Die Sonnenwenden markieren den Beginn des astronomischen Sommers beziehungsweise des astronomischen Winters. Im Hause Flückiger geriet dieses Naturphänomen jüngst aus der Balance. Mitte Dezember kam die Tochter von Lukas und seiner Ehefrau Fabienne zur Welt. Die kleine Emily ist verantwortlich, dass sich die Nächte, wie für diese Jahreszeit üblich nicht verlängern, sondern verkürzt haben. «Wir dürfen uns aber nicht beklagen. Sie schläft sehr gut», sagt Lukas Flückiger.

Olympiaabsenz gegen WM-Silber

So ruhig wie der Schlaf des neuen Familienmitglieds ist Flückigers eigene Verfassung nicht. Der Leimiswiler hat ein Jahr mit einer hohen Erlebnisdichte hinter sich. Als Mountainbiker musste er zunächst die Enttäuschung über die verpasste Olympia-Qualifikation verarbeiten, ehe er mit dem Gewinn der Silbermedaille an der Weltmeisterschaft in Saalfelden ein starkes Ausrufezeichen setzte.

Quervelo statt Pause

Viel Zeit, die Eindrücke zu ordnen, blieb Flückiger nicht. Er gönnte sich im Herbst nach Abschluss der Mountainbike-Saison nur eine kurze Pause. Als einer der wenigen Top-Fahrer, überbrückt der 28-Jährige die Wintermonate auf dem «altehrwürdigen» Quervelo. Flückiger macht auch in der Disziplin mit der langen Schweizer Tradition von sich reden. Er selber ist mit seinen bisherigen Leistungen indessen weniger zufrieden. «Ich war bisher zwar in Tuchfühlung zur Spitze, was fehlt, ist das Spitzenresultat», sagt einer, der regelmässig unter die besten Fünf fährt.

Auch auf dünnen Reifen ehrgeizig

Lukas Flückigers Ehrgeiz macht vor dem Quervelo nicht Halt. Nach dem für ihn enttäuschenden vierten Rang an den Schweizer Meisterschaften vor zwei Wochen im zürcherischen Steinmaur, war sein Selbstvertrauen angekratzt. Am Weltcup im holländischen Hoogerheide erfolgte mit dem 10. Platz allerdings postwendend die Korrektur. Gerade rechtzeitig für die Weltmeisterschaften am kommenden Wochenende.

Radquer-Boom in den USA

Flückiger nimmt an den Titelkämpfen teil, die erstmals den USA, genauer in Louisville im Bundesstaat Kentucky ausgetragen werden. In den Vereinigten Staaten gehört Cyclo-Cross zu den boomenden Sportarten. Die Veranstaltungen sind wahre Publikumsmagneten. Lukas Flückiger konnte sich vergangenen September ein Bild machen, als er in Las Vegas an einem Rennen teilnahm. «Eigentlich ist die Sportart Old School, sie trifft aber den Geschmack des Publikums», hat Flückiger festgestellt. «Cyclo-Cross kommt dem Rodeo, einfach auf zwei Rädern, ziemlich nahe», vermutet er das Erfolgsrezept.

Karriere als Rad-Cowboy

Ob Lukas Flückiger zum Rad-Cowboy taugt, wird sich am nächsten Sonntag zeigen. «Wenn ich einen guten Tag erwische, liegt ein Platz unter den ersten Zehn drin.» Der Zeitpunkt für einen Spitzenrang wäre optimal. Jungvater Flückiger könnte sich selber nachträglich ein Geschenk machen. Er feiert am Mittwoch seinen 29. Geburtstag. Es wäre für ihn nach dem Beginn der Sonnenwende auch der perfekte Start ins Radjahr 2013.