Matthias Sempach, Sie sind erstmals als König angetreten – wie hat sich das angefühlt?

Matthias Sempach: Daran habe ich gar nicht gross rumstudiert. Ich habe mich vor allem sehr gefreut, dabei zu sein, und zu schwingen.

Die Halle war sehr voll?

Es waren wohl schon etwas mehr Leute da, als auch schon – aber ich habe es gerne, wenn man etwas von mir erwartet.

Zuletzt vor rund einer Million Menschen am TV im Schlussgang des Eidgenössischen in Burgdorf und jetzt vor ein paar Hundert im relativ beengten Schwingkeller in Kirchberg. Stand es ausser Frage, dass Sie an diesem «kleinen» Fest dabei sein würden?

Ja. Es ist das Fest meines Klubs in meiner Region. Früher habe ich Getränke verkauft und Autos eingewiesen, jetzt schwinge ich mit und später werde ich noch 50 Jahre als Zuschauer kommen. Ich freue mich, dass ich gewonnen habe.

Werden weitere Hallenauftritte folgen?

Wahrscheinlich werde ich bis im Mai nur noch ein Schwingfest bestreiten. Ich schwinge lieber im Freien und abgesehen davon bin ich auch noch nicht ganz so fit wie vor einem Jahr zu der Zeit.

Sie müssen mit Anfragen für PR-, Fernseh- und weiss der Herr was für Promo-Auftritte überhäuft worden sein?

Das ist so. Aber ich muss sagen, ich und mein Management haben wohl fast 95 Prozent davon abgelehnt. Es hat mich wirklich extrem überrascht, wie unglaublich der Königstitel in der «Nichtschwinger»-Welt an Interesse und Wertschätzung geniesst.

Kriegen Sie immer noch Fanpost?

Es ist immer noch jeden Tag ein Briefli dabei – ja.

Wenn Sie jeden Termin wahrgenommen hätten, hätten Sie wohl noch etwas mehr Geld auf dem Konto?

Vielleicht – aber dann hätte ich diesen Hallenschwinget in Kirchberg garantiert nicht gewonnen.

Gefällt Ihnen der Rummel um Ihre Person?

Ich bin mir das von früher her schon etwas gewohnt. Schliesslich war ich ja schon 2013 Schwinger des Jahres. Es ist sicher eine Ehre – aber ich ziehe mich auch immer wieder gerne zurück.

Sie haben nach dem Titel drei Monate pausiert und sind seit rund zwei Monaten wieder im Training – was waren besondere Momente für Sie, die Sie als König bisher erleben durften?

Die Sports und Swiss Awards waren sicher speziell; aber auch die Sport Nacht in Davos, an der ich etwa Xerdan Shaqiri oder Alex Frei traf, war super.

Und wie geht es dem Muni «Fors vo dr Lueg», den Sie ja behalten haben?

Der Muni ist immer noch «e liebe Siech» und es geht ihm sehr gut.

Was tun Sie jetzt beruflich – vor Ihrem Königstitel hatten Sie ein Halbzeitpensum als Metzger. Theoretisch wäre ein Profidasein jetzt sicher möglich?

Ich finde es wichtig, eine Aufgabe neben dem Sport zu haben. Es war schon vor dem Eidgenössischen in Burgdorf klar, dass ich als Verkaufsberater bei einem Futtermittelproduzenten in Herzogenbuchsee tätig werde. Ich werde dieses 50-Prozent-Pensum im Juni beginnen.

Sie haben rund neun Jahre mit einem ungeheuren Biss, Willen und Ehrgeiz auf Ihr Ziel – Schwingerkönig zu werden – hingearbeitet. Jetzt sind sie es. Was treibt Sie jetzt noch an?

Es war wirklich nicht leicht, nach dem Sieg in Burgdorf wieder Spannung aufzubauen. Alles hat gepasst am Eidgenössischen. Ich war Lokalmatador, Mitfavorit und dann lief es wie im Märchen – gekrönt vom Schlussgang gegen Christian Stucki. Da fällt eine riesige Spannung von einem ab. Meine Batterien waren total leer. Darum habe ich relativ lange pausiert. Jetzt bin ich wieder voller Energie und Entschlossenheit beim Schwingen.

Aber mit weniger Biss ...?

Nein, aber etwas lockerer vielleicht. Ich bin froh, dass ich den Titel gewonnen habe, aber einfacher wird es dadurch für mich in Zukunft auf den Schwingplätzen sicherlich nicht werden.

Gibt es eine Einladung zu einer Veranstaltung, die Sie bislang noch nicht erhalten haben, die Sie aber sehr gerne annehmen würden?

Da fällt mir im Moment nichts ein.

Wenn Sie gesund bleiben, wird der Kilchberg-Schwinget am 7. September zweifellos ein Gross-Event, an dem Sie sehnlichst erwartet werden?

Der Kilchberg-Schwinget ist mein Saisonziel und ich freue mich darauf.