Frauenfussball
Kaan Kahraman ist wie einst sein Namensvetter Khan unterwegs

Der Solothurner ist seit dieser Saison erfolgreicher Coach der FCB-Frauen und steht momentan auf dem 2. Tabellenplatz, punktgleich mit dem Serienmeister aus Zürich.

Michael Schenk
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Kahraman Kaan ist seit dieser Saison neuer Trainer der FCB-Frauen.

Kahraman Kaan ist seit dieser Saison neuer Trainer der FCB-Frauen.

Micheael Schenk

Wer Spektakel auf dem Rasen sucht und den FC Basel mag, der sollte sich unbedingt einmal ein Spiel der NLA-Frauen des FCB anschauen. Die «Chinesische Mauer» oder «goldene Betonmischmaschine» stehen garantiert nicht auf dem Gameplan von Coach Kahraman Kaan: «Nein, unser Ziel ist es, spektakulären Fussball zu zeigen und die Zuschauer zu begeistern.» Auf das alle Matchbesucher begeistert nach Hause gehen und das nächste Mal ein paar Kolleginnen und Kollegen mitbringen.

Saisonstart stimmt zuversichtlich

37 Tore haben die Baslerinnen im Verlauf der bisher neun Pflichtspiele in Cup und Meisterschaft erzielt. Vor dem heutigen Cup-Match gegen den Erstligisten aus dem freiburgischen Givisiez belegen die Cup-Titelverteidigerinnen in der Meisterschaft Platz 2. Punktgleich mit Serienmeister Zürich, das allerdings eine Partie weniger aufweist.

Das Hinspiel gegen den FCZ hatten die FCB-Frauen mit 1:4 verloren. «Wir haben uns lange auf Augenhöhe befunden und dann ein paar dumme Tore kassiert. Im Rückspiel bei uns zu Hause wird das anders aussehen», hält Kaan in der beherzten Manier eines erfolgreichen Eroberers wie seines mongolischen Namensvetter Dschingis fest. Selbst wenn sich Khan und Kaan nicht gleich schreibt...

Mit seiner betont zuversichtlichen Art hatte Kahraman Kaan bereits während den letzten drei Jahren mit der U18-Frauen-Auswahl des Solothurner Kantonalverbandes Erfolg. «Wir haben ein paar Dinge geschafft, die man uns nicht unbedingt zugetraut hätte», so der Solothurner.

Schritt zum Halbprofi

Darum wurde man beim FCB auf ihn aufmerksam und konnte ihn schliesslich ins Boot holen. Bis zur «Einschiffung», die offiziell auf den 1. Juli fiel, war Kaan Vollzeit-Lehrer an der Oberstufe in Gerlafingen. Die Reduktion des Pensums sei kein Problem gewesen: «Nein, ich habe da einen super Chef, darum hat das prima geklappt.» Den Schritt ins Halbprofitum hat der 33-Jährige seither nie bereut. «Ganz und gar nicht, mir gefällt der Job in Basel tiptop», sagt er. Die sechs wöchentlichen Trainings plus Match mit einer leidenschaftlich und definitiv nicht geldgetriebenen Schar junger Frauen mache Spass. Die Atmosphäre ist darum eine andere, und gewiss nicht unangenehmerer, als wenn da eine Horde junger Porsche- und Ferrari-Fahrer in die kurzen Hosen steigt.

Starke Frau an der Seite

Pädagoge Kaan ist seit einem Jahr mit einer Psychologin und nicht Fussballerin verheiratet. Durchaus möglich, dass seine «bessere Hälfte» ihren Teil am Erfolg ihres Gatten auf dem Grün beiträgt. «Es ist bestimmt kein Nachteil, wenn ich mich mit ihr über all die mentalen Aspekte unterhalten kann», sagt der FCB-Ladycoach. Und sollte er einmal Gefahr laufen, eine Krise zu kriegen, weil sein Name auf der Trainerliste des FC Basel erst ganz weit unten noch nach dem des Junioren-G-Bebbi-Coachs aufgelistet ist, könnte seine Frau auch helfen. Allerdings insistier Kaan: «Die Position auf dieser Liste hat garantiert nichts mit dem Stellenwert des Frauenfussballs beim FC Basel zu tun.»

Der Stellenwert der rund 70 Kickerinnen sei sehr hoch. Etwas, das allein schon die Tatsache aufzeige, dass man auf dem Campus trainieren, essen und spielen könnte. Wer sich selbst vom «Spectacolo» der FCB-lerinnen überzeugen will – das letzte Heimspiel vor Abschluss der Hinrunde bestreitet der FCB am kommenden Samstag (4.Oktober/17.00 Uhr) gegen Luzern.