Die bisherige Saison ist eine voller Hoch und Tiefs für Kathrin Stirnemann. Das Rennen in Cape Epic (Südafrika) im März musste sie wegen Atemnot und Asthma aufgeben. Zudem wurden ihre Allergien auf Pollen und Hausstaubmilben stärker.

Kathrin Stirnemann, wie konnten Sie sich nach dem schwierigen Start in die Saison auf die Schweizer Meisterschaft vorbereiten?

Kathrin Stirnemann: Seit dem Rennen in Cape Epic reagiere ich viel sensibler auf die Allergien. Vor jedem Rennen ist die Situation anders, eine hohe Ozonbelastung wirkt sich beispielsweise negativ auf meine körperliche Verfassung aus. Auf die Schweizer Meisterschaft habe ich mich in den Engadiner Bergen vorbereitet. Dort war es nicht so heiss und auch die Ozonbelastung war nicht so stark. Auch mit Akupunktur habe ich es versucht, was sich positiv ausgewirkt hat.

Sie waren bisher sehr erfolgreich in der Kategorie Eliminator. Im Cross Country konnten Sie noch keine grösseren Erfolge feiern. Welche Emotionen weckt nun dieser Schweizer-Meister-Titel ihn Ihnen?

Meine Gefühle sind gemischt. Im Ziel habe ich den Sieg erst gar nicht richtig realisiert – es war viel Glück dabei. Wenn Jolanda Neff keinen Defekt an ihrem Bike erlitten hätte, wäre der Sieg wohl an sie gegangen. Wenn bei Neff nichts Aussergewöhnliches passiert, ist sie fast nicht zu schlagen.

Das ist Sport. Bei jedem Rennen kann es eine Fahrerin mit einem Defekt treffen, das ist nicht zu verhindern.

Ja, das ist so, diesmal hat es Neff getroffen. Letztlich bin ich jedoch sehr stolz, ein ganzes Jahr lang mit dem Trikot der Schweizer Meisterin zu fahren. Auch wenn das mit ein wenig Glück verbunden war.

Sie haben letztes Jahr in der Eliminator-Kategorie alles gewonnen, was man gewinnen kann, wurden auch Weltmeisterin. Nun auch im Cross Country?

Nein, das ist noch zu weit entfernt und wäre auch nicht ganz realistisch. Auf diese Saison hin gibt es im Eliminator keine Weltcup-Rennen mehr. Deshalb habe ich mein Training umgestellt und mehr aufs Cross Country fokussiert. Im Cross Country gibt es auch eine grössere Konkurrenz. Ich versuche mein Bestes, um auch da künftig bei der Spitze mitmischen zu können.

Diese Woche stehen die Europameisterschaften an. Welche Ziele haben Sie sich dafür gesetzt?

Am Freitag ist das Eliminator-Rennen. Als amtierende Europameisterin ist es natürlich mein Ziel, diesen Titel zu verteidigen. Für den Sonntag im Cross Country habe ich die Ziele nicht so hoch gesteckt. Ich versuche, den letztjährigen siebten Platz zu egalisieren oder besser noch, zu verbessern. Aufgrund der starken Konkurrenz wird das aber kein einfaches Unterfangen.

In knapp einem Jahr stehen die Olympischen Spiele in Rio an. Steigert der Schweizer-Meister-Titel Ihre Chancen auf eine Teilnahme?

Der Titel bringt mir für Olympia gar nichts. Da zählen nur die Weltcup-Rennen, die bis dahin stattfinden. Jolanda Neff als Dominatorin hat einen von zwei Schweizer Startplätzen fast schon auf sicher. Um den zweiten Platz kämpfen etwa fünf bis sechs Spitzenathletinnen. Ich muss in den kommenden Rennen Spitzenresultate mindestens in den Top 5 erzielen, um gute Chancen auf diesen Startplatz zu haben.