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Liverpool-Leihgabe schoss den FC Wangen mit drei Toren im Alleingang ab

Diese 0:3-Heimniederlage des FC Wangen gegen den Spitzenreiter Luzern II war zwar logisch, aber nicht unbedingt zwingend. Mit Samed Yesil hatten die Innerschweizer den überragenden Mann in ihren Reihen: Er erzielte alle drei Tore für die Gäste.

Edgar Straumann
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Durcheinander im Wangner Strafraum (Szene aus dem Rückrundenspiel gegen Delémont)

Durcheinander im Wangner Strafraum (Szene aus dem Rückrundenspiel gegen Delémont)

Bruno Kissling

Der aktuelle Tabellen-Leader Luzern II gab sich bei seinem Gastspiel in Wangen keine Blösse und gewann standesgemäss. Nach dem, zugegeben auch mit etwas Glück, erknorzten Auswärtssieg zuletzt gegen Schlusslicht Bern, stand dem FCW diesmal ein Gegner von einem ganz anderen Kaliber gegenüber.

Der Unterschied, welcher nicht zuletzt auch die Rangliste widerspiegelt, kam im Spiel selber recht bald zum Ausdruck. Die Luzerner, auf allen Positionen sehr gut besetzt, dabei individuell, technisch, läuferisch und was das Spielverständnis betrifft überdurchschnittlich in Erscheinung tretend, zeigten bald einmal, wer das Sagen hatte. Demgegenüber wurden die Gastgeber mehr zum Reagieren gezwungen, als selber agieren zu können.

Wangen fehlt ein Yesil

Aus dem ausgeglichenen Team der Zentralschweizer ragte ein Mann besonders hervor. Samed Yesil, vom FC Liverpool an den FC Luzern ausgeliehen, zeigte aufs Eindrücklichste, was Effizienz ist. Er allein erzielte sämtliche drei Tore für die Gäste, also einen Hattrick, wenn auch keinen lupenreinen. Sich im Aufbautraining befindend, hat er sich damit bestens für die Wiederaufnahme in die erste Mannschaft empfohlen. Ein solcher Goalgetter fehlt dem FC Wangen an allen Ecken und Enden, konnte doch in den drei bisherigen Heimspielen in diesem Jahr noch kein einziges Wangner Tor bejubelt werden.

Bereits nach einer Viertelstunde wurde das Konzept der Einheimischen, kein Gegentor zu bekommen, durchkreuzt. Im Anschluss an einen Eckball stand Samed Yesil ungedeckt beim weiteren Pfosten und hatte keine Mühe, den Ball ins Wangner Tor zu versorgen.

Grundsätzlich hätte seitens der Wangner eine Reaktion erfolgen müssen. Doch sie kamen gar nicht dazu, sondern mussten sich auch weiterhin mit Defensivaufgaben befassen. Torhüter Marco Häfliger stand mehrmals im Brennpunkt des Geschehens, wie beispielsweise in der 31. Spielminute, als er den Ball nach einem Freistoss aus 20 Metern aus dem Lattenkreuz zur Ecke lenkte. Auch in der Folge standen die Gäste dem 2:0 nahe, zeigten aber mit Ausnahme ihres Goalgetters überraschende Abschussschwächen.

Entscheidung per Freistoss

Für die zweite Halbzeit schickte Trainer Skrzypczak gleich zwei neue Spieler aufs Feld. Churlinov ersetzte Jukic im Sturm und im Mittelfeld sollte Gyorgiev für mehr Druck sorgen. Die Einwechslungen verfehlten ihre Wirkung nicht, kam doch das Heimteam bedeutend besser ins Spiel. Doch auch in dieser Phase war die letzte Konsequenz im Offensivbereich unverkennbar.

Zur Vorentscheidung kam es nach etwas mehr als einer Stunde. Mit einem Freistoss aus einer Entfernung von 25 Metern war erneut Yesil erfolgreich. Er zielte den Ball über die Mauer hinweg genau ins Lattenkreuz. Noch geben sich die Wangner nicht geschlagen und verstärkten die Offensive. Dies wiederum eröffnete den Besuchern gute Kontermöglichkeiten, welche jedoch ungenützt blieben. Vorerst landete ein Ball nur am Pfosten und dann rettete erneut Häfliger in Corner. Doch in der 80. Minute machte es Yesil seinen Kameraden vor und erzielte mit dem dritten Tor einen Hattrick.

Der Willen war da ...

Kurz danach kam es in der Platzmitte zu einem Gerangel zwischen Xhema und Da Costa. Der Wangner liess sich vom Luzerner provozieren, mit dem Ergebnis der Roten Karte für den Doppeltorschützen vom Spiel gegen Bern und nur Gelb für den eigentlichen Urheber. Mit einem Mann weniger hatten die Platzherren durchaus noch die Möglichkeit auf den Ehrentreffer, doch selbst mit drei Abschlussversuchen aus derselben Aktion blieben sie erfolglos. Am Willen der Wangner, gegen den Spitzenreiter bestehen zu können, fehlte es nicht. Doch der Wille alleine genügte schlicht und einfach nicht.

Telegramm

Wangen – Luzern 0:3 (0:1)

Chrüzmatt. - 220 Zuschauer. - SR: Guillaume Monti. - Tore: 15. Yesil 0:1, 63. Yesil 0:2, 80. Yesil 0:3.

Wangen: Häfliger; Moser, Tahiri, Bekteshi, Milushev; Zimmerli, Gustavo, Quinjica (46.Gyorgiev), Husi (63. Sant Anna); Xhema, Jukic (46. Churlinov).

Luzern II: Bruhnsen; Bender, Knezevic (78. Ugrinic), Rogulj, Röthlisberger; Schmid, Da Costa, Voca, Rüedi (67. Wolf); Calic (60. Bühler), Yesil.

Bemerkungen: Wangen ohne Hajdari, Cazimovic und Halimi (alle verletzt) sowie Nabarro (gesperrt). Luzern meldet elf Spieler als abwesend. Verwarnungen: 33. Zimmerli (Foul), 62. Bekteshi (Foul), 84. Da Costa (Foul), 84. Platzverweis Xhema (Foul). Cornerverhältnis 2:5.

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