Der achte Aussenbandriss war der eine zu viel. Chantal Fimian, die zuletzt für die FC-Basel-Frauen kickte, kann und will nicht mehr weitermachen. 20-jährig beendet sie ihre Fussball-Karriere. Die Gründe für den aussergewöhnlich frühen Rücktritt sind rasch gefunden. «Mein Rhythmus in den letzten Jahren sah folgendermassen aus: Zwei Monate spielen, sechs Monate verletzt», erklärt Fimian. «Psychisch bereitete mir dieser Kreislauf je länger desto mehr Schwierigkeiten. Da ich mich ausbildungstechnisch neu orientiere, entschied ich mich jetzt, den Cut zu machen.» So nimmt Fimians Karriere, die ihren Anfang in Bettlach nahm, Zwischenstopps in Solothurn, Zuchwil und bei den Grasshoppers einlegte, und schliesslich bei den FCB Frauen gipfelte, ein abruptes Ende.

Schon vier Operationen

Chantal Fimian und Verletzungen – eine wahre Tragödie. Zwischen rechts und links abwechselnd, riss sich die ehemalige Fussballerin die Aussenbänder am Sprunggelenk je vier Mal. Insgesamt vier Operationen hatte Fimian durchzustehen. Auffällig ist, dass sie sich die meisten Verletzungen mit der Nachwuchs-Nati im Ausland zuzog. «Mir wurde vom Verein her immer gesagt, ich solle unbedingt gesund zurückkehren», erinnert sich Fimian. Leider gelang ihr dies nur selten. Die Art und Weise, wie sie verunfallte, hat sich munter abgewechselt. Manchmal mit gegnerischen Einwirkung, meistens jedoch ohne. Am kuriosesten war jener Bänderriss, den sie sich bei einem erfolgreichen Torschuss zuzog. Um die Verletzungen besser zu verstehen und zu verarbeiten, schrieb sie ihre Maturaarbeit unter dem Titel «Konservative Therapie eines Aussenbandrisses am Sprunggelenk.»

Aufgebot für die A-Nati

Ein Aufgebot für die A-Nationalmannschaft erhielt die Bettlacherin im Frühling. Diesem konnte sie allerdings – aufgrund ihrer Rekonvaleszenz – nicht Folge leisten. Dieser Fall zeigt ein weiteres Problem in der Laufbahn der Fussballerin auf. Bevor die Verletzungsserie einsetzte, kam die Offensiv-Spielerin mit der Rolle des Jahrzehnt-Talents problemlos zurecht. Doch nach den Verletzungen wurde ihr zu wenig Zeit für die Genesung gegeben. «Man erwartete immer mehr von mir, die Menschen konnten Fussball und Gesundheit nicht mehr trennen», gibt sie Einblick in ihr Dilemma.

Immer auf Ausbildung gesetzt

Parallel zur Spitzensport-Karriere absolvierte Fimian die Sportklasse des Solothurner Gymnasiums. Im Juni dieses Jahres erlangte sie die Maturität – mit Höchstnoten. Eigentlich unmöglich aufgrund des grossen Trainingsaufwandes, oder etwa nicht? «Ich habe meine Dinge immer erledigt und verfüge über ein gutes fotografisches Gedächtnis, folglich hatte ich keine Schwierigkeiten, die Prüfungen zu bestehen», erklärt sie. Dass sie neben ihrer Fussballkarriere gleichzeitig eine Ausbildung durchlaufen wird, war für Chantal Fimian von Beginn weg klar. Wie sich mit dem Beenden der Fussball-Laufbahn herausstellt, war dies Gold wert.

Konzentration auf Ausbildung

Im August begann die 20-Jährige an der pädagogischen Hochschule Basel die Ausbildung zur Sekundarstufe-1-Lehrerin. Sie entschied sich aufgrund fehlender vertieften Fragen dazu, das Lehramtsstudium zu beenden, und im Herbstsemester 2014 an der ETH Zürich studieren zu gehen. Umweltnaturwissenschaften lautet dort ihre neue «Taktikvorgabe». Bis dahin absolviert die Sportlerin ein Praktikum auf der Regionalsportredaktion der «Nordwestschweiz.»

Dem Joggen verschrieben

Ganz ohne Sport kann Fimian aber nicht sein. «Ich habe mich dem Joggen verschrieben. Dort bin ich auf mich alleine gestellt und kann mich besser auf meine Füsse konzentrieren.» Ihr Ziel ist aber nicht minder ambitiös: Einen Marathon zu Ende laufen. Und das komplett ohne die Motivation, einem runden Leder hinterherzujagen. Zu hoffen bleibt, dass Chantal Fimian mit dem Rücktritt als Fussballerin der Verletzungshexe ab sofort für immer aus dem Weg gehen kann.