Eishockey

Jeff Campell: «Ich kann Schweizer Meister werden»

Jeff Campbell vor seinem temporären Heimstadion, der Kolping-Arena der Kloten Flyers.  afr

Jeff Campbell vor seinem temporären Heimstadion, der Kolping-Arena der Kloten Flyers. afr

Langenthals Jeff Campbell ist als Ersatzausländer bei den Kloten Flyers gelandet. Der 29-Jährige ist noch nie zu einem Einsatz gekommen.

Vor der Kolping-Arena steht ein Fahrzeug mit grossem Langenthal-Logo und Berner Nummernschild. Ein Fremdkörper in der Klotener Landschaft. Im Innern der Arena dreht Jeff Campbell seine Runden. Er trägt ein Trikot ohne Rückennummer und als Einziger einen weissen Helm. Es ist der Auswärts-Helm der Kloten-Flyers. Jeff Campbell gehört irgendwie dazu und ist irgendwie doch ein Auswärtiger. Doch auf dem Eis ist er alles andere als ein Fremdkörper. Ein Zürcher Journalist staunt ob der Treffsicherheit des Kanadiers. Mal für Mal bezwingt Campbell Torhüter Ronnie Rüeger.

Vor zwei Wochen ist der Langenthal-Söldner in der Fliegerstadt gelandet. Seit dem Playoff-Out des B-Ligisten trainiert der 29-Jährige beim Halbfinalisten, der heute erstmals den SC Bern empfängt. Noch hat Campbell keine Minute für Kloten gespielt. Er ist der Ersatzausländer. «Keine einfache Rolle für einen, der in seinem Klub die Leaderfigur ist», sagt Klotens Sportchef Jürg Schawalder, «aber Jeff macht sich gut.»

Meister ohne eine Minute Eiszeit

Die Zürcher suchten einen Center für die Playoffs. Langenthals Sportchef Reto Kläy hat den Deal mit Kloten eingefädelt. «Als ich den Anruf erhielt, war ich sehr aufgeregt», sagt Campbell. Es ist sein erster Aufenthalt bei einem NLA-Team. «Ich kann Schweizer Meister werden», sagt er mit einem breiten Lachen, «vielleicht ohne eine Minute gespielt zu haben.» Oder er schiesst im letzten Spiel das alles entscheidende Tor. Wer weiss das schon. Im Sport ist vieles möglich.

Doch vorerst ist Campbell der Ersatzausländer mit der B-Lizenz. Dreimal pro Woche trainiert er in Kloten. In Langenthal kümmert er sich um seine Fitness. «Man weiss nie, wann es plötzlich ernst wird», sagt er. Mit Michael Dupont hat sich bereits ein Ausländer des Qualifikations-Zweiten verletzt. Fällt noch einer aus, ist Campbell gefragt. «Die Playoffs können lange dauern», weiss Campbell.

Familie in Übersee besuchen

In Kloten fühlt er sich willkommen. «Es hat gute Typen im Team», sagt er. Für ihn ist es eine einmalige Gelegenheit. «Nach dem unerwartet frühen Ausscheiden mit Langenthal musste ich diese Chance einfach nutzen», sagt Campbell. A- statt B-Meister, das tönt gut und sieht in jedem Lebenslauf chic aus. Auch wenn es nur eine temporäre Anstellung ohne Einsatz-Garantie ist.

Vorerst muss er auf seinen ersten Ernstkampf mit den Kloten Flyers warten. Das hat auch Vorteile. Campbell war noch nie in seinem Leben in der Berner Postfinance-Arena. Am Donnerstag werde er wahrscheinlich unter den über 17000 Zuschauern weilen, sagt Campbell. Er freut sich auf die einmalige Atmosphäre.

Die Arena in Bern liegt rund eine halbe Stunde von seinem Wohnort Bleienbach entfernt. Dort wohnt Campbell mit seiner Frau Abby. Sobald die Saison der Kloten Flyers zu Ende ist, fliegen die beiden nach Michigan, in die Heimat seiner Partnerin. «Die Familie besuchen und den Sommer geniessen», sagt der Eishockey-Profi. Auch die Familie in seiner kanadischen Heimat wird Campbell besuchen. Ende Juli folgt die Rückkehr in die Schweiz. «Mein Vertrag beim SC Langenthal läuft noch eine Saison», sagt Campbell, steigt in sein Auto mit dem grossen Langenthal-Logo und dem Berner Nummernschild und fährt zurück nach Bleienbach.

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