Am Samstag siegte (Noch-)Trainer Juan Castro im letzten Saisonspiel gegen den FC Dulliken mit 1:0. Sein FC Wangen b. Olten beendete die Meisterschaft in der 2. Liga inter auf dem 9. Platz. Laut Castro ein grosser Erfolg, stand der Verein nach dem Abstieg aus der 1. Liga doch vor einem Scherbenhausen im letzten Sommer. «Es waren keine Spieler mehr da. Mit viel Willen und Aufwand brachten wir trotzdem eine schlagkräftige Mannschaft zusammen.» Das Risiko, auf teilweise sehr unerfahrene Spieler zu setzen, habe sich ausbezahlt.

Nach Dulliken und Olten war der FC Wangen b. Olten die dritte Trainerstation des 39-jährigen Spaniers. Beim FCW lancierte er mit fünf Jahren seine Aktivkarriere. Als knapp 16-Jähriger schaffte er den Sprung in die erste Mannschaft, mit der er in die 1. Liga aufstieg.

In der Folge war er einer der ersten Spieler, die in den Genuss der Fussballschule des FC Basel kamen. Castros Zimmer-Kumpel war Alex Frei, welcher heute Rekordtorschütze der Schweizer Nati ist. Mit der U21 des FCB wurde Castro Schweizer Meister. Doch, anstatt einen Profi-Vertrag zu bekommen, musste er wie viele andere den Klub verlassen.»

Zu wenig aus Potenzial gemacht

«Der FCB erlebte damals schwierige Jahre. Ich hätte wohl in die Challenge League gehen können, liess mich aber zur Rückkehr zum FC Wangen überreden», blickt Castro zurück. Ab diesem Moment setzte er nicht mehr zu hundert Prozent auf die Karte Fussball. Um sich für die Zukunft abzusichern, absolvierte er die Handelsschule. «Ich bin Sohn eines Immigranten. Meine Eltern ‹chrampften› und ich wollte nicht, dass sie für mich weiter Geld ausgeben.» Irgendwann habe er dann auch noch den Ausgang für sich entdeckt, womit sich die Prioritäten weiter verschoben.

Er sei ein klassischer Zehner gewesen, Technik und Übersicht die grossen Stärken, sagt Castro über sich. «Ich war aber immer auch etwas faul und habe sicher zu wenig aus meinem Potenzial gemacht, das höre ich auch heute noch immer wieder», gibt er zu und fügt an: «Rückgängig machen kann ich es nicht mehr.»

Während es Castros ehemaliger Zimmer-Kumpel Frei über den Umweg Thun, Luzern und Servette zum Torschützenkönig der französischen Liga schaffte, dann in der Bundesliga beim BVB spielte und schliesslich nach der Rückkehr nach Basel glorreiche Jahre erlebte, kickte Castro noch für Olten, Zofingen, Langenthal und Trimbach.

Trainer mit Hang zum Sportchef

Mit dem FC Trimbach stieg er zum Ende seiner Aktivkarriere noch einmal in die 2. Liga auf und lancierte gleichzeitig seine Trainerkarriere. Von den C-Junioren des FC Trimbach wechselte er auf die Saison 2009/10 zum FC Dulliken als Assistenztrainer. Nach dem Abgang des Cheftrainers übernahm er für die letzten fünf Saisonspiele die volle Verantwortung über die Ey-Elf.

Mit fünf Siegen schaffte er mit dem Team den Aufstieg in die 2. Liga inter. Am Ende der nächsten Saison folgte indes der direkte Wiederabstieg. Der zu erwarten war, so Castro: «Dulliken hatte damals sehr beschränkte Mittel. Es waren etwa acht einheimische Spieler im Team.»

«Ich wollte etwas Nachhaltiges aufbauen, die anderen leider nicht.»

Castro verliess den Niederämter Klub und legte wegen seines neuen Arbeitsortes in Zürich eine Pause ein. Bis der FC Wangen bei Olten 2012 einen Sportchef brauchte. «Ich musste sehr kurzfristig eine ganz neue Mannschaft zusammenstellen. Mit Edvaldo Della Casa holte ich zudem einen jungen Trainer.»

Es ging auf. Die Wangner beendeten die Saison auf dem 5. Platz in der 1. Liga, das erfolgreichste Abschneiden seit langer Zeit. «Danach kamen neue Leute in den Verein, mit denen ich nicht mehr gleicher Meinung war», begründet er seinen nächsten Absprung. «Ich wollte etwas Nachhaltiges aufbauen, die anderen leider nicht.»

Ein viel diskutierter Wechsel

Nach einer neuerlichen Pause nahm er 2016 die Anfrage des FC Olten an. Er wohnte mittlerweile in Olten und kannte schon einige Spieler des Teams, begründet er. Wenige Partien vor dem Ende der Saison, der Nicht-Abstieg in der 2. Liga inter war bereits gesichert, trennten sich die Wege. Nicht ohne Polemik: Castro hätte beim Stadtklub bereits verlängert, sich dann aber doch für die Rückkehr zu seinem Stammklub FC Wangen b. Olten entschieden, hiess es. Jetzt stellt er klar: «Fakt ist, ich hatte nie einen unterschriftsreifen Vertrag vor mir. Der FC Olten hat es einfach verschlafen. Im Fussball geht es dann halt manchmal sehr schnell.»

Castro kennt also die drei momentanen 2.-Liga-inter-Klubs der Region Olten genau. «Der FC Wangen bei Olten ist ab jetzt der Ferrari, der FC Olten ein Polo und Dulliken ein Trabi», dies sein nicht ganz ernst gemeinter Vergleich. Der FC Olten müsste als Stadtklub und wegen der Infrastruktur eigentlich in der 1. Liga spielen, sagt er. «Ich weiss gar nicht so recht, wo dort die Leichen vergraben sind. Aber auf jeden Fall ist der Vorstand zu wenig breit aufgestellt. Das macht es natürlich schwierig. Ich fühlte mich auch nie richtig akzeptiert beim FC Olten, ausser bei den Spielern.»

Klare Sympathien für den FC Wangen b. Olten

Die Dulliker müssen nach dem Abgang von Roland Gruner hoffen, dass sie eine Mannschaft zusammenbringen für die nächste Saison. Ein Neuanfang sei unumgänglich. «Der FC Wangen ist der FC Wangen, jeder in der Schweiz kennt den Klub», drücken Castros Sympathien klar durch.

Logisch, dass er seinem Herzensklub auch die beste Zukunft prophezeit. Insbesondere weil er bis zu seinem Abflug Richtung Spanien das Kader für seinen Nachfolger zusammenstellen wird. Wobei es sehr wenige Mutationen geben wird. «Ich habe eine Luxussituation. Das bin ich mir gar nicht gewohnt», so Castro lachend. Nach aktuellem Stand werden den FCW drei Spieler Richtung höhere Liga verlassen, vier bis fünf aus der Region sollen zum Team stossen.

Kreis hat sich geschlossen

Auch der neue Übungsleiter auf der Chrüzmatt soll noch diese Woche vorgestellt werden. Juan Castro wird spätestens im August in seine Heimat auswandern. In Barcelona wartet auf den fanatischen Real-Madrid-Anhänger eine neue berufliche Herausforderung. Geht diese Kombination überhaupt? Castro meint ja.

Er hasse zwar den Klub um Lionel Messi und Co., aber: «Barcelona ist meine Lieblingsstadt. Der mediterrane Touch bedeutet für mich Lebensqualität. Im Sommer ist es zwar heiss, aber meistens herrscht eine angenehmen Brise. Madrid dagegen ist im Sommer kaum auszuhalten.»

«Schön, dass ich meinen Stammverein vor dem Abstieg in die 2. Liga bewahren konnte.»

Zuerst Spieler, dann Sportchef und schliesslich noch Trainer. Für Castro hat sich der Kreis beim FC Wangen bei Olten geschlossen. «Es ist schön, dass ich meinen Stammverein in der letzten Saison vor dem Abstieg in die 2. Liga bewahren konnte.»

Anfangs werde er die Resultate der 2. Liga inter auch in Spanien genau mitverfolgen, meint er. Danach werde er wohl allmählich das Interesse verlieren und sich auf die eigenen Herausforderungen fokussieren. Am meisten vermissen werde er seine Freunde. Den Verwandten, vor allem seinen Eltern, die in Galicien leben, kommt er dagegen mit der Auswanderung ein Stück näher. Bei ihnen wird er vor seinem Neustart in Barcelona noch «zwei, drei Wochen ausspannen».