Hornussen
Land unter bei den Hornussern am Teilverbandsfest in Selzach

Hornusser sind hart im Nehmen, was Wetterkapriolen angeht. Wenn sich das Spielfeld freilich in ein Planschbecken verwandelt, haben auch die Nousser genug. Das Teilverbandsfest des NOHV wurde nach zwei Ries abgebrochen.

Michael Schenk
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Nach zwei Durchgängen war in Selzach Feierabend.

Nach zwei Durchgängen war in Selzach Feierabend.

KEYSTONE

Die Hornusser sind bekannt dafür, dass sie der Tradition immer wieder einen Schuss Innovation einhauchen. Jüngst in Zuchwil, als erstmals zu später Stunde mit leuchtendem Flugobjekt gespielt wurde. Die heranfliegenden Nousse im Ries indes mit Flossen und Taucherbrille zu jagen – dazu wird es nie kommen. Selbiges wäre freilich am Zweckverbandsfest des Nordostschweizer Verbandes (NOHV) in Selzach nötig geworden, hätte man die geplanten sechs Ries durchspielen wollen.

Spielfelder geflutet

Nach zwei Umgängen donnerte ein heftiges Gewitter übers Gelände und flutete die Spielfelder. «Wir haben rund zwei Stunden zugewartet und uns dann entschieden, das Fest abzubrechen. Es wäre zu gefährlich geworden», hielt Wettkampfleiter Roman Schaad fest. Da wurde der Untergrund im Ries so glatt wie ein Eisfeld; dort so tief wie ein Kinderplanschbecken im Freibad. Klar, dass da ein Sprint auf den heranbrausenden Nouss zum ernsthaften Verletzungsrisiko geworden wäre. Abgesehen davon wurde es schwierig, den Bock trocken und in Position zu halten. So war das Teilverbandsfest der stärksten NOHV-Nousser (1./2. Stärkeklasse) nach dem Anhornussen – sprich zwei Ries – fertig.

Favorit Zuchwil im Pech

Die Zwischenrangliste mutiertezur Schlussrangliste. Da Favorit Zuchwil in dem Moment bereits eine Scheibe hatte fallen lassen, erbte Lyss den Sieg. Es ist dies der zweite, aufeinanderfolgende Triumph für die Seeländer nach dem Interkantonalen vor Wochenfrist. «Letztlich ist dieser Erfolg für uns so viel wert, wie wenn wir sechs Ries gespielt hätten, es war ja für alle gleich», so Spielführer Michael Fankhauser. Nach dem enttäuschenden 13. Rang in der NLA-Meisterschaft mit (zu) vielen Fehlstreichen kommen die Berner im Herbst der Saison auf Touren. Das mag auch damit zusammenhängen, dass Fankhauser seine Mannen im Ries kräftig durcheinandergewirbelt hat. Diejenigen, die sonst hinten abtun, stehen jetzt vorne und umgekehrt. «Ich wollte einen Impuls setzen.» Das ist dem Captain offensichtlich gelungen. «Einige von uns haben sensationell gespielt.»

Erlauchter Kreis in Burgdorf

Bereits am nächsten Wochenendehaben die Lysser am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Burgdorf, wo sie als eines von 20 Teams mittun dürfen, die Chance zum dritten Sieg «en suite». «Das wäre absolut das Tüpfelchen auf dem i», blickt Fankhauser Richtung ESAF. Umso mehr, als dass ein Hornusser, so er seiner Gesellschaft treu bleibt, in der Regel nur einmal die Chance erhält, am ESAF mitzuspielen. Der Turnus, bis ein Verein wieder an der Reihe ist, dauert 30 bis 40 Jahre. Als Organisator des Eidgenössischen Hornusserfests 2012 ist Lyss heuer sogar mit zwei Equipen am ESAF vertreten. Ein innerseeländischer Ausstich am Sonntag liegt also auf dem Bock.

Tagessieg an Reto Glauser

Am ESAF 2010 in Frauenfeld dabei war Reto Glauser. Der Mann von der HG Recherswil-Kriegstetten holte sich mit einem 22er- und 24er-Streich den Einzel-Tagessieg in Selzach. Ein etwas fahler Beigeschmack, da nur zwei Umgänge gespielt werden konnten, sei schon dabei, sagt der Gewinner. Doch «im Endeffekt freue ich mich über jeden Sieg». Der Weitschläger vom Dienst war letzte Saison zum heuer entthronten Meister transferiert. Dies, nachdem er den Nouss zuvor für Urtenen-Schönbühl in die Botanik gepfeffert hatte. Auch für Glauser war es nach dem Interkantonalen in der Lenk der zweite Festsieg innert sieben Tagen. Der 36-jährige Lüftungsmonteur aus Limpach war 2011 Meisterschafts-Vierter geworden. Heuer landete er deutlich weiter hinten, weil er die Jagdprüfung abgelegt hat und darum nicht immer mitgespielt hat. Ob heute in Selzach die 3. und 4. Stärkeklasse ihre NOHV-Meister küren kann, wird das Wetter weisen. «Es gibt definitiv einiges zu tun für uns», sagt Obmann Roman Schaad.