Oensingen

Lokalmatadorin Gisela Löffel holt sich trotz Doppelbelastung den Heimsieg

Im Final der Kategorie Frauen Elite -63kg kämpften Gisela Löffel vom Judo Kwai Oensingen (blauer Anzug) und Tanja Grolimund (Judo-Sport Liestal) um den Sieg.

Im Final der Kategorie Frauen Elite -63kg kämpften Gisela Löffel vom Judo Kwai Oensingen (blauer Anzug) und Tanja Grolimund (Judo-Sport Liestal) um den Sieg.

Die Favoritin Gisela Löffel triumphiert am ersten Ranking-500-Turnier in Oensingen. Dies trotz grossem Druck auf ihren Schultern. Sie war Teil des Organisationskomitees und die Besucher erwarteten von der 27-Jährigen einen Heimsieg.

Nach drei Minuten und sechs Sekunden war am Ranking-500-Turnier in Oensingen der Endkampf in der Kategorie Frauen Elite bis 63 kg vorbei. Für die Herausforderin Tanja Grolimund gab es kein Entrinnen mehr aus den Fängen der Lokalmatadorin Gisela Löffel. Die Kämpferin vom Klub Judo-Sport Liestal musste abklopfen und ihrer Konkurrentin dadurch den Heimsieg überlassen. Dieser war das erklärte Ziel von Gisela Löffel. Schliesslich kämpft sie sonst vorwiegend an den höher dotierten Ranking-1000-Turnieren.

Für den Heimevent des Judo Kwai Oensingen im Sportzentrum Bechburg machte die 27-Jährige aber natürlich gerne eine Ausnahme: «Es war sehr speziell, dass ich zum ersten Mal daheim in meiner Halle kämpfen konnte.» In den letzten zehn Jahren organisierte der Judo Kwai Oensingen bereits traditionell ein Judo-Schülerturnier Anfang Jahr. Dieses wurde heuer erstmals mit dem Ranking-500-Turnier für die Elite-Kämpfer sowie die U18- und U21-Junioren ergänzt und zu einem zweitägigen Anlass ausgebaut.

Podest Frauen Elite -63kg (von links): Tanja Grolimund, Gisela Löffel, Silena Wellinger.

Podest Frauen Elite -63kg (von links): Tanja Grolimund, Gisela Löffel, Silena Wellinger.

Die hohen Erwartungen erfüllt

Von einem Heimvorteil wollte Gisela Löffel nicht sprechen. Denn einerseits sei der Druck auf ihren Schultern riesig gewesen. Die ganze Halle habe den Heimsieg erwartet, sie konnte eigentlich nur verlieren. Andererseits liess das Heimturnier keine Vorbereitung im üblichen Rahmen zu. Löffel ist Teil des Organisationskomitees und half am Freitagabend noch kräftig beim Aufstellen mit. 

Am Samstagmorgen war um 7 Uhr Tagwache, eine halbe Stunde später stand Löffel bereits wieder als Helferin in der Halle im Einsatz. «Das darf man eigentlich gar nicht schreiben, aber mein Frühstück war ein Sandwich in der Halle», lacht sie. Nicht gerade professionell, aber am Heimturnier ginge es halt nicht anders.

Normalerweise begebe sie sich bei Turnieren erst kurz vor ihrem ersten Kampf in die Halle, in Oensingen war sie eine Stunde vor ihrem ersten Einsatz immer noch als Verantwortliche am Richtertisch tätig. «Für mich ist das kein Müssen, sondern eine Selbstverständlichkeit», sagt sie. Immerhin gabs zwischendurch ein anständiges Mittagessen: Hörnli mit Gehacktem.

Ziel ist die SM-Goldmedaille

Fünf Kämpfe, fünf Siege, davon drei innert weniger als zwei Minuten: dies die Kampfbilanz von Löffel am Samstag. Sie selbst sprach von einem souveränen Sieg, schliesslich seien an einem Ranking-500-Turnier auch nicht die Besten am Start. Ein Spaziergang sei es aber nicht gewesen: «Man kann gegen jede Gegnerin dreinlaufen und verlieren», so Löffel. «Ein Ippon, und der Kampf ist gelaufen. Ich musste zwischendurch schon beissen.» Mit ihrer Leistung war sie denn auch nicht ganz zufrieden: «Ich hätte die Kämpfe noch mehr dominieren sollen, war technisch manchmal aber zu unpräzise.»

Löffels nächster Wettkampf ist der Europacup im März in Uster, wo sie auf einem deutlich höheren Niveau gegen internationale Athletinnen antreten wird. Das grosse Saisonziel sind die Schweizer Meisterschaften im November. Löffel gewann in ihrer Karriere bereits acht Bronze- zwei Silbermedaillen. «Jetzt will ich es endlich nach ganz oben schaffen», hofft die 27-Jährige. An der SM wird Löffel in der leichteren Gewichtsklasse (bis 57 kg) antreten.

In Oensingen war sie für diese Klasse ein bisschen zu schwer. Weil das Wochenende wegen der Doppelbelastung sonst schon genug anstrengend war, wollte sie sich nicht auch noch auf 57 Kilogramm «runterhungern».

Gross gefeiert hat Gisela Löffel ihren Heimtriumph nicht. Am Samstagabend musste die ganze Halle aufgeräumt und für das Schülerturnier vom Sonntag umgerüstet werden. «Danach will ich nur noch schlafen», sagte Löffel lachend. «Und es wäre schön, wenn ich zwischendurch noch etwas essen könnte.» Wie ihre Klubkollegen stand sie auch am Sonntag wieder den ganzen Tag im Einsatz und sorgte für einen reibungslosen Ablauf am Schülerturnier.

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