Es war ein Schlussgang am Solothurner Kantonalschwingfest in Hägendorf, wie man ihn äusserst selten zu sehen bekommt. Der uneinholbar in Front liegende Mario Thürig, der das Fest selbst bei einer Final-Niederlage gewonnen hätte, und der Einheimischen Bruno Gisler gingen im Schlussgang aufeinander los wie zwei Walliser Kampfkühe.

Spektakel pur für die 2500 Fans rund um die vier Sägemehlringe. «Ich musste Vollgas geben, alles andere hätte mir angesichts des Vorsprungs von Mario nichts genützt», hielt Gisler fest.

Thürig beisst auf die Zähne

Dann jedoch der Schreckmoment: «Ich wollte mich am Boden aufstützen und dann hat es plötzlich im Ellbogen geknackt», so Thürig. Just in dem Moment, als ihn sein Widersacher erneut zu attackieren versuchte. Minutenlang liess sich Thürig darauf behandeln und kühlte seinen Ellbogen. Schliesslich setzte er den Gang mit Schmerzen fort. «Ich musste noch einmal zurück, sonst hätte man mir für den Schlussgang keine Note geschrieben», so Thürig.

Im Prinzip hätte er sich jetzt einfach hinsetzen und von Gisler ins Sägemehl drücken lassen können. Wie erwähnt, angesichts des Vorsprungs, den der vierfache Eidgenosse aus Möriken nach fünf Gängen aufwies, hätte er das Fest trotzdem auf Rang 1b beendet. «Hinlegen wollte ich mich aber nicht», hielt Thürig fest. «Hinstehen, greifen und ein einziges Mal ziehen – das war meine Idee». Doch so weit kam es gar nicht erst. Gisler zog früher – Thürig parierte mit einem Kurz-Konter im Kreuzgriff und legte seinen Gegner, welch Wunder, auf den Rücken. «Das ist unglaublich, dass ich diesen Gang noch gewinnen konnte», sagt Mario Thürig. Lohn für dieses Kunststück: Kranz Nummer 83 und Festsieg Nummer 14.

Wie teuer Mario Thürig der Gewinn von Muni DJ in Hägendorf indes noch zu stehen kommt, soll sich heute bei einer Untersuchung des lädierten Ellbogens in der Rennbahn-Klinik in Muttenz herausstellen. «Ich hoffe natürlich, dass ich die Saison fortsetzen kann», sagt der nunmehr zweifache Saisonsieger. Thürig hatte schon das Baselstädtische an Auffahrt gewonnen.

Heimbonus nach langer Sperre

Bruno Gisler seinerseits durfte sich an seinem Heimfest der Unterstützung des Publikums gewiss sein. «Es wäre schön gewesen, aber es hat nicht sollen sein», hielt der 30-jährige Rumbisberger fest. Nach dem langen Unterbruch im Schlussgang sei er natürlich nicht mehr im gleichen Rhythmus gewesen, aber letztlich «hat auch das nötige Quäntchen Glück gefehlt», meinte Landwirt. Grundsätzlich fühle er sich nach seiner Doping-Sperre wieder gut im «Schwing-Modus» angekommen.

Dass Gisler vom Einteilungskampfgericht überhaupt in den Schlussgang reingewählt wurde, hatte er natürlich seinem Heimbonus zu verdanken. Der Baselbieter Jürg Mahrer und der Untersiggenthaler Christoph Bieri totalisierten nach fünf Gängen nämlich gleich viele Punkte wie Gisler. Was notabene das Notenblatt angeht, «darf ich schon sagen, dass meines bis dahin besser aussah als das von Bruno», hielt Bieri fest. Dem war effektiv so, was wiederum für Bieri als Finalisten gesprochen hätte.

Im fünften Gang hatte 28-jährige vom SK Baden-Brugg den Solothurner Mitfavoriten und Eidgenossen Remo Stalder mit einem inneren Haken aus der Entscheidung geworfen. Gisler seinerseits hatte seinen zweiten Gang gegen den Mann des Tages, den Fricktaler David Schmid, gar verloren.

Trost für Bieri

Immerhin: Mit einem abschliessenden Sieg über Jürg Mahrer klassierte sich Christoph Bieri schliesslich auf dem starken zweiten Rang. «Ich bin etwas leichter als letztes Jahr und muss mir darum meine Siege etwas mehr erkämpfen», sagt 67-fache Kranzer. Das klappt indes ganz gut: Nach dem dritten Rang am Baselstädter und dem Zweiten am Solothurner wäre der nächste Schritt jetzt der erste Kranzfestsieg dieser Saison. Vielleicht schon am Oberaargauischen nächstes Wochenende in Messen.