Fast wäre nichts geworden aus dem Jubiläum. Am 31. Juli landete Beat Eggenschwiler im Spital. Diagnose: Bruch des rechten Wadenbeins. «Der Arzt in der Notfallstation meinte, dass ich kaum drei Wochen später auf den Weissenstein rennen könne», erzählt Eggenschwiler. Dennoch wird der Metzger aus Ramiswil heute bei der 25. Auflage des Berglaufs auf den Solothurner Hausberg am Start stehen – wie schon bei allen früheren Austragungen.

«Ich habe am letzten Wochenende schon an unserem Vereinslauf auf die Wengi teilgenommen», sagt das Mitglied der LG Matzendorf. «Ich bin deshalb zuversichtlich, dass ich den Lauf ohne Probleme schaffen werde. Nur das Abwärtslaufen macht mir noch etwas zu schaffen.»

Noch keinen Weissensteinlauf verpasst

Eggenschwiler ist mit Jahrgang 1946 der Zweitälteste der acht Männer, die beim Weissensteinlauf noch nie gefehlt haben. Dabei hatte er ursprünglich einen ganz anderen sportlichen Weg eingeschlagen. «Als Schwinger und Nationalturner war ich aber zu leicht, obwohl ich einmal das Steinstossen auf dem Weissenstein gewinnen konnte», sagt der Guldentaler, der sich noch genau an seine Premiere als Läufer erinnern kann. «Das war am 11. Mai 1969 am Wiedlisbacher Waffenlauf. Zwei Kollegen hatten mich zur Teilnahme überredet, und ich kam bei Schneefall nach 3:45 Stunden ins Ziel. Eine Woche später heiratete ich meine Frau Erika.»

Es war der Start zu einem Läuferleben, in dem Eggenschwiler den legendären «Wiedlisbacher» bis zu dessen letzter Austragung im Jahr 2008 ganze 37-mal bestritt – und dabei jeweils die Verenaschlucht passierte, wo auch der Weissensteinlauf durchführt. So wird er heute bereits zum 62. Mal wettkampfmässig an der Einsiedelei ob Solothurn vorbeilaufen.

Mit den Bergläufen hat Eggenschwiler neben den Waffenläufen längst eine zweite sportliche Liebe gefunden. «Ich finde diese Jura Top Tour eine sehr gute Sache. Neben dem Weissensteinlauf sind auch der Grenchenberglauf und der Passwang-Berglauf zu meinen Lieblings-Events geworden. Bei diesen Läufen bin ich bisher jedes Mal am Start gewesen», so Eggenschwiler, der auch viel auf dem Mountainbike oder auf dem Rennvelo trainiert. So gehören Ausfahrten über den Scheltenpass und über den Passwang fast zur Tagesordnung.

Viel Lob für den Weissensteinlauf

Über den Weissensteinlauf ist Eggenschwiler des Lobes voll. «Dieser Lauf ist einfach perfekt angelegt. Zuerst geht es durch die wunderbar schöne Verenaschlucht nach Rüttenen. Im Aufstieg zum Nesselboden wird es dann hart – und am Schluss knallhart», analysiert er den Lauf, bei dem er Ende der 90er-Jahre einmal einen Kategoriensieg feiern konnte. Solche Ambitionen hegt er dieses Jahr nach seinem Wadenbeinbruch nicht.

«Die Zeit spielt mir diesmal keine Rolle. Erst nächstes Jahr will ich dann in meiner neuen Kategorie wieder schneller sein», sagt Eggenschwiler, der täglich um fünf Uhr in der Früh aufsteht. Auch mit der Gewohnheit, nach dem Rennen direkt vom Weissenstein nach Hause zu laufen, bricht der 69-Jährige. Als Jubilar darf er bei der Siegerehrung im Solothurn nicht fehlen.

Noch einen weiteren Termin hat sich Beat Eggenschwiler vorgemerkt: Wenn der «Wiedlisbacher» im Frühling 2016 aus Anlass des 100. Geburtstags des Waffenlaufs in der Schweiz eine einmalige Neuauflage finden wird, wird er selbstverständlich die Sturmpackung schultern und sich neben seinem früheren Vorbild Albrecht Moser auf die Strecke begeben. Auch wenn diese dann nicht durch die Verenaschlucht führen wird.