Nicht die lebensbedrohliche Magenblutung im letzten Spätsommer, nicht das vorsichtige Zurückfinden zum Leistungssport und nicht der daraus hervorgehende Mangel an Rennerfahrung sind die Hauptgründe für das Befinden, mit dem Martina Strähl nach Berlin geflogen ist.

Um Verunsicherung handelt es sich. Diese entwickelte sich im vergangenen Monat. Eine heftige Grippe hat die bald 31-Jährige erwischt. Eine Grippe mit allem Dazugehörenden: Fieber, Gliederschmerzen, einem Stirnhöhlenkatarrh, Kopfschmerzen. Und vier, fünf Tagen Bettruhe.

Die Teilnahme an den Halbmarathon-Weltmeisterschaften im spanischen Valencia am vorletzten Samstag musste Martina Strähl deshalb absagen. Zu früh wären diese gekommen. «Ich hätte meine Leistung kaum erbringen können», blickt sie auf jene Tage zurück. Eben erst wieder auf den Beinen, fühlte sie sich angeschlagen, kraftlos, beim Atmen gehindert. Zusätzlich wirkte die Intensivdosis Antibiotika nach.

«Es kommt gut»

Obwohl sich die Grippebegleiterscheinungen als «extrem hartnäckig» erwiesen, blickt Martina Strähl nun dem (Ersatz-)Rennen von übermorgen Sonntag in Berlin zuversichtlich entgegen. «Das Gefühl, dass es gut kommt, hat sich langsam ins Zentrum geschoben», sagt sie. Zwar begleite sie nach wie vor ein lästiger Husten, aber die Kraft und Energie seien zurückgekehrt.

Und das Abschlusstraining am Mittwoch (eine Stunde mit integrierten Achtmal-2-Minuten-Intervallen auf dem Laufband) fühlte sich so an, wie sie es sich von guten Tagen gewohnt sei. «Jetzt kann ich herunterfahren, dem Körper Erholung gönnen und die Spannung für das Rennen aufbauen», blickt sie vorwärts auf die 21,098 km vom Sonntag.

Erbringen will die Solothurnerin die von Swiss Athletics geforderte Formbestätigung bezüglich der Europameisterschaften dieses Sommers in Berlin. Um einen exakten Wert handelt es sich dabei nicht. Hohe Ansprüche an sich stellt vor allem Martina Strähl selber. Einen Anfangsrhythmus will sie anschlagen, der sie in den Bereich ihrer bisherigen Bestmarken von 1:11:50 Stunden (2016) und 1:11:59 (2017) führen soll.

Dass sie von einer «unangenehmen und unerwünschten Unsicherheit» begleitet wird, streitet sie aber nicht ab: «Ich kann nicht sagen, wie sich der Trainingsausfall und die Nachwehen der Grippe auswirken werden.» Mit Freude festgestellt hat sie aber in den letzten Tagen, wie sich eine Zuversicht entwickelt und das Zweifelnde in den Hintergrund gedrängt hat.

Bestmarke schafft Sicherheit

Um ein Gefühl handelt es sich, das vor allem auf dem Erlebten der letzten Monate basiert: mit dem gradlinigen Aufbau, dem Formanstieg, der Kraft und Energie und vor allem ihren Resultate. Lediglich um zwei handelt es sich, aber um zwei hochrelevante.

Am Reusslauf in Bremgarten Ende Februar verlor sie über die 11 km lediglich knapp eine Minute auf die aktuell stärkste Schweizer Langstreckenläuferin Fabienne Schlumpf. Auf der Haben-Seite aber konnte sie verbuchen: über zweieinhalb Minuten vor der aktuellen Schweizer 10-km-Strassenlaufmeisterin Chiara Scherrer und die Verbesserung der eigenen Streckenbestmarke aus dem Vorjahr.

Und eine Woche später kams noch besser. Martina Strähl zeigte in Payerne ihre Qualitäten mit einer 10-km-Bestzeit von 32:56 Minuten. Um die viertbeste je von einer Schweizerin auf der Strasse gelaufenen Zeit handelt es sich. Und begleitet war diese durch einen viel beachteten Sieg über die Murtenlaufsiegerin und Berglauf-Europameisterin Maude Mathys.