Das gross angekündigte Duell zwischen Nino Schurter und Julien Absalon fand beim Racing Cup an den Solothurner Bike Days nicht wie prognostiziert statt. Es war Florian Vogel, der mit einem Blitzstart die erwartete Hierarchie durchbrach. Dem angeschlagenen Rhythmus des Routiniers aus Jona konnte nur Nino Schurter folgen. Die beiden setzten sich früh ab und wechselten sich mit der Führungsarbeit gut ab. Rasch hatten sie eine halbe Minute Vorsprung auf die Verfolgergruppe mit dem Leimiswiler Lukas Flückiger, dem Franzosen Absalon und dem Romand Martin Fanger.

Aber zwei Runden vor Schluss fuhr Schurter plötzlich ganz alleine einem souveränen Sieg entgegen. «Florian Vogel hatte an einer Stelle einen Platten, wo kein Radwechsel möglich war», erklärte Schurter. «Er hatte etwas Pech.» In der Verfolgergruppe hatte Absalon am meisten Schnauf, er wurde Zweiter.

Machtdemonstration vor klasse Publikum

«Einfach super, wenn man in diesen Kessel hineinfährt und von so vielen Leuten bejubelt wird», beschrieb der Sieger seine Gefühle. «Und dann ist es auch immer besonders schön, wenn man vor einem Weltmeister gewinnt», sagte der ehemalige Weltmeister. Vor den kommenden Weltcuprennen sicher eine gelungene Machtdemonstration der Schweizer Titelhoffnung.

Neff gewann mit defektem Rad

Die Dominatorin Jolanda Neff würde die Frauenrennen wohl auch gewinnen, wenn sie mit einem Militärvelo auf die Strecke müsste. Diesen Eindruck bekam man jedenfalls im Zielraum im Schanzengraben, denn an ihrem Mountainbike stand nicht nur Mitten im Rennen der Sattel quer in der Landschaft. Das kostete sie etwa 50 Sekunden. Und dann musste sie das Rennen sogar mit einer defekten Schaltung zu Ende fahren. Auf der Asphalt-Passage hielt sie zum Teil an, um die Kette von Hand im Zahnkranz zu bewegen. Sie sei schon noch den Berg hochgekommen, aber eben mit viel Kraftaufwand. «Die Beine waren gut, aber es hätte heute einfacher sein können. Es ist echt anstrengend geworden.» So gesehen stellte der Vorsprung auf der Ziellinie mit fast einer Minute eine kleine Weltreise dar. Aber man ist sich das ja von Jolanda Neff bereits gewöhnt.

Esther Süss wird Zweite

Esther Süss aus Küttigen, die in Solothurn schon fünf Mal gewann, sicherte sich die Silbermedaille ebenfalls mit kapitalem Vorsprung auf die Schwedin Jenni Rissveds. Die Lommiswilerin Nathalie Schneitter kam auf den sechsten Schlussrang und war einigermassen zufrieden. «Am Anfang lief alles, wie ich es mir vorgestellt hatte», erzählte die Lokalmatadorin. «Ich konnte nach dem Start als Erste in den Singletrail einbiegen und ich ging als Vierte in die erste Abfahrt. Aber dann bin ich in einen Baum gefahren, und das hat mich ziemlich aus dem Konzept geworfen.» Mit dem Stand ihrer Fitness sei sie aber so weit zufrieden. «Manchmal bedeutet eben im Mountainbike ein kleiner Fehler bereits, dass man keinen Spitzenrang erreicht.»

Solothurn. Swiss Cup. Cross-Country. Männer (38,5 km): 1. Nino Schurter (Chur ) 1:34:09. 2. Julien Absalon (Fr) 0:21. 3. Lukas Flückiger (Leimiswil) 0:29.

Frauen (33 km): 1. Jolanda Neff (Thal) 1:35:40. 2. Esther Süss (Küttigen) 0:57. 3. Jenny Rissveld (Sd) 1:47.