Beim FC Grenchen sind innert weniger Tage Sportchef Max Rüetschli, Sportdirektor Peter Baumann und Präsident Mike Rüetschli von ihren Ämtern zurückgetreten. Nun wird der Verein interimistisch durch Marcel Bolliger geleitet, welcher eine neue Strategie vertritt. «Wir wollen einen gesunden Aufbau. Den Aufstieg um jeden Preis erzwingen zu wollen, das bringt nichts.»

Einen Tag nachdem Max Rüetschli beim FC Grenchen als Sportchef zurückgetreten ist, hat auch Präsident Mike Rüetschli sein Amt abgelegt. Schliesslich sollte nicht der falsche Eindruck entstehen, Sohn Mike habe Vater Max aus dem Verein geworfen.

«Ich hatte meinen Rücktritt auf die kommende Sommerpause schon vor Monaten kommuniziert. Weil ich eine anspruchsvolle Weiterbildung beginne, wird mir die Zeit fehlen», erklärt Mike Rüetschli den Schritt. «Zudem gab es innerhalb des Vorstandes verschiedene Ansichten über die einzuschlagende Strategie. Deshalb finde ich es besser, wenn die nächste Saison bereits jetzt durch die Leute geplant werden kann, welche eine neue Strategie umsetzen möchten.»

Bereits genug geleistet

Der Wechsel sei in Freundschaft erfolgt, geben beide Seiten zu Protokoll. Interimistisch wird der FC Grenchen nun durch Marcel Bolliger und Daniel Emch geführt. «Zum Gremium gehören auch noch Lilo Dellsperger, Beat Lauper, Michael Reiff und Beatrice Obri», erklärt Interimspräsident Marcel Bolliger. «Ich wollte eigentlich nicht Präsident werden, denn ich habe für den Fussball in der Region Grenchen bereits genug geleistet. Aber wenn kein anderer das Amt will, dann muss ich es eben tun.»

Die strategischen Differenzen hätten sich vor allem dann manifestiert, wenn sich die Diskussionen um das Thema Aufstieg gedreht hätten, sagt Bolliger. «Die nun abtretenden Vorstandsmitglieder haben sehr gute Arbeit geleistet, aber ein Aufstieg in die 2. Liga inter um jeden Preis, das sollte nicht das Ziel dieses Vereins sein. Wir fürchteten, dass der FC Grenchen bald wieder da sein könnte, wo er einst war, als es auf der Mannschaftsliste in der 1. Liga fast nur unbekannte, auswärtige Spieler hatte und die Ausgaben ausser Kontrolle gerieten.»

Aufbau und Förderung

Die neue Strategie gründe auf einem geduldigen Aufbau und der Förderung der eigenen Junioren: «Unser sportliches Ziel ist es, in der Solothurner 2. Liga vorne mitzumischen. Wir wollen auf der jetzigen Mannschaft aufbauen. Das Trainerduo wird sicher bis zur Sommerpause bleiben. Wenn es mit dem Aufstieg klappen sollte, würde es uns freuen. Der Aufstieg ist aber kein Muss.

Marcel Bolliger war massgeblich an der Rettung beteiligt, als der FC Grenchen total überschuldet vor dem Kollaps stand. «Vor zweieinhalb Jahren haben wir Wacker Grenchen aufgelöst, um den FCG zu erhalten. Sportlich hat das nichts gebracht, weil wir einen Scherbenhaufen vorgefunden hatten. Aber jetzt haben wir eine Basis gefunden, und wir können in Ruhe arbeiten.»

Bleibt die Frage, ob er, der ehemalige Wacker-Präsident, es manchmal bedauert, dass es seinen Stammverein nicht mehr gibt. «Die gemütlichen Stunden auf der Riedern vermisse ich schon, aber die Stimmung im Stadion Brühl ist auch sehr schön. Wir gehen alle auf den Fussballplatz, um eine schöne Zeit mit guten Freunden zu erleben. Nur gibt es in Grenchen extrem viele Experten am Spielfeldrand, die alles besser wissen.»