Das Schicksal des letzten Mohikaners wurde im gleichnamigen Romanklassiker einst durch die Amerikaner besiegelt. Im Fall des letzten Schweizer Nordisch-Kombinierers im Weltcup hingegen treten diese hingegen in rettender Funktion auf: Tim Hug kann in der Olympiasaison auf die Unterstützung des US-Teams zählen. Nach ersten gemeinsamen Trainingskursen in der Saisonvorbereitung wird die Zusammenarbeit im Winter intensiviert. So werden Hugs Langlauf-Ski künftig vom amerikanischen Servicemann präpariert, während der Schweizer Verband den gemeinsamen Servicemann für die Sprungski stellt.

Auftakt in Finnland

Obwohl Hug damit zumindest teilweise Anschluss an die starke amerikanische Truppe um Olympiasieger Bill Demong und den früheren Weltmeister Todd Lodwick findet, geht er in erster Linie als Einzelkämpfer in die Saison, die an diesem Wochenende mit dem Weltcupauftakt im finnischen Kuusamo lanciert wird. Nach den Rücktritten verschiedener Athleten in den vergangenen Jahren ist der 26-jährige Gerlafinger der einzige Schweizer Kombinierer, der im Weltcupteam übrig geblieben ist. Mit Christian Erichsen und Jan Kirchhofer figurieren zwar noch zwei Athleten im C-Kader von Swiss-Ski, die allerdings noch nicht weltcuptauglich sind und primär in Norwegen respektive Österreich trainieren.

Dennoch geht Hug mit viel Optimismus die Saison, die mit dem Olympischen Winterspielen in Sotschi einen klaren Höhepunkt aufweist. Dies nicht ohne Grund: Im Sommer-Grand-Prix präsentierte sich Hug so stark wie noch nie und klassierte sich gleich zweimal unter den besten Zehn.

Aussicht auf zweite Olympiateilnahme

«Das hat mir einen grossen Motivationsschub gegeben», sagt Hug, der nach dem durchzogenen letzten Winter auch im Frühling keine leichte Zeit durchmachte. «Als klar wurde, dass ich noch allein im Team bin, habe ich mir gut überlegt, ob ich noch weitermachen will.» Dies erst recht, zumal er sich als Profisportler in einer äusserst trainingsintensiven Sportart finanziell nur dank der Unterstützung von Familie und Gönnern über Wasser halten kann. Die Aussicht auf seine zweite Olympiateilnahme nach 2010 waren schliesslich Anreiz genug, um sich noch einmal mit voller Motivation ins Training zu stürzen.

Die Olympiasaison dürfte für Hug, der im Leistungszentrum in Einsiedeln einen Teil der Vorbereitung gemeinsam mit den Skispringern um Simon Ammann absolvierte, nun zur Nagelprobe werden. «Diesen Winter muss es beim mir leistungsmässig einen Schritt vorwärts gehen», sagt Hug, der in den vergangenen Jahren etwas stagniert hatte. «Ich hatte jeden Winter einzelne Topresultate, aber die Konstanz hat gefehlt.»

Neue Wege im Training

Zugutekommen könnte Hug dabei, dass er mit seinem neuen Coach Steffen Teppel im Training teilweise neue Wege beschritt. Dazu gehörte unter anderem das Setzen anderer Reize im muskulären Bereich, aber auch die Arbeit im neuronalen Bereich im Zusammenhang mit der Bewegungssteuerung im Skispringen.

Das erste Ziel in diesem Winter ist es nun, die Selektionskriterien für die Olympischen Spiele – ein Weltcuprang unter den besten 15 – so rasch wie möglich zu erfüllen. «Je früher das gelingt, desto besser kann ich mich auf Sotschi vorbereiten.»