Unihockey
Innerhalb von 105 Sekunden schoss sich Wiler auf die Siegstrasse

Wiler-Ersigen ist die Reaktion auf die 4:6-Niederlage 24 Stunden zuvor gegen Rychenberg Winterthur gelungen. Doch beim 6:3-Auswärtserfolg sah es lange Zeit nach einer erneuten Niederlage für den Meister aus.

Michael Schenk, René Bachmann
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Christoph (l.) und Matthias Hofbauer können jubeln.

Christoph (l.) und Matthias Hofbauer können jubeln.

Hans Ulrich Muelchi

Das Ziel des SV Wiler-Ersigen für Spiel drei der Playoff-Viertelfinalserie gegen Rychenberg Winterthur war klar: Der Meister wollte es tunlichst vermeiden, nach der postweihnachtlichen Bescherung, mit der er seinen Rivalen 24 Stunden zuvor in Form der 4:6-Niederlage grosszügig beschenkt hatte, die Halle erneut als «ewiger Samichlaus» zu verlassen. Wiler-Coach Heikki Luukkonen hatte es nach dem 4:6 gesagt: «Jedes Tor, das wir Winterthur zugestanden haben, war ein Geschenk von uns.» Insofern hielt Captain Matthias Hofbauer fest: «Wir wollten gestern kämpferisch präsenter sein.» Vorderhand jedoch ein frommer Wunsch.

Spiel drei begann genauso, wie Spiel zwei geendet hatte. Rychenberg war klar dominanter. Erst recht, als Grunder und Kern die Einheimischen bereits nach gut vier Minuten mit 2:0 in Führung gebracht hatten. Ein Doppelschlag, den Kabarettist Franz Hohler à la «Totemügerli» hinsichtlich dem, was in der Folge passierte, so beschrieben hätte: «U däm Wiler sie di zwe Chräze i d Chnöde glöötet wie bschüttigs Chrüzimääl dure Chätschäbertrog.» Für Nicht-Berner heisst das frei übersetzt in etwa: «Und diese beiden Tore sind Wiler derart heftig die Knochen gefahren wie ein Blitz, der im Tannenbaum einschlägt.»

Viel zu bestellen hatten die Favoriten in der Folge nicht mehr. «Für uns mit unserem Kombinationsspiel war es nicht einfach, den Tritt zu finden, weil wir auf diesem hellen Hallenboden Mühe hatten mit dem Distanzgefühl», hielt Matthias Hofbauer fest. Dies soll indes keine Ausrede sein – höchstens eine Begründung. Auf jeden Fall wurde das Spiel von Wiler tendenziell kompliziert, schwerfällig – umständlich gar. Und wenn sich doch eine Chance bot, versiebten bis zu diesem Zeitpunkt selbst die Routiniers. Das 3:0 durch Kern war die logische Konsequenz.

Dann freilich erzielte der Meister nach 28 Minuten und 56 Sekunden mehr oder weniger wie der Blitz aus heiterem Himmel den ersten Treffer für die Gäste. Beflügelt ob diesem Tor doppelte und trippelte Wiler im Sekundentakt nach. Innerhalb von 105 Sekunden stand es so plötzlich 3:3. «Uns haben diese drei Tore beflügelt, dem Gegner haben sie deutlich Energie genommen», sagte Hofbauer. Mit dem 3:3 ging es auch in die finale Phase. Einer umkämpften letzten Periode, in der schliesslich die Routiniers Fankhauser und Matthias Hofbauer den Ausschlag gaben. Letzterer: «Erstens sind wir dafür da, in solchen Phasen da zu sein, und zweitens ist unser Siegeswille eine Stärke von uns.» Am Wochenende geht die Serie mit zwei Spielen in Zuchwil weiter. «Wenn wir parat sind, auch auf unkonventionelle Chancen, die sich aus dem Spiel von Rychenberg ergeben, zu reagieren und sie zu nutzen, denke ich, sieht es zusammen mit dem Heimvorteil gut aus für uns», hält Wiler-Captain Matthias Hofbauer fest. Dem ist definitiv so.

HC Rychenberg Winterthur - SV Wiler-Ersigen 6:4 (2:0, 1:3, 3:1)
Sporthalle Oberseen, Winterthur
Schiedsrichter: Thomas Baumgartner/Thomas Kläsi
640 Zuschauer
Rychenberg: Pascal Meier; Johannes Hartmann, Mikael Lax; Jukka-Pekka Kinnunen, Marc Huber; Sacha Dolski; Mikko Hautaniemi, Benjamin Borth, Moritz Schaub; Pascal Kern, Niklaus Gassmann, Michel Schwerzmann; Mikko Jolma, Lukas Grunder, Felix Buff.
Wiler: Samuel Zimmermann; Michael Garnier, Simon Bichsel; Olivier Hirschi, Dave Wittwer; Samuel Nussbächer (21. Kaspar Schmocker), Thomas Bieber; Christoph Hofbauer, Matthias Hofbauer, Philipp Fankhauser; Kevin Steffen, Roger Gerber, Nicolas Berlinger; Simon Flühmann, Adrian Zimmermann, Lukas Meister.
Tore: 7. Gassmann (Kern) 1:0. 11. Hautaniemi (Borth) 2:0. 21. Christoph Hofbauer (Garnier) 2:1. 34. (33:22) Christoph Hofbauer (Gerber; Ausschluss Lax) 2:2. 34. (33:58) Lax (Borth) 3:2. 36. Matthias Hofbauer (Christoph Hofbauer) 3:3. 46. Schwerzmann (Kern) 4:3. 49. Schwerzmann (Kinnunen; Ausschlüsse Lax und Christoph Hofbauer) 5:3. 53. Kern (Schwerzmann) 6:3. 54. Bichsel (Matthias Hofbauer) 6:4.
Strafen: 3x2 Minuten gegen Rychenberg (33./48./59. Lax), 3x2 Minuten gegen Wiler (48./59. Christoph Hofbauer, 57. Matthias Hofbauer).
Bemerkungen: Rychenberg ohne Thomas Näf (verletzt), Marco Carrara, Dominik Langenegger, Tobias Meister und Raphael Studer (alle Ersatz). Sacha Dolski (angeschlagen) nur mit Einsätzen in Unterzahl. Wiler ohne Esa Jussila, Daniel Streit (beide verletzt) und Rafael Wolf. Rychenberg durchgehend mit zwei Verteidigungspaaren und drei Sturmlinien. Wiler mit drei, in der Schlussphase mit zwei Linien. 40. Lattenschuss Kinnunen. 58:39 Timeout Wiler. Wiler danach mehrheitlich mit einem zusätzlichen Feldspieler anstelle des Torhüters. Kern und Christoph Hofbauer als beste Spieler ihrer Mannschaft ausgezeichnet. Ansprechende Leistung der Schiedsrichter.
HC Rychenberg Winterthur - SV Wiler-Ersigen 3:6 (3:0, 0:3, 0:3)
Sporthalle Oberseen, Winterthur
Schiedsrichter: Roland Kaiser/Patrik Meier
680 Zuschauer
Rychenberg: Pascal Meier; Johannes Hartmann, Mikael Lax; Jukka-Pekka Kinnunen, Marc Huber; Mikko Hautaniemi, Benjamin Borth, Moritz Schaub; Pascal Kern, Niklaus Gassmann, Michel Schwerzmann; Mikko Jolma, Lukas Grunder, Felix Buff; Sacha Dolski.
Wiler: Samuel Zimmermann; Michael Garnier, Simon Bichsel; Thomas Bieber, Dave Wittwer; Samuel Nussbächer, Kaspar Schmocker; Christoph Hofbauer, Matthias Hofbauer, Philipp Fankhauser; Adrian Zimmermann, Roger Gerber, Nicolas Berlinger; Simon Flühmann, Lukas Meister, Rafael Wolf (21. Matthias Gloor); Kevin Steffen.
Tore: 3. Grunder (Jolma) 1:0. 5. Kern (Schwerzmann) 2:0. 15. Kern (Schwerzmann) 3:0. 29. Meister (Flühmann) 3:1. 31. (30:19) Berlinger (Steffen) 3:2. 31. (30:42) Matthias Hofbauer (Bichsel) 3:3. 54. Fankhauser (Matthias Hofbauer) 3:4. 57. Fankhauser (Matthias Hofbauer) 3:5. 60. (59:41) Meister (ins leere Tor) 3:6.
Strafen: 2x2 Minuten gegen Rychenberg (16. Jolma, 38. Huber), 1x2 Minuten gegen Wiler (20. Wittwer).
Bemerkungen: Rychenberg ohne Thomas Näf (verletzt), Marco Carrara, Dominik Langenegger, Tobias Meister und Raphael Studer (alle Ersatz). Sacha Dolski (angeschlagen) nur mit Einsätzen in Unterzahl. Wiler ohne Esa Jussila, Daniel Streit (beide verletzt) und Olivier Hirschi (Ersatz). Rychenberg durchgehend mit zwei Verteidigungspaaren und drei Sturmlinien. Wiler mit drei Linien. 58:21 Timeout Rychenberg. Rychenberg danach mehrheitlich mit einem zusätzlichen Feldspieler anstelle des Torhüters. Meier und Meister als beste Spieler ihrer Mannschaft ausgezeichnet.
Resultate Viertelfinal-Playoffs, 2./3. Spiel: HC Rychenberg Winterthur - SV Wiler-Ersigen 6:4 und ... (Stand: 1:1). UHC Grünenmatt Sumiswald - UHC Alligator Malans 5:7 und ... (0:2). Grasshopper-Club Zürich - Chur Unihockey 6:1 und 8:2 (3:0). Unihockey Tigers Langnau - Floorball Köniz 4:7 und 9:4 (1:2).
Resultate Playouts, 1. Spiel: Unihockey Mittelland - UHC Uster 4:7 (Stand 0:1). UHC Waldkirch-St. Gallen - Kloten-Bülach Jets 10:5 (Stand 1:0).