Solothurner 2. Liga
Lommiswils neuer Trainer ist «ein Junger aus dem eigenen Verein»

Am Sonntag beginnt die neue Saison in der Solothurner 2. Liga. Der FC Lommiswil empfängt zum Auftakt den designierten Meister der abgebrochenen Saison, den FC Iliria. Es ist das Debüt an der Seitenlinie für Lukas Ebel, der erst 25 Jahre jung ist und 2019/20 noch selbst in der ersten Mannschaft des FC Lommiswil spielte.

Raphael Wermelinger
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Lommiswils neuer Trainer Lukas Ebel (rechts aussen) will sich nur im Notfall selbst aufstellen.

Lommiswils neuer Trainer Lukas Ebel (rechts aussen) will sich nur im Notfall selbst aufstellen.

Hansjörg Sahli

Einen so jungen Trainer gab es in der Solothurner 2. Liga noch nie. Obwohl er erst 25-jährig ist, wurde Lukas Ebel in der Medienmitteilung, in welcher der Klub die Trainer-Rochade bekannt gab, als Urgestein des FC Lommiswil bezeichnet. Das stört ihn nicht, ruft aber ein Schmunzeln hervor: «Ich bin zwar schon seit 19 Jahren im Verein, eine treue Seele und werde sicher nie zu einem anderen Klub wechseln. Ein Urgestein bin ich in meinen Augen aber erst, wenn ich mit 55, 60 immer noch dabei bin.»

Dass er bereits mit 25 Trainer der ersten Mannschaft wird, habe er sich so nicht ausgemalt. Er unterstreicht aber, dass er schon viel Erfahrung als Trainer sammeln konnte in den letzten Jahren – dies vorwiegend im Nachwuchs-Bereich. Lukas Ebel begann seine Trainerkarriere vor gut acht Jahren bei den E-Junioren des FC Lommiswil, zuletzt war er für die B-Junioren verantwortlich. Und hatte die Spieler unter sich, die es allmählich in die erste Mannschaft einzubauen gilt.

Sein früher Wechsel an die Seitenlinie und das Interesse für den Trainerjob hängen auch mit seiner Leidensgeschichte als Aktiver zusammen. «In den vergangenen vier Jahren habe ich nie mehr als eine halbe Saison – oder sogar noch weniger – gespielt», führt er aus. Die Fussgelenke, das Knie, die Oberschenkel – die Problemzonen sind vielfältig. «Dass der Körper einfach nicht will und ich immer wieder ausfiel, hat mich doch ab und zu genervt», sagt er. «Es waren nie richtig schlimme Verletzungen, sondern viele kleine Sachen, die mich aber immer wieder stoppten und dafür sorgten, dass ich quasi wieder bei null anfangen musste.»

Als 16-Jähriger hatte Ebel den Sprung in die erste Mannschaft geschafft. In der Saison 2015/16 erzielte der Angreifer in der 3. Liga 15 Tore. Das Highlight seiner Spielerkarriere folgte ein Jahr später mit dem Drittliga-Meistertitel und dem Aufstieg in die 2. Liga. In der vergangenen Meisterschaft 2019/20 kam er nur auf drei Einsätze, erzielte dabei ein Tor, ehe er wieder einmal verletzungsbedingt pausieren musste. «Mit dem vierten Platz zur Saisonhälfte waren wir sehr zufrieden», blickt er zurück. «Wir sind immer noch ein sehr junges Team und hatten wegen Verletzungen und der RS viele Absenzen.»

Im Frühling wurde nicht nur die Saison abgebrochen, der FC Lommiswil trennte sich nach weniger als einem Jahr von Trainer Patrick Schwaller. «Nach den acht super Jahren unter Fabian Käch hätte es jeder Nachfolger schwer gehabt. Es hat einfach nicht richtig gepasst», sagt Ebel. Der Vorstand hatte in der Folge zwei Kandidaten für den Trainerposten in der engeren Auswahl. Ebel war eigentlich für den Posten des Co-Trainers vorgesehen. «Das hätte für mich auch gepasst. Ich kenne die Mannschaft, habe Ahnung vom Fussball und wäre sicher eine gute Unterstützung gewesen für den neuen Trainer.»
Zu einer Verpflichtung kam es allerdings nicht und Ebel wurde vom Vorstand angefragt, ob er sich vorstellen könnte, Cheftrainer zu werden. «Da habe ich nicht Nein gesagt.» Sofort zugesagt hat er aber auch nicht. Er war sich unsicher, ob er nicht zu nahe an der Mannschaft dran ist und ob ihn die Spieler als ihr Trainer respektieren würden. «Ich habe viele Gespräche mit Teamkollegen, Freunden und Eltern geführt. Alle forderten mich auf, ich soll es versuchen», legte er die Bedenken zur Seite. «Dass ein Junger aus dem Verein die Chance erhält, fanden alle eine gute Sache.» Ihm sei genau bewusst, was auf ihn zukommt in der 2. Liga: «Die erste Mannschaft ist das Aushängeschild des Klubs, klar ist da Druck vorhanden. Aber mit diesem Team muss ich mir gar keine Sorgen machen. Auch wenn wir mal eine Negativserie haben sollten, sind wir gefestigt genug, um gemeinsam da rauszufinden. Ich unterstütze die Spieler und sie unterstützen mich.»

Das Kader hat Ebel auf die neue Saison mit vier Zuzügen ergänzt. «Mit dieser Mannschaft muss man in die Zukunft schauen», macht er viel Potenzial aus. Vielleicht werde das Team in dieser Saison noch keine Bäume ausreissen, dafür aber wiederum konstant ihre Leistung abrufen. «Wir wollen von Jahr zu Jahr Fortschritte sehen», präzisiert er, «diese Saison heisst das Ziel vorderes Mittelfeld.» Er rechnet damit, dass es hinter Olten und Iliria auf den Plätzen drei bis zwölf ein Gerangel gibt: «Man weiss nie, wer noch aufrüstet. Einen Punktelieferanten wird es sicher nicht geben».

Die Fussballschuhe will Lukas Ebel trotz seiner neuen Aufgabe nicht an den Nagel hängen. «Mit 25 denke ich nicht an mein Karriereende», stellt er klar. Er werde sich aber nur in Ausnahmesituationen selbst aufstellen: «Es werden die spielen, die trainieren. Ich trainiere meistens nicht mit, halte mich aber fit, falls es mich doch mal braucht. In erster Linie konzentriere ich mich auf mein Traineramt.»

Kader FC Lommiswil

Trainer: Lukas Ebel
Assistent: Thomas Schneitter

Tor: Tim Bracher (95), Timo Sieber (04).
Abwehr: Lukas Amiet (96), Gabor Bachmann (96), Nicola Belloni (96), Lars Herzog (00), Raphael Karpf (94), Jonathan Orlandi (02), Philipp Neff (97), Oisin Hohl (03), Marc Perriard (96), Nico Probst (95).
Mittelfeld: Alessandro Choque (00), Philipp Dornbierer (90), Cedrik Hunziker (01), Marco Roth (91), Cyrill Sonderegger (98), Niklas Urosevic (99), Björn Zumofen (97), Andrin Zumstein (01).
Angriff: Jonas Ebel (00), Lukas Rindlisbacher (97).

Zuzüge: Sieber (eigener Nachwuchs), Orlandi (FC Solothurn), Probst (Neuanmeldung), Choque (SC Blustavia).
Abgänge: Dominique Sutter (GS Italgrenchen), Marlon Piske (Rücktritt).

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