Fussball
Jeder Gegner zehn Prozent motivierter – trotzdem geht der FC Iliria seinen Weg

Der FC Iliria steht in der 2. Liga unter dem neuen Trainergespann vor dem Gewinn des Wintermeistertitels.

Raphael Wermelinger
Merken
Drucken
Teilen
«Ich bin nicht der alleinige Chef an der Seitenlinie des FC Iliria», stellt der ehemalige Goalie Vilson Dedaj klar.

«Ich bin nicht der alleinige Chef an der Seitenlinie des FC Iliria», stellt der ehemalige Goalie Vilson Dedaj klar.

Zur Verfügung gestellt

Während seiner Aktivkarriere stand er in der 1. Liga beim FC Wangen b. Olten, FC Solothurn und FC Baden zwischen den Pfosten. Im letzten Jahr beendete Vilson Dedaj mit erst 30 Lenzen auf dem Buckel seine Torhüter-Laufbahn. Weil es ihm an der nötigen Herausforderung fehlte. «Wenn ich etwas mache, dann muss ich zu hundert Prozent dahinterstehen können. Dies war nicht der Fall und so bin ich zum Punkt gekommen, dass es besser ist, aufzuhören.» Seinen Fokus richtete er stattdessen auf die Karriere an der Seitenlinie.

Als die Anfrage vom FC Ilira kam, sei er sofort begeistert gewesen. Er musste allerdings zuerst absagen, da er nicht im Besitz des Trainerdiploms ist. Noch nicht, Dedaj absolviert diese Woche die Ausbildung zum C-Diplom. Im Alleingang eine Zweitliga-Mannschaft führen darf der Trainer-Jungspund aber noch nicht. Die Lösung: Er stellt einen komplett neuen Staff zusammen für den FC Iliria. Zu diesem gehören Co-Trainer Leo Sasso, Torhütertrainer Peter Plemenic und Coach Rrahim Dakaj. «Ich bin nicht der Chef an der Seitenlinie», stellt er klar. «Wir sind ein sehr gut funktionierendes Trainer-Gespann.»

Tatsächlich befindet sich der FC Iliria unter der neuen Führung auf einem Höhenflug. Die Stadt-Solothurner führen die 2. Liga mit einem Vorsprung von fünf Punkten an. Erst ein Mal, am zweiten Spieltag gegen den FC Biberist, musste der FC Iliria als Verlierer vom Platz. Aus den letzten acht Partien resultierten sieben Siege und ein Unentschieden. «Diese Resultate freuen uns natürlich, doch unser Augenmerk liegt nicht auf dem ersten Platz», sagt Dedaj. Der Aufstieg in die 2. Liga inter sei nicht das Ziel, sondern die Top 3.

Zu schnell gewachsen

Vor vier Jahren schaffte der FC Iliria den Aufstieg in die Solothurner 2. Liga. Der Klub konnte sich im Oberhaus auf Anhieb etablieren. Die erste Saison in der höchsten Regionalliga endete auf dem achten Platz. Bereits im zweiten Jahr feierte der FC Iliria den Gewinn des Doubles. In der Liga setzte sich das damals noch von Perparim Redzepi trainierte Team mit einem Punkt Vorsprung vor Fulenbach durch. Den Cupfinal entschied Iliria im Penaltyschiessen gegen die Fulenbacher für sich.

Die Premieren-Saison in der 2. Liga inter lief indes nicht nach Wunsch. Die Konkurrenz in der Amateurliga war zu mächtig. In 26 Spielen schauten nur 6 Siege und 4 Unentschieden heraus. Mit 22 Punkten auf dem Konto und als Zweitletzter mussten die Solothurner den Rückzug in die 2. Liga antreten. Auch eine Stufe tiefer lief es plötzlich nicht mehr rund. Unter Trainer Xhevxhet Dullaj befand sich Iliria vergangene Saison lange Zeit im Abstiegskampf. Am Ende schaute nur der achte Platz heraus. Trotzdem ist es eine Erfolgsgeschichte, die der Klub in den letzten Jahren schrieb. Diese bringt laut Dedaj aber auch Nachteile: «Der Verein ist fast ein bisschen zu schnell gewachsen. Es fehlt das nötige Fundament.»

Ein halbes Gegentor pro Spiel

Dieses soll nun Schritt für Schritt aufgebaut werden. Dass der FC Iliria momentan an der Ligaspitze thront, überrascht ihn selbst ein bisschen. «Während der Vorbereitung waren jeweils kaum zehn Spieler im Training. Erst zwei, drei Tage vor dem Saisonstart waren wir komplett. Dass es trotzdem so schnell hinhaut, hätte ich nicht erwartet.» Als ehemaligen Torhüter frohlockt er, wenn er auf die Gegentore blickt. Nur fünf Treffer kassierte der FC Iliria in den bisherigen zehn Spielen. «Das freut mich natürlich speziell für unseren Goalie. Doch nicht nur er hat bislang sehr gut gearbeitet, die Verteidigungsarbeit beginnt schon ganz vorne im Angriff.»

Grundsätzlich sei Iliria aber gar nicht defensiv aufgestellt. «Wir passen unsere Taktik der Liga und den Stärken und Schwächen des Gegners an», erklärt Dedaj. Und dem eigenen Spielermaterial: «Zu Beginn der Saison waren wir konditionell noch nicht bereit. Dann kannst du natürlich kein Pressing aufziehen.» Nach dem 11:0-Heimsieg gegen die inferiore zweite Mannschaft des FC Olten am Sonntag stellt Iliria statistisch nun auch die beste Offensivabteilung der Liga.

Dies sollte der Konkurrenz Sorgen bereiten, denn Dedaj sieht sogar noch Steigerungspotenzial: «Wir haben sehr viele Chancen vergeben in fast jedem Match. Die Effizienz können wir sicher noch steigern.» Dafür bleibt dem Team in der Vorrunde noch ein Spiel. Nach dem spielfreien kommenden Wochenende trifft der FC Iliria am 27. Oktober noch auf den FC Bellach. «Sie haben ein grosses Potenzial und sind im Moment unter ihren Möglichkeiten klassiert», so Dedaj. «Es wird schwierig, gegen uns ist jeder Gegner zehn Prozent motivierter.»