Unihockey
Jan Binders Traum mutierte zum temporären Horror

Mittelland-Goalie Jan Binder gab am Samstag sein Debüt für die tschechische Nationalmannschaft. Gegen die Schweiz kassierte er allerdings gleich im ersten Spiel 16 Gegentreffer.

Tobias Schalk
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Jan Binder gilt im Tor bei Unihockey Mittelland als äusserst sicherer Rückhalt – gegen die Schweiz musste er jedoch 16 Gegentreffer einstecken.

Jan Binder gilt im Tor bei Unihockey Mittelland als äusserst sicherer Rückhalt – gegen die Schweiz musste er jedoch 16 Gegentreffer einstecken.

HR.Aeschbacher

«Mein Traum, der in Erfüllung ging, wurde fast ein wenig zu einem Horror», berichtet Jan Binder im Rückblick auf sein Debüt für die tschechische Nationalmannschaft. Der Traum, einmal für die Auswahl seines Vaterlandes aufzulaufen, erfüllte sich für Binder mit dem Aufgebot für die Euro Floorball Tour (EFT), welche jeweils im Frühling die Top-Nationen Finnland, Schweden, Schweiz und Tschechien zu einem Vierländerturnier vereint. Bereits im vergangenen Herbst hatte der 25-Jährige, der seit zwei Jahren das Tor von Unihockey Mittelland hütet, bei einem Trainingsweekend erstmals Nationalmannschaftsluft geschnuppert, am vergangenen Wochenende nun debütierte er für sein Heimatland.

Rückendeckung vom Trainer

Dieses Debüt feierte er ausgerechnet gegen den bestmöglichsten Gegner: Serien-Weltmeister Schweden. Gleich zu Beginn setzte es für Binder eine kalte Dusche ab. Vier Sekunden alt war die Partie, da musste er bereits zum ersten Mal hinter sich greifen, nachdem er einen verdeckten Distanzschuss hatte passieren lassen. In der Folge aber steigerte sich der Debütant, parierte unter anderem einen Penalty und wies am Ende bei der respektablen 3:7-Niederlage der Tschechen dank 40 Paraden eine Fangquote von 85,1 % auf – für internationale Verhältnisse ein sehr guter Wert. Der 1,96-Meter-Hüne vergleicht den Meisterschaftsalltag mit Mittelland in der NLB und das internationale Parkett und stellt fest: «Es ist wie eine andere Welt». Tempo und Intensität seien ungemein höher, was den Reiz ausmache. Mit seiner Leistung gegen das schwedische Star-Ensemble empfahl sich Binder für einen zweiten Auftritt, den er ausgerechnet gegen die Wahlheimat Schweiz geben konnte. In einem Spiel mit beidseits offenen Visieren kassierte die tschechische Auswahl eine kapitale 9:16-Pleite. Sechzehn Gegentreffer – zweifelsfrei eine vernichtende Bilanz für einen Torhüter, selbst im eher torreichen Unihockey, und für Binder die besagte horrorähnliche Erfahrung. Der Wahl-Oberbuchsiter zeigt sich zerknirscht: «Wir waren wirklich schlecht, begingen in der Defensive viele Fehler und auch ich habe einige Fehler gemacht», spart er nicht mit Selbstkritik. Trotzdem sei die Erfahrung mit der Mannschaft, in der ein toller Teamgeist herrsche, sowie dem hohen Niveau insgesamt «grossartig» gewesen und «ein grosser Ansporn» für kommende Aufgaben.

Wie seine Zukunft in der Nationalmannschaft aussieht, kann Binder nicht beurteilen, zumal die Konkurrenz im tschechischen Tor gross ist. Von Trainer Radim Cepek hat er noch keine direkte Rückmeldung erhalten, doch im Gespräch mit dem tschechischen Fachportal florbal.cz stärkt Cepek seinem Torhüter den Rücken und meint, dass Binder beim Debakel noch einer der besten gewesen sei. Um seine Chancen auf weitere Einsätze zu erhöhen, wurde ihm bereits vor längerer Zeit ein Wechsel in eine höhere Liga nahegelegt. Diese Meinung teilt auch Binder, doch erhielt er bis jetzt kein konkretes Angebot. So wird Binder vorerst weiterhin bei UM, wo er ein äusserst sicherer Rückhalt ist, das Tor hüten, und versuchen, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Freundin als Vorbild

Zusammen mit Clubkollege Adam Stegl und Freundin Kristyna Hornakova bildet Binder in Oberbuchsiten eine tschechische Unihockey-WG. Hornakova betreibt nicht nur denselben Sport, sondern spielt ebenfalls auf der Goalieposition, und dies nicht ohne Ambitionen. In der Meisterschaft beim NLA-Frauenteam der Bern Burgdorf Wizards, nahm sie jüngst an der EFT der Frauen teil. Ihre Gemütslage präsentierte sich nach dem zweitägigen Turnier in Wil nicht besser als bei ihrem Freund. Auch den tschechischen Frauen lief es mit drei Niederlagen nicht nach Wunsch. Im beziehungsinternen Duell hat Hornakova ihrem Freund allerdings etwas voraus: Sie zählt zum festen Stamm der Frauen-Auswahl. «Sie ist ganz einfach besser als ich», meint Binder schmunzelnd. Wenn das Paar in Zukunft die jeweiligen Goaliepositionen der tschechischen Auswahlen bekleiden möchte, ist also besonders Binder gefragt.