Schiessen
Jan Lochbihler schiesst sich mit einem fremdem Gewehr zum Europa-Meistertitel

Mit einem grandiosen Schlussbouquet wartete Jan Lochbihler am Sonntag an den Junioren-EM in Bologna (It) auf. Der Gewehrschütze aus Holderbank krönte sich im Kleinkaliber-Dreistellungsmatch (50 m) zum Europameister.

Andreas Fretz
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Liess sich durch nichts aus der Ruhe bringen: Jan Lochbihler. pd

Liess sich durch nichts aus der Ruhe bringen: Jan Lochbihler. pd

Mit einem grandiosen Schlussbouquet wartete Jan Lochbihler gestern an den Junioren-EM in Bologna (It) auf. Der Gewehrschütze aus Holderbank krönte sich im Kleinkaliber-Dreistellungsmatch (50 m) zum Europameister. Lochbihler gewann nach einem dramatischen Final mit 0,3 Punkten Vorsprung auf den Russen Kirill Grigorjan. Es war die Reaktion eines wahren Champions. Denn beim Liegendmatch zwei Tage zuvor lief aus Sicht des Solothurners so ziemlich alles schief, was schief laufen kann. «Dieser Titel ist der goldene Abschluss meiner Junioren-Zeit. Die Goldmedaille in der Königsdisziplin habe ich mir gewünscht wie nichts anderes», sagte ein glücklicher Lochbihler, «es war eine Trotzreaktion nach dem missglückten Liegendmatch, und dennoch war es wichtig, ruhig und konzentriert zu bleiben.»

Mit Mischlers System und Munition

Als amtierender Vize-Europameister trat Lochbihler am Freitag zum Liegendmatch an – und musste sich mit Rang 49 und 574 Punkten begnügen. Da herrschte noch Frust und Enttäuschung. Was war geschehen? Nach 20 von 60 Wettkampfschüssen brach ein Teil am Gewehr des 20-Jährigen ab, das Laden des Sportgeräts war in der Folge unmöglich. Lochbihler ersetzte sein System (Lauf, Verschluss und Abzug) durch jenes von Nationalteam-Kollegin Jasmin Mischler und verwendete auch deren Munition. Wegen des Defekts erhielt er Probeschüsse und 20 Minuten mehr Zeit zur Verfügung. «Mit fremdem System und anderer Munition zu schiessen ist in etwa so, wie wenn Federer mit dem Schläger von Wawrinka spielen oder Cancellara auf ein fremdes Zeitfahr-Velo sitzen müsste», umschrieb Lochbihler das Malheur. Zu allem Unglück kamen auch noch Probleme mit dem neuen Abzug hinzu. Ein Wettkampf zum Vergessen.

Lochbihler hakte den Liegendmatch wie ein Routinier ab. Seinen wettkampffreien Samstag nutzte er, um sich an das nächste fremde Gewehr zu gewöhnen – diesmal jenes von Teamkollege Roberto May. «Ich habe mich für den Dreistellungsmatch gut einschiessen können», sagte Lochbihler, «somit konnte ich ohne Handicap in den Wettkampf.»

Und der Plattenleger liess allen Unbill der vergangenen Tage hinter sich und holte in der Königsdisziplin die vierte EM-Medaille für die Schweiz. Die erste aus Gold, nachdem es zuvor einmal Silber und zweimal Bronze gegeben hatte.

Nach neun Final-Schüssen waren der Schweizer und der Russe punktgleich, ehe Lochbihler mit einer 7,8 (!) das Gold in seinen Besitz brachte. Lochbihler totalisierte 1250,1 Punkte, Grigorjan 1249,8. Für das Mitglied der Sportschützen Balsthal ist es der zweite EM-Titel in einer Einzelkonkurrenz. 2008 hatte Lochbihler an den Junioren-EM schon Gold im Liegendmatch 50 m gewonnen.

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