Nordische Kombination
Kombinierer Tim Hug versucht es mit einer neuen Kombination

Warum der Solothurner Nordisch-Kombinierer im Sommer die Nähe zum Langlauf-Nationalteam gesucht hat und jetzt wieder Student ist.

Simon Steiner
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Bereit für den Winter: Tim Hug auf der Schanze in Einsiedeln.Daniel Weissenbrunner

Bereit für den Winter: Tim Hug auf der Schanze in Einsiedeln.Daniel Weissenbrunner

Nach der letzten Saison war für Tim Hug klar: So konnte es nicht weitergehen. Nach drei Jahren als Vollzeit-Profi spürte der Weltcup-Kombinierer aus Gerlafingen, dass er neben dem Sport eine Abwechslung brauchte – für den Kopf. Gerade in Momenten, in denen sportlich nicht alles rund lief, tat sich Hug schwer damit, auf andere Gedanken zu kommen. Und geriet immer wieder ins Grübeln.

Weil seine Motivation für den Spitzensport noch immer gross ist, suchte Hug nach einer Lösung – und fand eine. Seit September studiert der 28-Jährige an der Hochschule für Technik in Rapperswil «Erneuerbare Energien und Umwelttechnik». Im Unterschied zum Studium an der ETH, wo er bereits einmal einen Anlauf zu einer akademischen Ausbildung genommen hatte, lässt sich der modular aufgebaute Studiengang auch in Teilzeit absolvieren – und so mit seiner zeitintensiven Sportart vereinbaren, welche Skispringen und Langlauf kombiniert.

«Eine gute Mischung»

«Ich habe eine gute Mischung gefunden», sagt Hug vor dem Start in die neue Weltcupsaison, die am kommenden Wochenende im finnischen Kuusamo beginnt. Er ist überzeugt, dass das Studium in der Saisonvorbereitung einen positiven Einfluss auf den Sport hatte. «Nach dem Sommer-GP passte bei mir im Training auf der Schanze nichts mehr zusammen», sagt er. «Da war ich froh, dass ich noch etwas anderes hatte und nicht die ganze Zeit daran herumhirnen konnte. Und plötzlich funktionierten meine Sprünge wieder.»

Neue Impulse versuchte der einzige verbliebene Kombinierer im Schweizer Nationalteam diesen Sommer auch in der Trainingsplanung zu setzen. Dies, indem er die Vorbereitungsphase zusammen mit Coach Constantin Kreiselmeyer stärker als in der Vergangenheit in Trainingsblöcke aufteilte, in denen der Akzent entweder klar auf dem Sprung- und Kraftbereich oder aber auf dem Ausdauerbereich lag.

Training mit Cologna und Co.

Während sich Hug für das Sprungtraining im Nationalen Leistungszentrum in Einsiedeln wie in den vergangenen Jahren oft den Spezial-Skispringern anschliessen konnte, so intensivierte er diesen Sommer auch die Zusammenarbeit mit dem Langlauf-Nationalteam. Gleich vier Trainingslager absolvierte er mit Dario Cologna und Co. «Davon konnte ich enorm profitieren», sagt Hug, der seine Karriere mindestens bis zu den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang fortsetzen will. «Allein erreiche ich im Training nie die gleiche Intensität wie in der Gruppe, und auch bezüglich Lauftechnik hat mich der direkte Vergleich mit den Spezialisten weitergebracht.»

Während der Weltcupsaison wird das Schweizer Mini-Team weiterhin mit der amerikanischen Equipe kooperieren. Der Servicetechniker von Swiss-Ski kümmert sich dabei um die Sprungski der Athleten beider Nationen, der Servicemann des US-Teams präpariert dafür Hugs Langlauf-Ski.

Tim Hugs primäres Ziel in diesem Winter ohne Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele besteht darin, Konstanz auf einem hohen Niveau und damit auch eine gute Klassierung im Gesamtweltcup zu erreichen. «In den letzten Jahren ging es bei mir oft extrem auf und ab», sagt er. «Mit mehr Konstanz ist auch eher mal ein Ausreisser nach oben möglich.» So wie im Januar 2014, als er in Russland seinen bisher einzigen Weltcupsieg feiern konnte.

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