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Kulttrainer Latour bricht es vor dem Cuphit fast das Herz

23 seiner total 35 Jahre als Trainer coachte Hanspeter Latour entweder die Kicker des FC Thun oder die des FC Solothurn. Am Samstag treffen die beiden ab 19.30 Uhr im Stadion Solothurn aufeinander.

Michael Schenk
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Hanspeter Latour an der Aare in Solothurn.

Hanspeter Latour an der Aare in Solothurn.

Marcel Bieri

Mit Solothurn stieg Hanspeter Latour 1994 in die NLB auf und stand ein Jahr danach vor vollen Rängen im Stadion West in der Aufstiegsrunde zur NLA. Grösster FCS-Fan damals – der Schriftsteller Peter Bichsel. Mit den Thunern seinerseits stieg Latour zu Beginn seiner Trainer-Karriere 1983 in die 1. Liga auf.

2002, bei seinem zweiten Engagement in seiner Geburtsstadt, führte er den Klub nach 47 Jahren wieder in die NLA und stand 2004, nach einem legendären Sieg gegen Basel, vorübergehend gar an der Tabellenspitze.

Entsprechend steht der Cup-Hit am Samstag um 19.30 Uhr sozusagen unter dem Titel «Latours Tribute». Einer Hommage also für den kernig-smarten Berner Oberländer, der notabene in beiden Klubs Ehrenmitglied ist. Für Latour ein «ganz spezieller Moment», den er sich nicht entgehen lässt – obwohl der Fussball den Terminplan des mittlerweile 68-Jährigen inzwischen keineswegs mehr dominiert.

Als Spieler und Trainer haben Sie bisher immer gewusst, wem Sie den Sieg mehr wünschen. Wie steht es diesbezüglich mit dem Cup-Spiel Solothurn gegen Thun?
Ich bin brutal im Clinch. Diese Auslosung hätte es nie geben dürfen. Wäre es ein Meisterschaftsspiel, käme mir ein Unentschieden natürlich gelegen.

In dem Fall muss es aber einen Sieger geben?
Eben – aber wenn schon, dann halt nach Penaltyschiessen ...

Sie können als Zuschauer einfach bei jeder guten Aktion, hüben wie drüben jubeln, um neutral zu bleiben?
Oder ich halte mich ganz einfach sehr dezidiert bei jeder Aktion zurück – das ist der andere Weg ... (lacht). Wahrscheinlich werde ich mir ein Täfeli in den Mund stecken und den Mund halten ...

Als Thun- und Solothurn-Trainer trafen sie früher auch schon auf die jeweils andere Mannschaft?
Ja, aber da war ich ja jeweils in einem Team tätig und wusste, wer gewinnen soll ... In dieses Spiel bin ich aber nicht direkt involviert – abgesehen davon, dass ich Ihnen dieses Interview gebe, was ja extrem anstrengend ist. Mir rinnt der Schweiss nur so die Stirn runter .... (lacht).

Sie konnten als Trainer mit Ihren Teams oft aus dem Windschatten heraus angreifen und das Feld, je nach dem, von hinten aufrollen?
Ich habe es stets als besondere Herausforderung betrachtet, mit dem und den Vorhandenen etwas mehr herauszuholen, als man allgemein erwarten durfte.

Häufig ist Ihnen das auch gelungen. Was trauen Sie dem FC Solothurn gegen den Superligisten Thun zu?
Thun ist ganz klar der Favorit – daran gibt es nichts zu rütteln. Aber der Cup hat eben seine eigenen Gesetze. Nach den beiden Niederlagen der Thuner zuletzt in der Meisterschaft gegen YB und Basel stehen die Aktien des FC Solothurn sicher besser als auch schon.

Ihre Metaphern vor wichtigen Spielen, um Ihre Spieler heisszumachen, sind legendär. Das «Chüngelifell» etwa, das sie benutzten, um vor einem Europacup-Spiel gegen Wolfsburg zu visualisieren, dass sich der FC Thun von den «Wölfen» nicht das Fell abziehen lässt. Welche Metapher hätten Sie aus dem Stegreif für Thun parat?
Für den FC Thun winkt das internationale Geschäft respektive ein Titel – da braucht es keine Zusatzmotivation. Ein Appell an die eigene Klasse, die Herkunft und daran, den Gegner wohl als nicht zu unterschätzende Hürde zu betrachten, muss reichen.

Und was würden Sie den Solothurner mit auf den Weg geben?
Da würde ich wohl ein Plakat malen, dass die grosse Chance zeigt, dass man nach dem Match von uns noch lange in der ganzen Stadt spricht.

Eine Kulisse, wie seinerzeit, als Sie mit dem FCS in der NLB die Aufstiegsspiele zur NLA bestritten, gab es seither in Solothurn nicht Mal mehr annähernd. Vielleicht wird sich das heute ändern. Wie wichtig sind die Fans?
Oh – sehr wichtig. Gerade wenn man sich eine Riesenstimmung nicht gewohnt ist, kann das dem Heimteam extrem viel Schub geben.

Vor allem dann, wenn der Start gelingt?
Ja. Darum geht es – darum, dass der Kleine dem Grossen, speziell in den Anfangsminuten, mental überlegen ist. Das ist die Aufgabe des Coaches und des Staffs.

Das hat ja dann nichts mit der Ligazugehörigkeit zu tun ...
Im Gegenteil – für den vermeintlich Grossen ist es in so einem Fall eher schwieriger, mental 100 Prozent parat zu sein und den Gegner nicht zu unterschätzen. Wichtig ist einfach, dass die Verantwortlichen des «Underdogs» 100 Prozent an einen möglichen Sieg glauben und das auch so rüberbringen.

Solothurn gegen Thun – ein Spiel, das man heute und jetzt durchaus unter den Titel «Latours Tribute» stellen könnte?
(Lacht.) Tja – ich hoffe, man wird nicht nur feststellen, dass beide Teams Rot-Weiss tragen und beide Städte an der Aare liegen, sondern auch mal was mit Latour zu tun hatten...

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