1. Liga
«Jetzt müssen wir es packen» – Der FC Solothurn spielt um den Aufstieg in die Promotion League

Der FC Solothurn spielt ab heute Abend um den Aufstieg in die Promotion League. Nun muss gegen den Lancy FC der Aufstieg in die nächsthöhere Klasse her. Schliesslich war es von Anfang an das Ziel.

Raphael Wermelinger
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Die Solothurner hatten 2017/18 bis jetzt viel Grund zum Jubeln. Sie gewannen 21 der 26 Meisterschaftsspiele.

Die Solothurner hatten 2017/18 bis jetzt viel Grund zum Jubeln. Sie gewannen 21 der 26 Meisterschaftsspiele.

Jürg Naegeli

Der FC Solothurn gewann diese Saison 21 von 26 Meisterschaftsspielen und beendete die Gruppe 2 als Spitzenreiter mit 15 Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger. Eine derart starke Saison muss dem Präsidenten viel Spass bereitet haben.

«Ja und nein», wägt Samuel Scheidegger ab und fügt scherzend an: «Von den Siegen her ja, von den Punkteprämien her nein.» Der FCS startete mit zehn Siegen in Folge in die Saison 2017/18.

Am elften Spieltag Ende Oktober gaben die Solothurner beim Unentschieden gegen Münsingen erstmals Punkte ab. Danach reihte der FCS sechs weitere Siege aneinander, ehe die Ambassadorenstädter am 28. März zum ersten Mal in dieser Saison als Verlierer vom Feld mussten. Nur eine weitere Niederlage sollte noch hinzukommen.

Der Gegner: Lancy FC

Zum Auftakt der Promotionsrunde gastiert der FC Solothurn heute bei Lancy, dem Dritten der Gruppe 1 (20 Uhr, Stade de Marignac). Die Genfer feierten in dieser Saison bislang 14 Siege, holten 5 Unentschieden und mussten 7 Mal als Verlierer vom Feld.

«Sie waren in der vergangenen Saison ebenfalls in den Aufstiegsspielen», weiss FCS-Sportchef «Bidu» Zaugg, welcher die Genfer am letzten Wochenende beobachtet hat. «Es ist eine schon etwas ältere Mannschaft, dafür mit sehr viel Erfahrung.» Das Rückspiel findet am Samstag um 17 Uhr im Stadion in Solothurn statt.

Präsident Samuel Scheidegger hofft auf eine Zuschauerzahl im vierstelligen Bereich. Nehmen die Solothurner die Hürde Lancy FC, spielen sie gegen den Sieger der Affiche Meyrin FC gegen den FC Münsingen um den Aufstieg in die dritthöchste Liga der Schweiz, die Promotion League. (RAW)

Jetzt soll der Aufstieg in die Promotion League her. «Das war von Anfang an unser Ziel», stellt Scheidegger klar, «es wäre schade, wenn es nach so einer Saison nicht reichen würde. Die Aufstiegsspiele haben aber ähnlich wie der Cup ihre eigenen Gesetze.» Solothurn trifft in der ersten Runde der Aufstiegsspiele auf Lancy FC, den Dritten der Gruppe 1.

Laut FCS-Sportchef Hans-Peter Zaugg eine machbare Aufgabe: «Ich bin sehr zuversichtlich. Im Vergleich zu den vergangenen Spielen müssen wir aber wieder einen Zacken zulegen.» Er ist froh, dass dem FC Solothurn die Aufstiegsfavoriten Bellinzona und YB II nicht in die Quere kommen werden.

In der entscheidenden zweiten Runde der Aufstiegsspiele würde auf die Solothurner der Sieger aus der Affiche Meyrin gegen Münsingen warten. Keine Gegner, vor denen sich der FCS verstecken muss. Denn dies sind die Erfolgsfaktoren des Solothurner Höhenflugs.

Trainer Dariusz Skrzypczak

Der Pole führte die Arbeit seines Vorgängers «Bidu» Zaugg, der im Sommer die Rolle des Sportchefs übernommen hatte, nahtlos weiter. «Er ist ein angenehmer und umgänglicher Typ. Er ist verantwortlich für das gute Klima innerhalb des Teams», sagt Zaugg über Skrzypczak.

Der 50-Jährige ist immer perfekt vorbereitet und nimmt die Gegner bis ins Detail unter die Lupe, ergänzt Zaugg. Dem schliesst sich Präsident Scheidegger an: «‹Darek› arbeitet äusserst akribisch. Vor allem was das Taktische betrifft, ist er extrem auf der Höhe. Und er profitiert von der Erfahrung unseres Sportchefs. Diese Kombination passt gut.»

In der Saisonvorschau hatte Skrzypczak gegenüber dieser Zeitung übrigens gesagt, dass es möglich sei, jedes Spiel zu gewinnen. Was damals etwas übertrieben klang.

Der Abwehrverbund

Das Prunkstück der Solothurner im bisherigen Saisonverlauf war ganz klar die Defensivabteilung inklusive Torhüter Jeffrey Grosjean mit insgesamt lediglich 15 Gegentreffern in den 26 Meisterschaftsspielen der Gruppe 2.

Zum Vergleich: Der zweitplatzierte FC Münsingen steht nach 26 Spielen bei 21 Gegentreffern, der FC Black Stars auf Platz drei kassierte mehr als doppelt so viele Tore wie der FC Solothurn.

Ex-Super-League-Spieler Raphael Koch, Captain Marc Du Buisson, Fabian Kohler, Noel Anderegg und Waylon Grosjean sind die Konstanten in der Solothurner Abwehr. Und natürlich der 26-jährige Goalie Jeffrey Grosjean, der in 23 Spielen zum Einsatz kam und dabei nicht weniger als 14-mal ohne Gegentor blieb.

Dauerläufer Sacha Stauffer

Der vielseitig einsetzbare Offensivspieler erhielt von Trainer Dariusz Skrzypczak am meisten Einsatzzeit und ist eines der ganz wichtigen Puzzlestücke für den Erfolg der Solothurner. Der 32-Jährige absolvierte 22 Spiele über die volle Distanz und wurde dreimal in der Schlussviertelstunde ausgewechselt. Ein einziges Spiel verpasste Stauffer in dieser Saison.

Dauerläufer Sacha Stauffer.

Dauerläufer Sacha Stauffer.

RFO

Das Duell am viertletzten Spieltag gegen den GC-Nachwuchs aufgrund einer Gelb-Sperre. Der gebürtige Berner Seeländer erzielte selber zwar nur drei Tore, bereitete dafür etliche vor und lenkte das Offensivspiel der Solothurner clever und routiniert.

Topskorer Loic Chatton

Der 27-jährige Bieler Loic Chatton war im Angriff die Lebensversicherung des FC Solothurn. Im Vorjahr, in seiner ersten Saison im FCS-Dress, kam der ehemalige Super-League-Angreifer (FC Sion und FC Lugano) auf 14 Tore, jetzt steht Chatton bei 22. Obschon er bei sechs Spielen nicht dabei war.

Goalgetter Loic Chatton.

Goalgetter Loic Chatton.

RFO

Mit dieser Ausbeute ist Chatton nicht nur der mit Abstand treffsicherste Spieler der ganzen Gruppe 2, sondern auch teamintern mit riesigem Abstand der Topskorer. Hannes Hunziker und Massimo Veronica schossen jeweils acht Tore, auf deren sechs brachte es Semir Bisevac in seiner zweiten Saison beim FC Solothurn.

Die Mischung

Trainer Dariusz Skrzypczak kann einerseits auf die Erfahrungen der arrivierten Leistungsträger wie Edin Hasanovic (32), Sacha Stauffer (32), Raphael Koch (28) und Loic Chatton (28) bauen.

Eine grosse Stütze der Mannschaft bilden aber bereits jetzt die Mittzwanziger wie Jeffrey und Waylon Grosjean (26), Marc Du Buisson (25) sowie die beiden 23-jährigen Massimo Veronica und Fabian Kohler. Auch Noel Anderegg (20) Hannes Hunziker (22) und Shpetim Arifi (21) gehören bereits zu den Stammspielern.

Die Mischung stimmt also perfekt im Team des FC Solothurn. Und die nächste Generation steht ebenfalls bereits in den Startlöchern. Loris Micelli (20), die 19-jährigen Sergio Henzi und Robin Müller, Gianluca Moser (18), Ian Schäppi und Philippe Gerspacher (beide 17) sowie der 16-jährige Ersatzgoalie Colin Bühler durften alle ihre ersten Erfahrungen sammeln in der 1. Liga. «80 bis 90 Prozent der Spieler der ersten Mannschaft haben mindestens ein Jahr in unserer Jugendabteilung verbracht», zeigt sich Präsident Scheidegger stolz.

Sportchef «Bidu» Zaugg hofft, dass in den Aufstiegsspielen noch ein weiterer Erfolgsfaktor dazukommt, die mentale Komponente: In der vergangenen Saison hätten die meisten Spieler nämlich noch nicht an den Aufstieg geglaubt. Dies sei nun anders: «Dieses Jahr haben wir keine Ausrede mehr. Jetzt müssen wir es packen.»

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