Fussball

Ist da wirklich Besserung in Sicht in Grenchen?

Im Fokus: Trainer Patrick Bösch versucht beim FC Grechen den Überblick zu behalten.

Im Fokus: Trainer Patrick Bösch versucht beim FC Grechen den Überblick zu behalten.

In fünf Wochen beginnt die 1.-Liga-Rückrunde. Der Tabellenletzte FC Grenchen verfügt über genügend Spieler, aber über keine Mannschaft. Richten soll es Trainer Patrick Bösch.

Minus 4 Grad Celsius, Schnellfall. Böen peitschen über die Zehnder-Matte, den Kunstrasenplatz in Gränichen. Was so ähnlich klingt wie Grenchen, ist eine Gemeinde ausserhalb von Aarau. Hierher verirrt hat sich an diesem unwirtlichen Abend der FCG aus dem Kanton Solothurn. Elf Vorbereitungsspiele bestreitet der Erstligist bis zum Rückrundenstart Anfang März. Ausnahmslos alle auswärts. In Grenchen ticken die Uhren bekanntermassen anders. Die Naturrasenplätze sind gesperrt, und ein Kunstrasen, welcher die Problematik entschärft hätte, wurde vor einigen Jahren vom Souverän bachab geschickt.

18 Spieler bringt Patrick Bösch gegen die unterklassigen Aarauer bei der 2:3-Niederlage, notabene die dritte im dritten Spiel. Sechs von ihnen hat der Trainer vorher noch nie gesehen. Von Beratern und über sein eigenes Beziehungsnetz hat er die Namen erhalten. Trotz der Misere im Verein stehen Fussballer aller Couleur Schlange. Bösch hält eine einfache Erklärung für dieses Phänomen bereit. «Wir bieten ihnen hier eine Plattform, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Ich mache sie dazu körperlich und mental bereit.»

Spielerschwemme muss gesiebt werden

Der FC Grenchen ist in diesen Wochen – je nach Anschauungsweise – Catwalk oder Durchlauferhitzer. Zwischen 30 und 40 Spieler aus allen Ecken der Schweiz und Europas hat Bösch bisher getestet. Eine unfassbare Zahl. In diesem Menschengewusel verliert Bösch schon mal den Überblick. «Christian ... nein, äh, wie heisst der dort drüben schon wieder», stupft er Renato Brun und kann sich ein herzhaftes Lachen nicht verkneifen. «Boris!», antwortet der Assistent und Sportchef.

Wie soll das um Himmels willen funktionieren? Wie will Bösch innerhalb von wenigen Wochen eine schlagkräftige Mannschaft formen, die nichts kosten darf und gleichzeitig konkurrenzfähig sein soll? Wie viel Geld er zur Verfügung hat, weiss er entweder selber nicht, oder er weicht geschickt aus. Nur so viel: Es gibt anscheinend eine Handvoll Leute, die bereit sind, losgelöst vom Klub-Budget sich zu engagieren. Ansonsten könnten Bösch und seine Kollegen das Unterfangen Ligaerhalt gleich abblasen. Das finanzielle Korsett ist eng. Die Spieler erhalten Fahrspesen und eine Punkteprämie. 100 Franken pro Zähler.

Im grossen Schatten der Historie

Bis vor kurzem dachten die Menschen in Grenchen wohl, sie hätten mit ihrem FCG schon alle sportlichen Höhen und Tiefen erlebt. 1959 der Cupsieg. Später machte der grosse «Tschik» Cajkovski als Trainer im Stadion Brühl seine Aufwartung. Der legendäre Otto Pfister trug ebenso das blau-weisse-Trikot, wie Franz Beckenbauers Sohn Stephan. Der Klub zog auf magische Weise aber auch immer wieder windige Investoren an. Das war beispielsweise 1995 unter dem damaligen Trainer Jochen Dries so und das war im vergangenen Jahr mit den angeblichen Geldgebern aus Frankreich nicht anders. Was soll man von der jetzigen Führung halten? Gelingt es ihr, das verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen? Zugegeben: Nach all den Eskapaden, nach all den Verwerfungen und Versprechen steht das Management, wie es sich nennt, zwar nicht unter Generalverdacht, aber unter genauerer Beobachtung.

Patrick Bösch sagt, für ihn sei die Situation nicht neu. Bei einem anderen Traditionsklub, dem FC Nordstern Basel, fand er zuletzt ähnliche Verhältnisse vor, bis es ihm zu viel wurde. Bösch der Krisenmanager, der Hans Dampf in allen Gassen. Fast scheint es so. Der 44-Jährige ist Inhaber von zwei Firmen. Eine ist auf Immobilien spezialisiert, die andere produziert Sekt für die gehobene Gastronomie. Daneben hat er drei Kinder und wird in Kürze zum vierten Mal Vater. Wie um Himmels willen bringt dieser Mann das alles unter einen Hut? Es ist ein ähnliches Rätsel wie jenes um die Zukunft des FC Grenchen.

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