Leichtathletik
Die Belohnung für einen eng getakteten Alltag: Joel Winterberg im Einsatz an der U20-EM

Nachwuchs-Leichtathlet Joel Winterberg aus Winistorf sammelt heute an der U20-EM in Tallinn in seiner Paradedisziplin 110m Hürden erste Erfahrungen auf europäischer Bühne.

Silvan Hartmann
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Leichtathlet Joel Winterberg aus Winistorf an der U20-EM in Tallinn.

Leichtathlet Joel Winterberg aus Winistorf an der U20-EM in Tallinn.

Zvg

An der U20-EM im Einsatz zu stehen und mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust an den Start zu gehen, damit erfülle er sich einen grossen Traum, sagt Joel Winterberg. Heute Morgen, 10.05 Uhr, wird er sich in Tallinn mit der europäischen U20-Spitze in seiner Paradedisziplin 110m Hürden messen. Dabei gilt er mit einer Zeit von 14,13 Sekunden nicht als Favorit, aber die Ziele sind gesetzt: «Ich will mit Spass und Freude laufen und die wertvollen Wettkampf-Erfahrungen mitnehmen. Ich hoffe, dass ich an meine persönliche Bestleistung herankomme – und dann werden wir sehen, wie weit ich komme», sagt er einen Tag vor seinem Einsatz.

Hürde mit Lehrabschluss übersprungen

Joel Winterberg ist einer von nur drei Schweizern, die die Limite in dieser Disziplin erreicht haben und an den Start gehen können. Es ist die grosse Belohnung für einen eng getakteten Alltag in der Schweiz. Der 19-Jährige trainiert sechs Mal pro Woche, zwei Mal in Magglingen, vier Mal in Biberist rund um seinen Verein biberistaktiv!.

Dabei vergisst man fast, dass Joel Winterberg soeben seine Lehre als Polymechaniker erfolgreich abgeschlossen hat. Just für das letzte Lehrjahr hatte er auch beruflich noch eine besondere Hürde zu meistern, indem er sich noch einen neuen Arbeitgeber suchen musste. Letztlich erwies es sich als positiv, da er im Lehrbetrieb, der Pfiffner AG in Utzenstorf, über den Lehrabschluss hinaus bleiben darf. Jeweils um 6.15 Uhr beginnt er normalerweise mit der Arbeit, damit er gegen 17 Uhr das rund dreistündige Training absolvieren kann. Joel Winterberg sagt: «Die Leichtathletik ist mein Hobby und meine grosse Leidenschaft. Natürlich ist das intensiv, aber ich investiere die Zeit sehr gerne. Ich hatte auch das grosse Glück, dass mir das Lernen einfach fiel und ich das Training und die Lehre mit einer guten Planung, auch dank der Unterstützung meiner Eltern, immer unter einen Hut brachte.»

100m erstmals unter 11 Sekunden

Vater Stefan ist gleichzeitig Trainer seines Sohnes und sagt schmunzelnd: «Joel ist sehr ehrgeizig. Manchmal muss man ihn fast etwas bremsen und ihn zu einer Pause verdonnern.» Der Vater war es denn auch, warum Joel überhaupt zur Leichtathletik fand. Als ehemaliger Zehnkämpfer nahm er oft seine beiden Söhne mit ins Training, «und so wuchsen sie ein bisschen rein.»

Via Geräteturnen fand Joel schliesslich zum Rennen. Rund um die ersten ­KidsCup-Einsätze hätte man schnell mal gesehen, dass er über ein grosses Talent verfüge, sagt Stefan Winterberg. Nur mit der Hürden-Technik wollte es früher noch nicht so recht. Und so kam es, dass der Vater deswegen seinen Sohn Joel nicht zu einem Hürdenwettkampf antreten liess. «Ein Jahr später wurde er bei der U14 Schweizer Meister», sagt Stefan Winterberg stolz und lacht.

Auch in der Folge liess Joel sein Talent mehrmals aufblitzen, doppelte in der U16 und U18 mit dem SM-Titel über 110m Hürden nach. In der laufenden Saison bestätigte er seine schnellen Beine, indem er 100m mit 10,97 erstmals unter 11 Sekunden lief – eine Junioren-Schallmauer, die er damit durchbrechen konnte.

Die nächsten Ziele? Weiterhin Erfahrungen sammeln an europäischen Wettkämpfen, bei der U20 und später U23 für Furore sorgen – und dabei stetig die persönlichen Bestleistungen verbessern.