Triathlon
«Jetzt bloss nicht in Panik verfallen»

Nach den enttäuschenden Ergebnissen steht die Lostorferin Melanie Annaheim unter Druck.Aufwand und Ertrag stehen bei der Solothurnerin momentan im krassen Missverhältnis.

Daniel Weissenbrunner
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Der beschwerliche Weg nach London: Melanie Annaheim (hier bei ihrer Aufgabe in Sydney) läuft es noch nicht nach Wunsch.Key

Der beschwerliche Weg nach London: Melanie Annaheim (hier bei ihrer Aufgabe in Sydney) läuft es noch nicht nach Wunsch.Key

Den Auftakt ins Olympiajahr hat sich Melanie Annaheim wahrlich anders vorgestellt. Nach ihren blendenden Resultaten 2011 steigerte die 29-Jährige ihren Trainingsumfang nochmals. Sie ordnete dem grossen Ziel, der Teilnahme in London, alles unter. Annaheim bereitete sich auf La Réunion im Indischen Ozean und in Neuseeland akribisch auf den Saisonstart im australischen Mooloolaba vor. «Ich wollte etwas ausprobieren, etwas riskieren, dass mich noch ein Stück weiterbringt», sagt Annaheim. Mit ihren Top-Ergebnissen im vergangenen Jahr war sie in die Weltspitze aufgestiegen und hatte mit dem 10. Gesamtrang in der WM-Serie die erste Vorgabe der Olympianorm erfüllt.

Den Motor überhitzt

Triathlon auf diesem Niveau sei eine Gratwanderung, sagt Iwan Schuwey. «Vielleicht hat Melanie den Motor ein wenig überhitzt und ist so in ein Loch gefallen», sucht der Nationaltrainer nach möglichen Erklärungen für das bisher durchzogene Abschneiden. Annaheim startete mit einem 22. Platz, in Sydney gab sie das Rennen auf und am vergangenen Wochenende musste sie sich am schwach besetzten Weltcup in Japan mit dem 15. Rang begnügen.

Aufwand und Ertrag stehen bei der Solothurnerin momentan im krassen Missverhältnis. Das weiss sie selbst am besten. «Mit den Leistungen kann ich nicht zufrieden sein. Es geht für mich jetzt aber darum, nicht in Panik zu verfallen.» Damit das nicht geschieht geht sie ihren eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Die mentale Arbeit nimmt nebst den Trainings einen wichtigen Stellenwert ein. Begleitet wird Melanie Annaheim von Tanja Frieden. Die Snowboard-Olympiasiegerin steht ihr als Umfeld- und Neurocoach zur Seite.

Der Glaube an die eigenen Stärken

Melanie Annaheim, die mit der aktuellen Nummer 1 im Triahtlon, David Hauss aus Frankreich, verlobt ist, bleiben zwei Wochen, um die notwendigen Anpassungen vorzunehmen. Zwei Rennen bleiben ihr, um die geforderten Kriterien zu erfüllen. In San Diego oder Ende Mai am Weltcup in Madrid braucht sie ein Top-15-Ergebnis, um das Ticket für die Olympischen Spiele zu lösen. Nationaltrainer Iwan Schuwey ist zuversichtlich, dass es Annaheim gelingen wird. «Wichtiger ist aber weniger, dass ich daran glaube, sondern Melanie von ihren Stärken überzeugt ist.»

Nach ihrer Rückkehr Anfang Woche in die Schweiz ist bei Melanie Annaheim, nach zwischenzeitlichen Zweifeln, der dringend nötige Optimismus zurückgekehrt. Nachdem sich in den letzten Monaten alles um den Sport gedreht hat, geniesst sie die Tage zu Hause in Lostorf. «Ich bin derart auf Triathlon fokussiert, da tut es gut, einmal auf andere Gedanken zu kommen». Vielleicht ist genau dieser Punkt der Schlüssel, um in die Erfolgsspur zurückzufinden.