Zwei Monate vor dem olympischen Rennen finden die kontinentalen Titelkämpfe bei den Topstars der Szene wenig Beachtung. Auf ihrem Radar leuchtet längst der 12. August auf. An diesem Tag kämpfen die Mountainbiker in London um den Medaillensatz. «Im Jahr der Olympiade fristen die Europameisterschaften traditionell ein stiefmütterliches Dasein», bedauert Beat Stirnemann den Stellenwert der Veranstaltung.

Für den Nationaltrainer selbst ist indessen eine der letzten Gelegenheiten, sich international zu präsentierten. Stirnemanns Vertrag wurde von Swiss Cycling nicht mehr verlängert und endet nach den Olympischen Spielen.

Von den Schweizer Männer-Assen, die in London an den Start gehen werden, ist nur Ralph Näf in die russische Metropole gereist. Nino Schurter und Florian Vogel verzichten auf eine Teilnahme. Das Gleiche gilt für den Leimiswiler Lukas Flückiger, der die Qualifikation für die Olympischen Spiele verpasste und eine Trainingsphase bis zu den nächsten Weltcuprennen in Übersee eingelegt hat. Moskau fern bleibt auch Nathalie Schneitter. Die Lommiswilerin kuriert ihren Oberarmbruch aus, den sie sich beim letzten Weltcupeinsatz in La Bresse (Fr) zugezogen hatte.

Der beschwerliche Weg zurück

Die lokalen Farben vertreten in Russland Mathias Flückiger und Lukas Loretz bei den U23. Beide blicken auf ein schwieriges Jahr zurück. Für Flückiger verlief die erste Saison als Profi nicht nach Wunsch. «Ich habe in meinen Planungen ein paar Fehler gemacht», stellt der 23-Jährige aus Ochlenberg selbstkritisch fest. Der U23-Weltmeister von 2010 setzte sich zu stark unter Druck und blockierte dadurch mental.

Erschwerend hinzu kam die Kollision mit einem Auto, bei der Flückiger eine Gehirnerschütterung erlitten hatte. «Für Mathias geht es darum, wieder Selbstvertrauen zu tanken», sagt Beat Stirnemann. Eine Platzierung zwischen den Rängen 5 bis 10 an der EM würde der Nationaltrainer als positives Zeichen werten. Flückiger selber gewinnt der schwierigen Zeit auch etwas Gutes ab. «Für mich ist Moskau sozusagen ein Neuanfang und gewissermassen der Startschuss für die Olympischen Spiele in vier Jahren in Rio.»

Loretz noch mit Rückstand

Blickt man auf die Resultate, dann kann auch Lukas Loretz mit dem bisherigen Abschneiden nicht zufrieden sein. Der Langendorfer bewegte sich an den grossen Rennen zwischen den Plätzen 20 und 30. Zu wenig, für einen, der vor drei Jahren noch der stärkste seines Jahrganges war. Erklärungen für die mässigen Ergebnisse gibt es freilich auch beim 22-jährigen Langendorfer. Nach Lehrabschluss, Matura und einem Auslandaufenthalt ist Loretz daran, sich wieder an die Spitze heranzutasten. Beat Stirnemann hofft, dass er in der kommenden Saison, seinem letzten Jahr als U23-Fahrer, die entstandene Lücke wieder schliessen kann. «Für eine Top-Klassierung an der EM ist es vermutlich noch zu früh», glaubt Stirnemann. Dem pflichtet Loretz bei. Er hofft auf eine Rangierung unter den besten 15.