Powerman Zofingen

Körper, Biss und Geist gefordert: Am Powerman Zofingen gehen die Favoriten bis ans Limit

Gut möglich, dass es im Kampf um den WM-Titel der Männer zum Duell zwischen dem Russen Maxim Kuzmin (links) und dem Franzosen Yannick Cadalen kommt.

Gut möglich, dass es im Kampf um den WM-Titel der Männer zum Duell zwischen dem Russen Maxim Kuzmin (links) und dem Franzosen Yannick Cadalen kommt.

Das Rennen um die Duathlon-Langdistanz-WM-Titel vor dem 31. Powerman Zofingen scheint so offen wie selten. Am Powerman, der als härtester Duathlon der Welt gilt, sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur deswegen auf allen Ebenen gefordert.

Das letzte lange Lauftraining ist geschafft, das neue Zeitfahrvelo poliert und das Renndress mit dem roten Schweizerkreuz in der Sporttasche verstaut. Melanie Maurer ist bereit für ihr wichtigstes Rennen des Jahres. Die in Wikon aufgewachsene Bernerin strahlt, wenn sie auf das Langdistanz-WM-Rennen in Zofingen vom Sonntag vorausschaut. «Ich bin ‹zwäg›, hatte eine gute Saison und war nie verletzt», sagt die 31-Jährige, «und ich bin mental noch stärker geworden.»

Im Vorjahr noch startete sie mit gemischten Gefühlen, wusste nicht, wie ihr Körper die Distanz von 10 km Laufen, 150 km Radfahren und noch mal 30 km Laufen verarbeitet. Aufstossende Magensäure und Schleim behindern die Duathlon-EM-Zweite 2019 hin und wieder bei längerer sportlicher Aktivität mit hoher Intensität. «Heute weiss ich, dass das aus medizinischer Sicht für mich ungefährlich ist», sagt Melanie Maurer.

Pushen wird sie am Sonntag der Gedanke an den Powerman 2018. Die neu einem französischen Team angehörende Sportwissenschaftlerin und Inhaberin der Firma «steadystate.ch» lief letzten September als Zweite ins Ziel, gewann WM-Silber hinter ihrer Landsfrau Petra Eggenschwiler. Diesen Mai war Melanie Maurer in Zofingen, zwar über die kürzere Distanz am Intervall-Duathlon, schneller als die Solothurnerin.

Alle neun Athletinnen mit Medaillenchancen

Und nun ist sie irgendwie plötzlich die Favoritin auf den Sieg, zumal Petra Eggenschwiler angeschlagen ist. Sie kämpfte Anfang Woche mit einer Erkältung. «Die habe ich nach meinem Sieg am Inferno-Trithlon von meinem Freund übernommen», sagt die 31-Jährige. Und es zwickt am Fuss, die Langdistanz-Weltmeisterin wartet auf das OK ihrer Ärztin, ob ein Start in Zofingen trotz Schleimbeutelentzündung Sinn macht.

Schliesslich ist der Powerman, der als härtester Duathlon der Welt gilt, kein Spaziergang. «Es würde mich schon sehr ‹wurmen›, wenn ich meinen Titel nicht verteidigen könnte», sagt Petra Eggenschwiler. Sie wolle zwar auf die Zähne beissen, letztlich gehe aber die Gesundheit vor.

So ist offen, wie eng das Duell zwischen den Schweizerinnen wird. Melanie Maurer sieht sich als erste Verfolgerin der Titelverteidigerin, nicht als Pacemakerin: «Ich werde ganz auf mich selber schauen, noch mehr als 2018 mein eigenes Rennen fahren und nicht so stark mit ihr mitgehen, wenn sie aufs Tempo drückt.» Nur neun Athletinnen umfasst das Elite-Teilnehmerfeld, inklusive Vorjahresdritte Antonia Reznikova aus Israel – so haben fast alle Medaillenchancen.

Für die Männer ist das beste Landesergebnis in Reichweite

Bei den Männern lässt sich kein Favorit ausmachen in Abwesenheit des nach einem Unfall rekonvaleszenten Titelverteidigers Gaël Le Bellec (Fr). Unter den 20 gemeldeten WM-Teilnehmern sind fünf Schweizer. Nationaltrainer Sami Götz traut den Einheimischen «das beste Landesergebnis ever» zu.

Zu schlagen gilt es den Sieger 2017 Maxim Kuzmin. «Ich will gewinnen», sagt der Russe, dessen Armbruch nach einem Sturz diesen Juni ausgeheilt ist. Der Belgier Seppe Odeyn, Sieger von 2016, reist ebenso an, um Weltmeister zu werden. Und der Franzose Yannick Cadalen sagt: «Ich gebe mein Bestes, um bei meinem sechsten Start hier zuoberst aufs Podest zu steigen.»

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