Auch Hanspeter Zaugg ist an diesem Montagabend in den Vaduzer Rheinpark gekommen. Als ehemaliger Nationalcoach von Liechtenstein hat er alte Freunde besuchen, als Trainer des FC Biel, aber auch seinen Schützling Cristian Miani in der Nationalmannschaft sehen wollen. Das erste hat geklappt, das zweite nicht. Denn auf der Tribüne sitzt drei Reihen hinter Zaugg im Trainingsanzug – Miani. Und wundert sich, weshalb ihn der Schweizer U21-Coach Pierluigi Tami dorthin und beim 6:0 über Liechtenstein nicht auf den Rasen beordert hat.

In der U21-Nati debütiert

«Nach meiner guten Leistung in Lettland habe ich mir schon etwas mehr erhofft», sagt Miani. «Aber gut, ich muss es akzeptieren, schliesslich bin ich zum ersten Mal dabei.» In der letzten Woche hat der 20-Jährige beim 2:0-Sieg in Jurmala in der U21-Nati debütiert. «Ich habe 25 Minuten gespielt und einige Akzente gesetzt», sagt Miani. Dass er mit Leuten wie Raphael Spiegel, Pajtim Kasami und Silvan Widmer, der eine Profi bei West Ham, der Zweite bei Fulham, der Dritte bei Udinese, zusammenspielen kann, erfüllt ihn mit Befriedigung. «Da kann ich wertvolle Erfahrungen sammeln und sehen, was es braucht, um bei solchen Klubs zu spielen», sagt Miani.

Noch einiges zu lernen

Der Langenthaler macht kein Geheimnis daraus, dass auch er mal im Ausland spielen will. Noch ist er aber beim FC Biel und hat gemäss Zaugg einiges zu lernen. «Er muss konstanter werden und manchmal bessere Entscheidungen treffen. Zum Beispiel abspielen, statt vier Gegner umdribbeln zu wollen», sagt Zaugg. Andrerseits weiss auch der Trainer, dass gerade das Dribbling eine der Stärken seines linken Flügels ist. «Und seine Schnelligkeit und Frechheit», sagt Zaugg. Immerhin drei Tore hat Miani in dieser Saison in der Challenge League schon geschossen. «Im Sommer habe ich meine KV-Lehre abgeschlossen, jetzt kann ich mich ganz auf den Fussball konzentrieren und Vollgas geben», sagt Miani, der noch bei seinen Eltern in Aarwangen lebt. «Das ist eine ideale Konstellation», sagt der Mann mit den drei Pässen. «Ich bin Schweizer, Italiener und Spanier und ein grosser Fan von Real Madrid.»

«Bis im Winter acht bis zehn Tore schiessen»

Beim FC Langenthal hat er mit dem Fussball begonnen, bei den Young Boys die Juniorenabteilung durchlaufen, und als es bei den Bernern mit ihm nicht mehr weiterging, ist er zum FC Grenchen gegangen. Dort hat er in 15 Erstligaspielen 20 Tore erzielt und ist nur zwei Mal ohne Treffer geblieben. «Ich habe mir vorgenommen, für Biel bis im Winter acht bis zehn Tore zu schiessen», sagt Miani. «Seit ich Profi bin, fühle ich mich fitter. Ich spüre die Wertschätzung von Zaugg und greife jetzt voll an.» Wenn möglich will er im kommenden Sommer dann in die Super League wechseln. Am Selbstvertrauen fehlt es nicht.