«Biels Stratege Marco Mathys ist ein pures Talent, technisch höchst begabt, kreativ und fähig, das Spiel durch millimetergenaue Pässe zu gestalten.» Diese Laudatio stammt nicht von einem Spielervermittler, sondern von der Website Enfant du Servette, die Genfs Klubbossen die Verpflichtung des smarten Aufbauers nahelegt. So sehr sie zutrifft: Noch ist es nicht so weit.

Subtile Ballbehandlung

Zum Glück für den FC Biel, sind doch Mathys’ subtile Ballbehandlung, seine Vista für das überraschende Zuspiel im richtigen Moment, seine Leichtfüssigkeit und seine Kunstschüsse oft das Eintrittsgeld alleine wert und im heissen CL-Abstiegskampf von grösster Wichtigkeit.

Einst startete der Filigrantechniker beim SC Derendingen. «Als Junior war mein Vater mein Förderer. Als Trainer hat er mir das Fussball-ABC beigebracht, ihm verdanke ich viel», lobt Biels Nr. 17 seinen Lehrmeister. 2006 zog er zu Murat Yakins Concordia, und nach dessen Zwangsabstieg 2009 «bemühte sich FC-Biel-Trainer Philippe Perret um mich und ich wechselte ins Seeland.»

Dort absolvierte er seither 65 von 67 Partien und schoss 18 Tore, das letzte am Montag zum wichtigen 1:0 gegen Chiasso. Lange besuchte er noch Spiele seines Stammklubs im Solothurnischen, «aber nach dem SCD-Abstieg wanderten die meisten meiner einstigen Teamkollegen ab», bedauert Mathys.

Dass er just Servette-Fans begeisterte, erstaunt angesichts seines lateinischen Stils nicht. Er ist kein «Beisser», keiner fürs Grobe. Bei ihm wird der Ball nicht getreten, sondern liebevoll angetupft und gestreichelt. Bei ihm ist ein Tor nicht einfach ein Ball im Netz, sondern oft ein Kunstwerk mit ästhetischem Wert. Sein Lifter aus 17 Metern gegen Delsberg oder sein 40-Meter-Aussenrist-Assist auf Doudin daselbst waren Müsterchen der Extraklasse.

Die fein tempierten Pässe, die stupenden Ballkontrollen, die subtilen Körperfinten und der schlaksige Laufstil erinnern auf der Gurzelen an eine ehemalige Grösse, welche hier ihre Karriere lancierte: 1984/85 verzauberte Thomas Bickel die Fussballgourmets mit virtuosen Ballkünsten. Ihm sagte man damals scherzhaft nach, dass selbst einem Fehlschuss alleine vor dem leeren Tor ein Hauch von Grandezza anhafte. Marco Mathys war noch zu jung, um Bickels Auftritte an der WM 1994 in den USA bewusst wahrzunehmen, aber schon Congeli-Co-Trainer Walter Grüter habe ihn einmal mit dem FCZler verglichen. «Das ehrt mich, auch wenn ich nicht so weit bin», kommentiert die bescheidene Bieler Teamstütze das Kompliment.

Nehmen, wie es kommt

Er fokussiert sich nicht auf seine Super-League-Ausstiegsklausel. «Ich konzentriere mich auf meine Leistung, mehr kann ich nicht beeinflussen. Gemäss meinem Motto ‹nimms, wies kommt, plane nicht zu viel› harre ich der Dinge.» Da es ihm in Biel bestens gefällt und er nach drei Jahren Vollprofi bei Concordia ein Wirtschaftsstudium in Bern begonnen hat, ist Fussball nicht die einzige Priorität im Leben.

Doch mit einem Quäntchen mehr Konstanz und Biss könnte der Sprung doch noch gelingen. Dass das Ausnahmetalent neustens nicht nur Biels Offensivspiel orchestriert, sondern bereits mehr Zweikampfhärte an den Tag legt, zeigt die Statistik: Schon hat er zwei Verwarnungen eingesteckt, so viele wie in der letzten Saison insgesamt. Bei ihm ausnahmsweise ein Positivum...