Aus der Klinik zum Festsieg

Mario Thürig gewinnt Solothurner Kantonal-Schwingfest

Wie Phönix aus dem Sägemehl: Mario Thürig lässt sich feiern.

Wie Phönix aus dem Sägemehl: Mario Thürig lässt sich feiern.

Der Aargauer Mario Thürig gewinnt überraschend das Solothurner Kantonal-Schwingfest in Walterswil. Im Schlussgang besiegte er Patrick Räbmatter.

Neun Minuten lang ist es ganz ruhig. Die zwei übrig gebliebenen Hünen warten erst mal ab, tasten sich ran. Schauplatz ist der Schlussgang des 120. Solothurner Kantonal-Schwingfestes in Walterswil. Nur einmal – kurz –, als Patrick Räbmatter in Bedrängnis ist, geht ein Raunen durch das Publikum.

Neun Minuten müssen sich die 1900 Zuschauer gedulden. Und dann plötzlich: Mario Thürig macht eine schnelle Bewegung, dann noch eine – und Räbmatter liegt auf dem Boden. Wenig später rückt ihn Thürig noch in die richtige Position, was so viel heisst wie: Räbmatters Schulterblätter berühren den Boden. Das Raunen schlägt im Publikum in laute Begeisterung um, damit hat wohl wirklich niemand gerechnet.

«Es war ein harter Schlussgang», sagte Thürig hinterher. «Ich wusste, dass Räbmatter in den ersten Minuten sehr stark ist. Ich wollte ihn in der ersten Phase neutralisieren. Das ist mir gelungen.»

Rückkehr nach 13 Monaten

Dass Thürig ein kantonales Schwingfest gewinnt, ist keine Überraschung. Der Erfolg in Walterswil ist bereits sein 16. Kranzfestsieg. Hinzu kommen 87 weitere Kränze, 4 davon sind sogar Eidgenössische.

Dass Thürig aber dieses Schwingfest gewinnt – das erstaunt. «Mit dem Sieg habe ich sicher nicht gerechnet. Das Ziel war eigentlich nur, einen Kranz zu holen», sagte Thürig.

Mit gutem Grund: In den letzten 13  Monaten hat der Zimmermann das Sägemehl und die Schwingerarena mit der sterilen Umgebung einer Rehaklinik getauscht. Im April des vergangenen Jahres riss er sich am Surentaler Frühjahrsschwinget das Kreuzband, im Mai erfolgte die Operation. Es war nicht das erste Mal, dass das Kreuzband Mario Thürig Sorgen bereitete. Bereits ein Jahr zuvor am Kilchberger Schwinget lädierte er sich das Knie.

«Ich hatte schon viele Verletzungen in meiner Karriere, aber so lange wie jetzt war ich noch nie weg», sagte Thürig. «Dass ich diesen Schlussgang jetzt gewonnen habe, ist mir nicht so wichtig wie der Fakt, dass ich gesund nach Hause gehen kann.

Obwohl auch Thürig als Favorit aufgelistet war, richtete sich das Augenmerk der Zuschauer in den ersten Gängen auf Bruno Gisler, das Urgestein mit 110 Kränzen. Umso mehr überraschte es, als Benji von Ah, der Gast aus Obwalden, bereits im ersten Gang kurzen Prozess machte mit dem Lokalhelden. Nach nur zwei Minuten legte er Gisler mit einem Kreuzgriff auf den Rücken. Eine grosse Überraschung.

Wohl zu gross auch für das Einteilungsgericht, das dem Obwaldner mit Andreas Henzer einen Defensivkünstler im zweiten Gang zuteilte. Es funktionierte: Nach Ablauf der Gangdauer stand kein Sieger fest und von Ah verlor Plätze. Und weil er auch im fünften Gang patzte und Punkte abgab, während sich Thürig nur einmal gegen Remo Kocher schwertat, landete der Obwaldner im Schlussklassement auf dem vierten Rang, während sich Thürig im Schlussgang an seinem Aargauer Kollegen Räbmatter um den Lebendpreis, einen Simmentaler-Muni, messen konnte.

Der Kranz als Fernziel

«Während meiner Verletzung habe ich intensiv darauf hingearbeitet, wieder ein Kranzfest zu gewinnen. Dass mir das gleich beim ersten Mal gelingt, freut mich sehr», sagte der sichtlich zufriedene Mario Thürig nach dem Sieg im Schlussgang.

Thürig hat bereits die nächsten Schwingfeste im Blick. In einer Woche findet das Aargauische Kantonal-Schwingfest statt. In Lenzburg hat Thürig Heimspiel. Sein Klub organisiert das Fest. Für das Eidgenössische Schwingfest, das dieses Jahr im August in Estavayer stattfindet, hat er als Fernziel einen Kranz definiert. Es wäre bereits sein vierter. «Aber das ist noch weit weg. Jetzt geniesse ich erst mal den Sieg und meine zurückgewonnene Gesundheit.»

Die Berichterstattung zum Schwingfest finden Sie hier.

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