Inlinehockey
In ungewohnter Rolle: Der HC Laupersdorf greift im Playoff-Halbfinal gegen Embrach als Aussenseiter an

Der HC Laupersdorf trifft im Playoff-Halbfinal auf Qualifikationssieger IHC Keyplayers Embrach – als Aussenseiter gilt es mit Diego Schwarzenbach im Team eine offene Rechnung zu begleichen.

Silvan Hartmann
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Das grosse Halbfinal-Duell: Laupendorfs Andi Zehnder (rechts) versucht während des Qualifikationsspiels Embrachs Torhüter zu bezwingen.

Das grosse Halbfinal-Duell: Laupendorfs Andi Zehnder (rechts) versucht während des Qualifikationsspiels Embrachs Torhüter zu bezwingen.

Archiv/Remo Fröhlicher

5:2-Sieg, 2:4-Niederlage. Das sind die Direktduell-Resultate aus der Qualifikation zwischen dem HC Laupersdorf und dem Inlinehockeyclub (IHC) Keyplayers Embrach. Die beiden Ergebnisse würden die Thaler für das anstehende Halbfinal wohl gerne übertragen. Denn wer aus dem Hin- und Rückspiel (Samstag, 20 Uhr im Kleinholz in Olten sowie Sonntag, 15 Uhr in Effretikon) in der Summe das bessere Torverhältnis aufweist, steht im Final.

Noch will man in Laupersdorf nicht so weit denken. Denn der HCL geht am Wochenende in völlig ungewohnter Rolle auf die Rollen: Nachdem die Thaler in den letzten sechs Saisons jeweils souverän die Qualifikation gewannen, musste man heuer gar bis zum Ende der Qualifikation um die Playoff-Teilnahme zittern. In einer durchzogenen Saison sicherte sich Laupersdorf aus 14 Spielen magere 20 Punkte.

Insbesondere in der Schlussphase, in welcher man sogar gegen die Playoutteilnehmer Zug-Freiamt und Thurgau Punkte liegen liess, erwies sich der HCL als zu wenig konstant. Man bekam durch die Saison hinweg vor allem zu spüren, dass beinahe ein kompletter Block voller Leistungsträger ausgefallen oder kürzergetreten ist.

Michael Gerber, Spielertrainer HC Laupersdorf «Wir haben gelernt, zu beissen und für jeden Punkt, ja jedes einzelne Tor, hart zu kämpfen.»

Michael Gerber, Spielertrainer HC Laupersdorf «Wir haben gelernt, zu beissen und für jeden Punkt, ja jedes einzelne Tor, hart zu kämpfen.»

Zur Verfügung gestellt

Schliesslich hat der HCL trotzdem mit Platz 4 bewiesen, dass nach wie vor viel Qualität in der NLA-Mannschaft vorhanden ist. Die Stimmung im Team stimmt: «Wir haben gelernt, zu beissen und für jeden Punkt, ja jedes einzelne Tor, hart zu kämpfen. Es ist gut, zu erfahren, dass die Qualifikation kein Selbstläufer ist», sagt Spielertrainer Michael Gerber. Das sagt einer, der im Amateursport schon viel Erfahrung gesammelt hat. Schliesslich konnte Laupersdorf jeweils als haushoher Favorit aus den letzten sechs Meisterschaften nur einmal in der entscheidenden Schlussphase reüssieren und den Meistertitel (2015) holen.

Nun nimmt man als Langzeit-Qualifikationssieger plötzlich die Aussenseiterrolle ein und trifft auf Embrach. Gerber sieht den diesjährigen Qualifikationssieger als grosser Favorit: «Es wird enorm schwierig. Aber es kann uns nur guttun, auch mal diese andere Seite zu erfahren.» Ein Erfolg im Halbfinalduell, das zweifellos Derbycharakter trägt, wäre für die Laupersdorfer mehr als bloss eine Genugtuung wert. Denn Embrach stoppte Laupersdorfs Höhenflug im letztjährigen NLA-Playofffinal, sodass das angestrebte Saisonziel, den Meistertitel, einmal mehr verpasst wurde: «Das ist sicher: Wir haben noch eine offene Rechnung zu begleichen», bestätigt Michael Gerber schmunzelnd.

Diego Schwarzenbachs Präsenz

Rückkehrer Diego Schwarzenbach «Ich hatte den Spass am Hockey verloren und wollte eine Auszeit.»

Rückkehrer Diego Schwarzenbach «Ich hatte den Spass am Hockey verloren und wollte eine Auszeit.»

Hans Ulrich Mülchi

Im bedeutungsvollen Saisonendspurt darf das NLA-Team auf Diego Schwarzenbach zählen, der sich doch noch dazu entschloss, nach einer misslungenen EHCO-Saison für sein Heimteam aufzulaufen. «Ich hatte den Spass am Hockey verloren und wollte eine Auszeit. Mit dieser wollte ich das Gefühl provozieren, dass ich eigentlich nach wie vor gerne Hockey spiele und ich es auch vermisse», erklärt Diego Schwarzenbach.

Er tat es. Nach einigen Inlinehockey-Spielbesuchen seiner Jugendfreunde raffte er sich auf und spielt nun zur Freude der Mannschaft die Schlussphase doch noch mit: «Ob er spielt oder nicht: Diego ist einer von uns – ein aussergewöhnlicher Mensch und Hockeyspieler. Sitzt er in der Garderobe, strahlt er eine Lockerheit aus, von der sich alle anstecken lassen. Spielt er, ist jeder freier und gelöster im Kopf», hat Spielertrainer Michael Gerber nur positive Worte für seinen Profi-Eishockeyspieler – und ergänzt lobend: «Diego bringt zudem ein Verständnis für das Hockeyspiel mit sich, das man selten sieht.»

Kurz: Gerade rechtzeitig erhält der HC Laupersdorf die notwendige Verstärkung. In den beiden Abschlussspielen der Qualifikation steuerte Schwarzenbach, der derzeit nach seinem EHCO-Abgang nebst dem Krafttraining bereits zwei Mal pro Woche mit La Chaux-de-Fonds wieder auf dem Eis trainiert, beachtliche zwei Treffer und drei Assists bei.

Ob Schwarzenbach seinen Heimklub in den Final schiesst? «Ich hoffe es», sagt es und hält fest, dass dennoch der Spass im Vordergrund stehe: «Diesen habe ich bei meinen Kollegen wieder gefunden», sagt er. Und mit dem Spass auch den Erfolg?