ITF Future Trimbach
Eingangskontrollen, Fiebermessen und Fragebogen – so funktioniert Profitennis zu Coronazeiten

Keine Zuschauer, dafür Livestreams und Videointerviews: Die Organisatoren des «Peter Buser Open» in Trimbach haben keinen Aufwand gescheut, um trotz der Coronamassnahmen ein Profiturnier auf die Beine zu stellen.

Fabio Baranzini
Merken
Drucken
Teilen
Wer das ITF Future Turnier in Trimbach besuchen will, wird genau kontrolliert. «Die Zuschauer fehlen», sagt Turnierdirektor Marco Meyer.

Wer das ITF Future Turnier in Trimbach besuchen will, wird genau kontrolliert. «Die Zuschauer fehlen», sagt Turnierdirektor Marco Meyer.

Fabio Baranzini

Es ist das vierte Mal, dass in der Tennishalle Trimbach die Profis an einem ITF Future Turnier aufschlagen. Dieses Mal sind die Vorzeichen jedoch anders. Das «Peter Buser Open», das im Vorjahr wegen der Coronapandemie verschoben werden musste, wurde in diesem Jahr innerhalb von nur gerade vier Wochen aus dem Boden gestampft. Das definitive «Go» vom Solothurner Kantonsarzt gab’s gar erst vor drei Wochen.

Seit Montag kämpfen die Profis in Trimbach um wichtige Weltranglistenpunkte. In der Schweiz ist es das erste Profi-Tennisturnier nach dem zweiten Lockdown. Wie gehen die Organisatoren mit dieser besonderen Situation um? Und wie bewähren sich die Schutzkonzepte? Wir haben das Turnier diese Woche besucht und mit den Verantwortlichen gesprochen.

Rosa Steinmann gehört zum Trio, das für die Eingangskontrolle verantwortlich ist.

Rosa Steinmann gehört zum Trio, das für die Eingangskontrolle verantwortlich ist.

Fabio Baranzini

Eine grosse Entlastung

Wer die Tennishalle in Trimbach betritt, der kommt nicht an ihnen vorbei: Roland Dünner, Hugo Steinmann und seine Frau Rosa. Das Trio ist für die Eingangskontrolle zuständig. Und da wird einiges kontrolliert. Zuerst müssen Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer auf einem Tablet hinterlegt werden. Diese Daten werden dem internationalen Tennisverband übermittelt. Dann werden Fieber gemessen und die Hände desinfiziert. In einem dritten Schritt wird für jeden Besucher ein Badge erstellt – quasi die Zutrittsberechtigung. Und zu guter Letzt muss noch ein Fragebogen ausgefüllt werden, der über den aktuellen Gesundheitszustand Auskunft gibt.

Der Verantwortliche für die Einhaltung der Coronamassnahmen ist Roland Dünner. Mit dem Tennissport hat er eigentlich gar nichts am Hut. «Meine Frau ist dafür absolut tennis­verrückt», sagt Dünner lachend. Er selber ist Präsident des ­Pétanquevereins Trimbach und ist auch dort für die Corona-Schutzmassnahmen zuständig. Und so gelangte denn auch die Anfrage an ihn, ob er beim Profiturnier in Trimbach dieselbe Funktion einnehmen könnte. «Wir sind extrem froh, dass Roland zugesagt hat und diese wichtige Aufgabe übernimmt. Das ist eine riesige Entlastung für uns», freut sich Turnierdirektor Marco Meyer.

Die Zuschauer fehlen

Riesig ist aber nicht nur die Entlastung für die Turnierorganisatoren, sondern auch die Arbeit von Roland Dünner. In den letzten zwei Wochen hat er sich minutiös vorbereitet. Und auch jetzt während des Turniers sind er und seine beiden Helfer – die ebenfalls dem Pétanqueclub Trimbach angehören – im Dauereinsatz. «Wir sind die ersten, die morgens kommen und gehen erst mit den letzten Spielern. Unsere Einsätze dauern 12 bis 14 Stunden», erklärt Dünner.

Obwohl es während der ersten Tage ganz schön stressig war, haben Dünner und Co. die Sache im Griff. Und die Massnahmen haben sich bislang bewährt. «Aufgrund der Massnahmen ist es deutlich ruhiger hier in der Halle als bei früheren Ausgaben. Die Spieler dürfen alle nur eine Begleitperson mitnehmen und Zuschauer sind keine erlaubt», sagt Marco Meyer. Dass die Zuschauer fehlen, ist für die Verantwortlichen ein grosser Verlust.

«Ich arbeite jetzt seit zwei Jahren als Trainer hier in Trimbach und ich kenne viele, die sehr gerne als Zuschauer dabei gewesen wären. Gerade in diesem Jahr, wo wir extrem viele Schweizer im Hauptfeld haben – darunter auch vielversprechende Talente wie Leandro Riedi, Jérôme Kym und Dominic Stricker», sagt der ehemalige Profispieler Marco Chiudinelli, der als Vize-Turnierdirektor amtet und Marco Meyer mit seinem Know-how unterstützt.

Die Zukunft des Turniers ist noch ungewiss

Meyer bringt noch eine weitere Komponente ins Spiel, die wegen Corona auf der Strecke bleibt: die Sponsoren. «Wir hätten eigentlich jeden Abend einen Sponsorenevent geplant. Doch die fallen alle ins Wasser. Das ist schade, wenn wir den Matchballsponsoren, Gönnern und treuen Vereinsdonatoren die starken Schweizer Top-Junioren nicht zugänglich machen können.»

Seit Montag kämpfen die Spieler am ITF Future Trimbach um den Turniersieg. Der Final findet am Sonntag um 11 Uhr statt und wird wie alle Spiele via Livestream übertragen.

Seit Montag kämpfen die Spieler am ITF Future Trimbach um den Turniersieg. Der Final findet am Sonntag um 11 Uhr statt und wird wie alle Spiele via Livestream übertragen.

Fabio Baranzini

Doch die Trimbacher wissen sich zu helfen. Sie haben kurzerhand einen Livestream organisiert und Chiudinelli führt jeden Tag mehrere Videointerviews mit den Spielern. «So können wir die Leute am Turnier teilhaben lassen, obwohl sie nicht vor Ort dabei sein können», sagt er. Ausserdem steht das vom Namensgeber Peter Buser organisierte Abschlusskonzert nach dem Finale noch auf dem Programm – auch dieses ist allerdings nur via Livestream für die Öffentlichkeit zugänglich.

Der grosse Aufwand und die Coronamassnahmen dominieren. «Dabei müssten eigentlich die starken Schweizer Nachwuchstalente im Mittelpunkt stehen. Ob wir das Turnier unter diesen Umständen auch im nächsten Jahr durchführen können, ist noch nicht klar. Das müssen wir in Ruhe analysieren», sagt Marco Meyer.