Eishockey
Landen die «Lernenden» des EHC Olten den Coup?

Die Spieler des EHC Olten sprechen vor der «Belle» gegen Langnau am Dienstag über den Druck und die Erinnerungen an den Final 2014.

Michael Forster
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Im Spiel 7 ist von den Oltnern nochmals Einsatz total gefragt.

Im Spiel 7 ist von den Oltnern nochmals Einsatz total gefragt.

HR Aeschbach

Wenn im Zusammenhang mit dem EHC Olten von einem Spiel 7 die Rede ist, dann kommt einen unweigerlich die «Belle» vor zwei Jahren in den Sinn. Damals mussten die Oltner im Viertelfinal gegen La Chaux-de-Fonds über die volle Distanz und empfingen die Neuenburger zu Hause im Kleinholz. Und die beiden Teams machten es spannend, retteten sich in die Verlängerung.

Es lief die 62. Minute, als Remo Hirt aus linker Position abzog und Damiano Ciaccio, damals noch im Tor des HCC, bezwang. Es war der wichtigste EHCO-Treffer des letzten Jahrzehnts, ein Treffer, «an welchen ich mich mein Leben lang erinnern werde», sagt der Torschütze vor dem nächsten Spiel 7 in seiner Karriere, in der 10. Saison für den EHC Olten.

Es sei aber nicht so, dass sich die Mitspieler reihenweise Tipps holten bei ihm, lacht Hirt, und sowieso: «Wir möchten eigentlich nicht in die Verlängerung, sondern die Partie schon vorher entscheiden.»

«Spieler müssen am Druck wachsen»

Dabei hatten es die Oltner in der Hand, dass es gar nicht erst zu einem siebten Finalspiel gekommen wäre. Am Sonntag bot sich ihnen zu Hause die Möglichkeit, den Pott mit einem Sieg zu holen. Allein, es versagten die Nerven. Die Spieler waren noch nicht bereit, den letzten Schritt zum Titelgewinn zu machen.

«Sie befinden sich tatsächlich noch in einem Lernprozess», erkennt auch EHCO-Trainer Heikki Leime einen «Schwachpunkt», etwas, das sich die Spieler zuerst erarbeiten müssen. «Um in Spiel 6 zu Hause erfolgreich zu sein, dafür muss man mental stark sein, sehr stark sogar. Bis zu jenem Auftritt hatten wir die Nerven recht gut im Griff; jetzt müssen die Spieler lernen, mit diesem Druck umzugehen und, mehr noch, gleichzeitig daran zu wachsen.»

Sami El Assaoui im Clinch

Am ehesten gelinge dies, glaubt Remo Hirt, indem man versuche, sich auf die eigenen Stärken, das eigene Spiel zu konzentrieren. «Wir wissen, was wir können, dass wir sie schlagen können, und zwar auch in Langnau. Sprich, es gibt gar keinen Grund, uns gross nervös machen zu lassen.» Natürlich spiele aber das Mentale eine zentrale Rolle – im Hockey allgemein, im morgigen Spiel im Speziellen, sagt Hirt.

Zum Kampf auf der mentalen Ebene gehört nicht nur eine Portion Druckresistenz, sondern auch eine gewisse Gelassenheit. Denn auf dem Eis wird ständig provoziert, auf beiden Seiten. Bestes Beispiel ist die Reizfigur Chris DiDomenico. Stark am Puck, geniesst der Kanadier stets eine Oltner Doppelbewachung und wirkte mit Fortdauer der Serie zunehmend gereizt.

Allein dreimal musste der Langnauer Topscorer am Sonntag wegen Stockschlags auf die Strafbank, wobei seine letzte «Tat» sein «EHCO-Pendant» Marco Truttmann auf den Plan rief. Die Keilerei auf dem Eis fand tags darauf im «Blick ihre Fortsetzung», wobei Truttmann DiDomenico als «Weichei» bezeichnete.

Dass der Infight, zu einem Zeitpunkt, als die Partie längst zugunsten der Tigers entschieden war, so etwas wie den emotionalen Startschuss für die «Belle» bedeutete, so weit will Remo Hirt nicht gehen. «Das ist einfach so zustande gekommen. Aber», weiss er genau, «wir wissen, dass wir heute Vollgas geben und physisch sehr präsent sein müssen.»

Einer, der mit physischen Akzenten selten geizt, ist Sami El Assaoui. Er ist der Aggressivleader der Mannschaft; gleichzeitig muss er aufpassen, es nicht zu übertreiben und unnötig Strafen zu holen. Die Situation sei eine andere als beispielsweise im Viertelfinal, als die Rollen klar verteilt waren und er, zusammen mit Linienkollege Chris Bagnoud, den Visper Topscorer James Desmarais aus dem Spiel genommen hatte.

Jeder hat seine Rolle

«Natürlich wäre es nicht der Job von unserem Topscorer, sich auf DiDomenico einzulassen», so El Assaoui, «die Rollen sind im Team ganz klar verteilt.» Doch dafür müsse jeder einzelne seine Rolle eben auch wahrnehmen. Dass es in dieser Finalserie also noch zum Duell zwischen ihm und DiDomenico komme, sei aber alles andere als sicher.

Er müsse aufpassen, denn diesmal seien die Provokationen gegenseitig. «Ich bin sozusagen auf der anderen Seite, denn die Langnauer versuchen, auch mich zu provozieren. Für mich, ja für unser Team heisst das, dass wir uns auf das Spiel und den Scheibenbesitz konzentrieren müssen. Jene Mannschaft, welcher das besser gelingt, wird am Ende den Titel holen.»

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