Allerheiligenberg als Gesamt-6. und blieb dabei fast eine Minute unter dem bereits starken Wert des Vorjahres. Und das, obwohl er, einer Entzündung wegen, in den letzten acht Wochen kein Lauftraining absolvieren konnte. «Ich ging das Tempo der Gruppe zu Beginn mit, wusste aber genau, dass es keinen Sinn macht, Raffi zu folgen – dafür kannte ich aus den Zeiten unserer gemeinsamen RS zu gut», schmunzelte der 24-Jährige. Die fehlenden Laufkilometer spürte er vor allem auf dem letzten Kilometer: «Nach dem Einbiegen auf die Strasse schaute ich nur noch nach hinten – ich war so platt, dass ich es kaum mehr ins Ziel schaffte.» Bereits am Mittwoch wird Widmer in Frankfurt wieder in seiner Paradedisziplin unterwegs sein und ein Rennen des German Inline Cups bestreiten.

Die Ränge vier und fünf gingen an Philipp Feuz (Lauterbrunnen) und Andi Herzig (Liestal), welche sich gegen Ende des Rennens vom Niederämter abzusetzen vermochten. Rund hundert Meter weiter vorne entschied derweil Samuel Hürzeler das Duell gegen Silvan Marfurt zu seinen Gunsten, doch sie beide waren chancenlos gegen Raffael Huber. Bislang an fünf Auftritten am Gempen-Berglauf positiv in Erscheinung getreten, deutete er sein Potenzial bergauf erstmals auch vor der ersten Jurakette an und siegte nach rund acht Kilometern und 500 Höhenmetern überlegen. Das Mitglied der OL-Nationalmannschaft, in diesem Januar im Weltcup erstmals in den Top 10, musste zum Schluss aber hart für den Erfolg kämpfen. «Auf den letzten Metern hatte ich tatsächlich Angst, das Ganze noch zu verlieren.» Die Konzentration gilt spätestens Ende Mai aber wieder dem OL, wenn er an der Weltcupserie in Skandinavien teilnehmen und in zehn Tagen fünf Rennen bestreiten wird.

Aktuelle Nachrichten