Solothurn
Kultur versus Sport – Urs Unterlechner will den alten Streit beilegen

Nein, einen sportlichen Blockbuster hat Solothurn nicht. Die Mehrzahl der Vereine ist zweit, dritt- oder gar viertklassig. Auch darum hört man es oft und allenthalben: «Für die Kultur haben sie immer Geld, für den Sport nie.»

Michael Schenk
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Urs Unterlechner (vor der Reithalle Solothurn) will dem Sport mehr Gewicht geben in der Stadt.

Urs Unterlechner (vor der Reithalle Solothurn) will dem Sport mehr Gewicht geben in der Stadt.

Schenk

National glänzt die Ambassadorenstadt vorab mit den Film- und Literaturtagen und dem Stadttheater. Ergo ist es sexyer in Solothurn mit der Kultur im Gepäck zu politisieren, als mit dem mit Reizen geizenden Sport. Dies zu ändern, schickt sich nun Neo-Kantonsrat Urs Unterlerchner an.

Auch wenn der 33-Jährige sagt: «Es wäre illusorisch zu glauben, dass der Sport in Solothurn jemals die gleichen Fördermittel erhält wie die Kultur.» Trotzdem: Derzeit stehen der Stadt rund elf Millionen jährlich zur Verfügung, die sie frei in Kultur und Sport investieren kann.

Wie hoch sind die Beiträge?

Davon fliesst momentan lediglich ein Bruchteil in den Bereich Sport. «Wie viel es exakt ist», so Unterlerchner, «weiss niemand.» Darum hat Gaston Barth, der Leiter Rechts- und Personaldienst der Stadt jetzt den Auftrag gefasst, diese Zahl exakt zu eruieren.

Nicht einmal die Hälfte des Geldes bezogen

Die Vereinigung für Sport in Stadt und Region Solothurn (VSS-SO) ist derzeit vorab auf drei grösseren Baustellen aktiv. Einerseits kämpft das CIS-Sportcenter mit finanziellen Problemen. «Hier gilt es für die Politik und die Stadt hinzuschauen, ehe es zu spät ist und nichts mehr anderes übrig bleibt», sagt VSS-SO-Präsident Urs Unterlerchner. Andererseits geht es um Jugend- und Sportgelder sowie städtische Jugendsportfördergelder, die von den Vereinen nicht bezogen werden. 200 000 Franken wurden dafür letztes Jahr budgetiert – «abgeholt» wurden davon nur 91 000 Franken. «Vermutlich aufgrund ungenügender Information respektive Kommunikation», hält Unterlerchner fest. Die Stadt sei dabei, ein Schreiben auszuarbeiten, das sie dann der VSS-SO zustellt. Letztere wird dieses allenfalls in die Volkssprache übersetzen und es an die Vereine weiterleiten. Und zwar an alle – auch die, die nicht Mitglied der VSS-SO sind. Schliesslich beschäftigt das Thema Hallen-Infrastruktur die VSS-SO. «Wir sind dabei abzuklären, ob hier eine Unterdeckung besteht», so Unterlerchner. Stichwort ist eine allenfalls fehlende Dreifachturnhalle. Je nach dem werde man diesbezüglich aktiv, verspricht der Präsident. (msk)

«Je nach dem werden wir mit dem Ergebnis in den Behörden vorstellig», so Unterlerchner. Der Präsident der städtischen FDP ist nämlich seit April auch Präsident der Vereinigung für Sport in Stadt und Region Solothurn (VSS-SO). Kraft dieser Charge ist er Chef einer Organisation, die die Interessen von rund 30 Vereinen vis-à-vis der politischen Behörden vertritt.

Sport ist gleich Kultur

Unterlerchner kann mit dem Vergleich, ein Dolmetscher zu sein, gut leben: «Es ist mir ein Anliegen, dass der Wert und die Wichtigkeit des Sports in den politischen Gremien besser und bewusster wahrgenommen wird.» Um das zu erreichen, muss man indes die Sprache der Politik verstehen und sie auch sprechen.

«Politikanisch» klingt in den Ohren des Volkes zunehmend wie Koreanisch, wie jüngste Volksabstimmungen aufzeigen. Als Gemeinde- und Kantonsrat und Präsident der HESO spricht der frühere FC-Solothurn-Junior fliessend «politikanisch» und hat so beste Chancen, von der Politik gehört zu werden.

Im Sinne der Politik

«Schliesslich», sagt er, «ist es vielen Politikern ein echtes Bedürfnis, etwas für den Sport zu tun. Oft fehlt es am gewusst wie.» Etliche Kantonsräte seien ihn schon angegangen. Man(n) wäre zu Vorstössen bereit. «Ich betrachte es als meine Aufgabe, die Anliegen der Basis in die Politik zu tragen», so Unterlerchner.

Und dies eben mit der nötigen Geduld und im angepassten Umgangston. Wie heisst es so schön: «C’est le ton qui fait la musique». Unterlerchner ist in dem Sinn fortan eine Art Karajan des Solothurner Sports.

Erfolge am Bettag

Als Vertreter der Allianz für eine Änderung des Ruhetaggesetzes hat der VSS-SO-Präsident Mitte Mai einen Erfolg verbuchen können. Was vor nicht allzu langer Zeit noch unmöglich schien, nämlich am Bettag Events und Sportveranstaltungen auszutragen, ist fortan erlaubt.

«Dieser Erfolg hat gezeigt, was möglich ist, wenn man als geordnete Gruppe für ein Ziel kämpft», sagt der FDP-Frontmann. So ähnlich sehe er auch die Möglichkeiten der VSS-SO. «Bevor wir fordern, gilt es Bedürfnisse und Gegebenheiten abzuklären. So aufgestellt könne man auf politischer Ebene mehr erreichen als mit Gepolter.