Eishockey
Marco Vogt: «So ein Spiel erlebt man nicht alle Tage»

Der «verrückte» 2:1-Sieg gegen Visp am Dienstag ist für Marco Vogt mehr als nur ein Sieg: Er spricht von einem richtigen Hockeyabenteuer, von den Playoffs eben.

Michael Forster
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Marco Vogt in voller Aktion.

Marco Vogt in voller Aktion.

Hans Peter Schläfli

Der 2:1-Sieg nach Verlängerung im 2. Playoff-Viertelfinal gegen Visp war ein verrückter Hockeyabend?

Marco Vogt: Oh ja, da war etwas los! Im Nachhinein ist natürlich alles super gelaufen, das erlebt man nicht alle Tage. Die Playoffs sind ohnehin schon speziell, dazu der Stromausfall: ein richtiges Hockeyabenteuer!

Bleibt da zumindest ein wenig Zeit zum Geniessen?

Ja, es gibt sicher den Moment dazu. Das passiert jeweils nach dem Spiel - wir gehen zusammen essen und entspannen uns.

Was ging denn am Dienstag nach Mitternacht noch genau ab?

Wir haben in der Garderobe schnell miteinander angestossen und waren danach im Astoria essen.

Das tönt nach einer kurzen Nacht.

Das ist so. Glücklicherweise habe ich am Morgen frei bekommen. Das war auch nötig. Um 7 Uhr bereits wieder zur Arbeit zu müssen, wäre sicher nicht optimal gewesen...

...vor allem deshalb, weil Sie wohl auch erst um 3 Uhr ins Bett kamen.

Ich konnte sogar erst um 4 Uhr einschlafen. Nach dem Spiel nimmt man oft noch Vitaminshakes und Schokolade zu sich. Die Müdigkeit ist jeweils mehr körperlich, der Geist hingegen ist hellwach. Es tut zwar alles weh, an Schlaf ist aber nicht zu denken.

Es gab ja auch noch viel zu verarbeiten: Zuerst der Sieg an sich.

Bei einer Niederlage hätten wir die Serie wohl verloren. Ab der 30. Minute haben wir wirklich gut gespielt, hatten viele Chancen. Klar hätten wir die Partie gerne nach 60 Minuten entschieden, die Möglichkeiten dazu waren vorhanden. Wenn man solche Dinger auslässt, kann sich das rächen. Diesmal zum Glück nicht.

A uch dieser Sieg gibt zwar nur einen Punkt, aber irgendwie steckt wohl doch mehr dahinter.

Ich finde auch, dass es mehr ist als nur der Ausgleich in der Serie zum 1:1. Ein 0:2 wäre fatal gewesen, jetzt hingegen ist das Momentum auf unserer Seite.

Von der Intensität her waren die beiden Spiele auf einem vernünftigen Niveau. Sie persönlich scheinen sich in diesen physischen Momenten besonders wohl zu fühlen.

Absolut. Ich habe bereits im Sommer mit meinem Fitnesscoach sehr gut gearbeitet, jetzt kann ich die Früchte ernten. Seit dem Trainerwechsel haben wir zudem im Kraftbereich grosse Fortschritte erzielt. Wir haben immer gewusst, dass in den Playoffs ein völlig anderes Hockey gespielt wird.

Ist der Unterschied so gross?

Man kann die beiden Hockey nicht miteinander vergleichen, das sind zwei Welten. Wenn man es nie selber erlebt hat, kann man das nicht beschreiben. Emotionen sind immer vorhanden und ebenso der Wille, mit der Mannschaft etwas zu bewegen.

Nicht nur die Emotionen gehören zu den Playoffs, auch Provokationen.

Auf jeden Fall. Da werden nette Worte mit auf den Weg gegeben mit der Hoffnung, dass der Kessel explodiert.

Allein, die Visper machen das Spielchen natürlich auch mit.

Ja, aber das ist auch gerade der grosse Reiz an den Playoffs: dass mehr erlaubt ist. Auch die Schiedsrichter drücken ein Auge mehr zu als sonst. Das ist recht interessant: Man muss ans Limt gehen, aber die Grenze nicht überschreiten.

Der EHCO war nach dem Ausgleich zum 1:1 kaum mehr zu halten.

Der Ausgleich war ein «Gamebreaker». Zuvor waren wir stets angerannt und zündeten immer wieder verzweifelte Offensivaktionen. Das 1:1 brachte dann einen wahren Leistungsschub, während bei Visp der Faden total riss.

In der Verlängerung spielte dann nur noch der EHCO, mit dem Duo Marcon/Vogt als Matchwinner. Eine zufällige Konstellation?

Der Coach sagte, dass er mich in der Verlängerung als Flügel bringen möchte. Es hat sich dann so ergeben, dass ich mit Bruno auf dem Eis stand.

Es war der krönende Abschluss mit dem wichtigsten Skorerpunkt Ihrer Karriere.

Das kann man so stehen lassen. Es war ein schönes Gefühl, dem Team etwas zurückgeben zu können. Dank Bruno, der das Tor machte.