In der Cafeteria zeigt er seinen Daumen, den er im Training «überdehnt oder angerissen» hat. Rund um das Gelenk ist alles blau. «Das gehört dazu», sagt der Grenchner. «Jetzt gut tapen, dann geht das schon.» Seit Sonntag und bis heute Mittwoch bringen sich Luca und das Schweizer Team in Magglingen in Wettkampfstimmung, ehe es morgen nach Zürich geht. Dort findet am Wochenende die EM statt.

Beim Morgenessen Ariella Kaeslin gesehen

Marco Luca geniesst es, in Magglingen zu sein – zusammen mit Sportpersönlichkeiten der Schweiz. Beim Morgenessen habe er die Kunstturnerin Ariella Kaeslin gesehen, erzählt er stolz. In der Cafeteria trinkt auch der frühere Spitzenläufer Christian Belz seinen Kaffee. So erfolgreich sein wie die beiden, das möchte auch Luca. Nachdem er an seiner ersten EM im Einzel 2008 Achter geworden ist, möchte er sich am Wochenende in seiner Klasse –84 kg noch weiter nach vorne kämpfen. «Von einer Medaille träumt jeder.»

Für seinen Traum arbeitet der 30-Jährige schon lange. Im Karatepass steht zwar der 1.8.1988 als Stichtag für seinen Einstieg in diesen Sport, aber zusammen mit seinem Vater stand Marco schon viel früher auf der Matte. «Ich kann mich an keine Zeit im Leben ohne Karate erinnern.»

Mittlerweile bildet Marco Luca selber Karatekas aus. In Grenchen hat er im Januar 2010 eine Schule gegründet. Wichtig ist ihm dabei nicht in erster Linie der sportliche Erfolg mit seinen Schülern, sondern, dass sie Respekt lernen. So gehört es dazu, dass man sich zuerst begrüsst und am Schluss verabschiedet. «Leider ist das bei sportlichen Duellen nicht mehr immer so.»

An einem Mittwoch tummeln sich in Grenchen schon mal 20 Kinder in der Halle. Undiszipliniert geht es dennoch nicht zu und her. Denn Marco Luca ist sich gewohnt, mit Kindern umzugehen. Auf dem zweiten Bildungsweg hat er das Diplom als Primarlehrer erlangt und arbeitet nun 80 Prozent in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Solothurn. «Mit Kindern zu arbeiten, das ist meine Berufung», sagt er. Dennoch ist er froh, wenn in seiner Karateschule Freundin Laura aushilft.

Der erste Kampf der Mutter

Sie wird ihn auch an der EM in Kloten unterstützen, genauso wie sein Bruder und seine Mutter. Seine Mama wird ihm das erste Mal beim Kämpfen zusehen. «Sie fand den Sport immer etwas gewalttätig», sagt er und schmunzelt. Dass seine Familie und Kollegen extra kommen, um ihn anzufeuern, stresst ihn «schon ein bisschen. Doch ich bin ja nicht Europameister und stehe extrem unter Druck.» Marco Luca könnte es aber werden. Dafür braucht er in Zürich sechs Siege. Was wären dann schon die blauen Flecken im Vergleich zu einer goldenen Medaille.