Der perfekte Moment mit einem unbekannten Faktor sei es, sagt Pascale Wagner, «die jede und jeden, die voltigieren, antreiben.» Anstacheln und motivieren, einen grossen, täglichen Trainings- und Betreuungsaufwand auf sich zu nehmen, um diesen Moment einmal zu erleben.

Zusammen mit der Medaillenanwärterin und Schweizermeisterin Simone Jäiser sowie Elisa Bieri, beides Zürcherinnen, vertritt die 25-jährige Koppigerin die helvetischen Farben ab dem 31. Juli an der EM im österreichischen Ebreichsdorf. Nach einem 15. Rang an der EM 2011 in Le Mans und einem 17. Platz an der WM vor Jahresfrist an gleicher Stätte liebäugelt die Pferderücken-Artistin heuer an der EM mit einem Rang unter den besten zehn. «Mein Ziel sind so saubere Runden wie nur möglich.» Gelingt Pascale Wagner das, sollte für die Nummer 10 der Weltrangliste automatisch auch eine sehr gute Klassierung herausspringen.

Pflicht bereitet noch etwas Mühe

«Eine Medaille ist im Moment eher unwahrscheinlich», räumt Pascale Wagner im Hinblick auf die EM ein. Ähnlich wie einst im Eiskunstlauf setzt sich eine Voltigier-Meisterschaft nämlich aus Pflicht, Kür und Technik-Programm zusammen. Die Pflicht sei es, die ihr noch etwas Kummer bereite, sagt die Psychologie-Studentin. Also nicht der technisch anspruchsvollste und spektakulärste Part, sondern derjenige, bei dem sich kleinste Fehler am nachhaltigsten auswirken.

«Ich bin halt eher klein und mein Pferd ist sehr gross – das macht die Sache etwas schwieriger», schmunzelt die 1,56 m grosse Athletin. Ihre 16-jährige Oldenburger Stute Viva Alegria dagegen ist mit einem Stockmass von 1,87 m eine Riesin. Als solche hätte sie in der «Pferde-Disco» eine gute Figur neben dem legendären Springpferd Calvaro abgegeben. Dem mächtig, majestätischen Schimmel also, der den Neuendörfer Willi Melliger einst zu Olympiamedaillen geführt und ihn zur Nummer 1 der Welt gemacht hat.

Pferd erhält eigene Noten

Die Symbiose zwischen Pferd und Reiter macht beim Voltigieren einen besonderen Reiz für Aktive als auch für das Publikum aus. Je perfekter das Duo harmoniert, desto entzückter sind Voltigierer und Fans gleichermassen.

Insofern ist das Pferd in diesem Sport ein massgeblicher Erfolgsfaktor. Nachvollziehbar darum, dass der Vierbeiner von der Jury eine eigene Note erhält. «Wenn zwei Athletinnen gleich gut turnen, macht das Pferd den Unterschied», hält Pascal Wagner fest.

Die Balance macht die Musik

Bewertet werden beim Ross unter anderem dessen gleichmässige Galoppade, die Interaktion mit dem Logenführer und wie freiwillig und lustvoll es im Rund vorwärts «marschiert». Wobei dieses Lustvolle dann doch nicht zu heftig sein sollte, damit die Voltigiererin ihr Programm noch turnen kann. Die Balance macht die Musik.

«Einmal», erzählt Pascale Wagner, habe sie einen solch perfekten, harmonischen Wettkampf schon erlebt. Letzten Dezember am Weltcup in Paris sei das gewesen. Resultat damals – ein ausgezeichneter dritter Platz. Das lässt doch für die Europameisterschaft einiges hoffen.