Eishockey

Marco Mathis, ein Goalie im Abseits

Abwarten und Kraft tanken: Torhüter Marco Mathis - hier im Kraftraum des SC Langenthal - hofft auf seine grosse Chance. Foto: Michael Lüthi

Abwarten und Kraft tanken: Torhüter Marco Mathis - hier im Kraftraum des SC Langenthal - hofft auf seine grosse Chance. Foto: Michael Lüthi

Vieles im Leben basiert auf Zufall. Wer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist, dessen Traum wird sich erfüllen. Der Bündner ist Torhüter Nummer 3 beim SC Langenthal – ein schwieriges Leben.

Vieles im Leben basiert auf Zufall. Wer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist, dessen Traum wird sich erfüllen. Aber viele Menschen finden diesen Zeitpunkt, diesen Ort nicht. Einer, der auf der Suche danach hart kämpft, ist Torhüter Marco Mathis (22) aus Davos. Er war schon Ersatzgoalie in der NLA und beim SC Langenthal in der NLB. Aber einen Schlittschuh hat er in einem Nationalliga-Ernstkampf noch nie aufs Eis setzen dürfen.

Nachdem er beim HC Davos sämtliche Junioren-Stufen durchlaufen hatte, spielte Mathis eine Saison bei Herisau in der 1. Liga. In der letzten Meisterschaft schnürte er für Aarau in der höchsten Amateur-Liga die Schlittschuhe. Dort spielt er immer noch. Immerhin: Der Bündner hat eine B-Lizenz beim SC Langenthal, ist dort Goalie Nummer 3 und trainiert täglich mit den Oberaargauern. Von Einsätzen in der Nationalliga ist er aber immer noch weit entfernt.

Marco Mathis arbeitet zu 50 Prozent als Dachspengler in Schönenwerd. Gemeinsam mit seiner Freundin wohnt er in Suhr. Im Privatleben ist er glücklich. Aber im Eishockey-Business wartet er weiter auf seinen Durchbruch. «Es gibt viele Sorgen und Gedanken – es ist ein stetiger Kampf», beschreibt Mathis sein Leben als Eishockeyaner. Das Problem oder das Pech ist seine Position. Goalie kann halt nur einer auf dem Eis stehen. «Ich habe auch schon gedacht, dass ich mich für die falsche Position entschieden habe.» Viele gute Torhüter schaffen den Durchbruch nie, bleiben ein Spielerleben lang in den Amateurligen. «Wenn ich hoffe, dass sich einer der beiden ersten Goalies bei Langenthal verletzt, dann erwischt es sicher mich.» Der Stammkeeper des EHC Aarau spricht von Frustration, «aber trotzdem fühle ich mich glücklich, auf diesem hohen Level mittrainieren zu dürfen».

Finanziell kann sich Mathis mit seinem 50-Prozent-Pensum keine grossen Sprünge erlauben. Er «investiert» in seine Karriere als Eishockeyaner. So kann er nicht ewig weitermachen. Gelingt der Durchbruch nicht bald, muss er sich umorientieren. «Lange gebe ich mir nicht mehr Zeit.» Dabei hat Marco Mathis schon Pucks von Joe Thornton und Rick Nash gehalten. «Allerdings nur, wenn sie mich angeschossen haben», sagt er und lacht. Als die NHL-Stars bei Davos spielten, durfte der damalige HCD-Junior ab und zu mit der ersten Mannschaft trainieren. Die aktuelle Lage sieht etwas anders aus. Er fischt Pucks von Spielern des EHC Brandis aus der Luft… Aber der Bündner glaubt weiterhin an seinen Durchbruch. Sein Rezept: «Ich versuche mir nicht zu viele Gedanken zu machen. Denn es kann sehr schnell gehen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1