Solothurner 2. Liga
Loyalität, Herzblut und Hartnäckigkeit zahlen sich aus

Am Sonntag beginnt die neue Saison in der Soloturner 2. Liga. Der FC Oensingen empfängt zum Auftakt den SC Fulenbach. Seit mehr als zwanzig Jahren ist Goalie Dzenan Isovic beim FC Oensingen, mittlerweile amtet er auch als Sportchef.

Raphael Wermelinger
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Goalie Dzenan Isovic schaffte mit dem FC Oensingen bereits zweimal den Aufstieg in die 2. Liga.

Goalie Dzenan Isovic schaffte mit dem FC Oensingen bereits zweimal den Aufstieg in die 2. Liga.

Bruno Kissling

«Es gibt keinen anderen Verein, für den ich spielen würde», sagt Dzenan Isovic. «Ich bin in Oensingen aufgewachsen, zur Schule gegangen und ich wohne immer noch hier – es ist eine riesige Verbundenheit. Und der FC ist eine Herzensangelegenheit.» Bei den F-Junioren hat der heute 29-Jährige begonnen. Bei den D-Junioren habe er gemerkt, dass es gescheiter sei, wenn er ins Tor stehe. «Vorne habe ich nichts getroffen», scherzt er.

Mittlerweile hat er zehn Saisons in der ersten Mannschaft auf dem Buckel. Dreimal stieg er auf, zweimal ab. Meistens war er die Nummer eins zwischen den Pfosten. Zweimal fiel er wegen eines Armbruchs aus. Das erste Mal passierte es in den Aufstiegsspielen 2017 gegen den FC Klus/Balsthal, das zweite Mal in der 2. Liga gegen den SC Blustavia. «Beim zweiten Bruch brauchte ich etwas länger, um ihn zu verarbeiten. Heute hindert mich das aber nicht mehr auf dem Platz. Ich denke kaum noch daran», sagt er.

Die Aufstiegsspiele brachten dem Bauleitenden Elektroinstallateur Leid, aber noch mehr Freude. 2017 und 2019 glückte Oensingen der Aufstieg in die 2. Liga. «Zu Hause vor mehr als 1000 Zuschauern gegen Klus/Balsthal zu spielen, war sicher ein Highlight», blickt Isovic zurück. Als bisher beste Saison bezeichnet er die Kampagne 2018/19. Nach dem Wiederabstieg aus der 2. Liga habe kaum einer das Team auf der Rechnung gehabt, erinnert er sich. «Gleich zum Start verloren wir gegen Zuchwil und während der Saison hatten wir ein paar Turbulenzen.» In der schwierigen Phase seien die Spieler näher zusammengerückt. «Wir zeigten eine super Rückrunde und schafften den zweiten Aufstieg innert drei Jahren.» Der Fall in die 4. Liga im Jahre 2015 bildet hingegen den Tiefpunkt seiner Karriere. «Dieser Abstieg hat weh getan. Oensingen in der 4. Liga – das war heftig. Doch wir meisterten die Situation und jetzt sind wir ja wieder ganz oben.»

Goalie Dzenan Isovic im Aufstiegsspiel der Saison 2018/19 gegen den FC Deitingen.

Goalie Dzenan Isovic im Aufstiegsspiel der Saison 2018/19 gegen den FC Deitingen.

Hans Peter Schläfli

Der zweite Anlauf der Oensinger, sich in der höchsten Regionalliga zu etablieren, endete im letzten November auf dem sechsten Zwischenrang. Ein gutes Resultat, sagt Isovic und verweist auf den Trainerwechsel im Verlauf dieser Vorrunde: «Andy Frei war zweieinhalb Jahre dabei, sein Vater Ernst sogar mehr als vier Jahre. Die Trennung zu vollziehen, war ein schwieriger Entscheid. Wenn man bedenkt, was danach rausschaute, war es aber der richtige Schritt». Obwohl die Oensinger am Ende der Vorrunde mit zwei Siegen und drei Unentschieden in Serie einen Lauf hatten, bezeichnet Isovic den Saisonabbruch als Glücksfall für den Klub. «Wir hatten sehr viele Abgänge im Winter und es wäre schwierig geworden, ein konkurrenzfähiges Kader auf die Beine zu stellen», konkretisiert er. «Dank des Abbruchs konnten wir uns besser auf die neue Saison vorbereiten.»

Heisst in erster Linie, Transfers tätigen, die «bitter nötig waren», wie er es ausdrückt. Sherif Qadraku kehrt vom FC Selzach zurück, Simon Saner kommt von HNK Croatia, Mambo Kiala vom FC Niederbipp und Jawid Bigzad vom FC Mümliswil. Dazu wurden drei eigene Junioren sowie ein Spieler aus der 2. Mannschaft nachgezogen. Eldin Dervisevic lebt erst seit Kurzem in der Schweiz und fand seinen Weg über einen Arbeitskollegen zum FC Oensingen. Der Königstransfer ist Rückkehrer Samoell Prenaj, der in der abgebrochenen Saison 2019/20 für den FC Iliria auflief und mit elf Treffern die Torschützenliste anführte. «Wir hoffen, dass er ähnlich treffsicher ist wie bei Iliria. Seine Tore können wir sehr gut gebrauchen», sagt Isovic, der die Stärke des Teams in den spielerischen Komponenten sieht: «Wir wollen etwas mit dem Ball anfangen». Das Saisonziel der Oensinger heisst Ligaerhalt.

Beim Blick auf die Kaderliste fällt auf, dass die Bechburg-Elf mit Isovic nur über einen Goalie verfügt. Torhüter zu finden, sei schwierig, sagt er. So habe das Team in der Vorbereitung in den Trainings improvisieren müssen. Mal machte ein Junior mit, mal war es der Goalietrainer, der einspringen musste. «Ich hätte kein Problem damit, wenn wir einen finden, der besser ist als ich. Dann helfe ich dem Team von der Ersatzbank aus», sagt er. Sorgen muss er sich aber wohl sowieso keine machen, er hatte schon viele Konkurrenten in den letzten Jahren. «Loyalität und Hartnäckigkeit zahlen sich am Ende wohl doch aus», so sein Kommentar dazu.

Dzenan Isovic ist mittlerweile auch der Sportchef des FC Oensingen und bekleidet dazu mehrere kleinere Ämter. «Jemand muss es machen», sagt er und schiebt sogleich nach: «Wenn ich es nicht gerne machen würde, hätte ich es gelassen». Es sei nicht einfach, zuverlässige Leute, die Zeit haben, für den Vorstand zu finden. Deshalb zeigt er sich glücklich, dass auch ein paar seiner Teamkollegen mitziehen: «Mit Rinor Beqiri, Fabio Engel und Elvedin Bogucanin sind langjährige Spieler in den Vorstand gerückt, die wie ich mit Herzblut dabei sind. Das braucht der Klub.»

Kader FC Oensingen

Trainer: Slobodan Banjalic
Assistent: Elvir Kolic

Tor: Dzenan Isovic (91).
Abwehr: Elvedin Bogucanin (92), Jawid Bigzad (99), Ahmet Mumdzic (96), Fabio Engel (92), Rinor Beqiri (89), Ivan Aracic (94), Artan Berisha (99), Veljko Laudanovic (03), Livio Studer (87).
Mittelfeld: Radislav Radonjic (91), Borislav Jankovic (90), Patrik Gjokaj (97), Sherif Qadraku (94), Luka Makulovic (04), Paulo Silva Marques Sergio (03), Simon Saner (02), Kiala Mambo (89).
Angriff: Bojan Djuric (90), Behar Bilali (96), Eldin Dervisevic (95), Samoell Prenaj (93).

Zuzüge: Bigzad (FC Mümliswil), Berisha (2. Mannschaft), Laudanovic, Makulovic, Sergio (alle eigener Nachwuchs), Qadraku, Prenaj (beide FC Selzach), Saner (HNK Croatia), Mambo (FC Niederbipp), Dervisevic (Neuanmeldung).

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