Schwimmen

Im Mut, die Spitze zu fördern, liegt viel Glanz

Carla Stampfli gewann für die Swim Regio Solothurn drei Meisterschafts-Medaillen. keystone

Carla Stampfli gewann für die Swim Regio Solothurn drei Meisterschafts-Medaillen. keystone

Das Modell der Swim Regio Solothurn zeigt, dass es sich lohnt, sich gezielt für die Besten einzusetzen.

Die Schweiz ist ein Land, das die Kultivierung von Stars nicht mag. Schliesslich sind wir von einer Konkordanz-Regierung regierte Eidgenossen und neutral. Die Elite speziell zu «feiern» oder gar fördern ist vielen, vor allem Behörden, suspekt. Es könnte ja polarisieren ...

Wie in anderen Bereichen ist diese antielitäre Positionierung in «Grau in Grau» auch im Sport der Leistungsentwicklung nicht wirklich förderlich. Selbst wenn zunehmend Bestrebungen Richtung Kaderschmieden erkennbar sind.

Noch immer indes gibt es rudelweise Beispiele im helvetischen Sport, wo sich lieber vier, fünf, sechs Vereine auf engstem Raum abmühen, statt die Besten zu vereinen und abzufeiern. Nicht so im Solothurner Schwimmsport; selbst wenn es hier nicht um Stars, aber immerhin um die Besten der Besseren geht.

Freilich bedurfte es auch hier einer langen Vorlaufzeit bis zum Ist-Zustand. Bis also dieser oder jener bereit war, die eine oder andere Tradition auf dem Altar der Leistungsoptimierung zu opfern. Seit gut einem Jahr jedoch bilden jetzt die besten Schwimmerinnen und Schwimmer aus Gerlafingen, Grenchen und Solothurn die Swim Regio Solothurn (SRSO). Durch die «Fusion» ist die Zahl von Solothurner Medaillen an Zentralschweizer- und Schweizer Meisterschaften seither merklich gestiegen.

Zuletzt waren es an der Kurzbahn-SM in Lausanne zwei silberne und eine bronzene durch Rückenspezialistin Carla Stampfli (s. Box).

Betroffene sind zufrieden

«Wir sind eine grosse Gruppe, das motiviert schon», sagt etwa die 15-jährige Valeria Lavieri. Die Bettlacher Wirtschaftsgymnasiastin ist Stammmitglied des SV Blue Star Grenchen. «Dank dem Regio Team können wir Staffeln schwimmen», sagt sie. Staffeln wohlverstanden, die nationale Richtwerte erfüllen.

Ähnlich tönt es bei der ebenfalls 15-jährigen Sarah Zurflüh: «Früher konnte ich fast nie Staffeln schwimmen, obwohl ich das gerne getan hätte. Jetzt geht das super.» Zurflühs Stammverein ist Solothurn. Staffel- und Vereinsmeisterschafts-Einsätze sind für viele Spitzenschwimmer absolute Karriere-Höhepunkte. Crawl-Spezialistin Tanja Züger (38) aus Lohn-Ammannsegg, die von Eichholz Gerlafingen stammt, bringts auf den Punkt: «Es ist toll, dass eine Gruppe zusammengefunden hat, die gemeinsam trainieren und sich gegenseitig ‹pushen› kann.

Durch die Swim Regio sind ältere und jüngere Schwimmer vereint. Auf diese Weise nehmen die Erfahreneren auch eine Art Vorbildfunktion ein. Unter den einzelnen Vereinen wäre das wohl nicht zustande gekommen.»

Mit dem 35-jährigen Deutschen Peter Lemesch steht seit August ein Halbprofi als Coach am Bassinrand der Swim Regio Solothurn. Selbst wenn der Mann aus Reutlingen noch nicht so lange wirkt, ist für den ehemaligen Schwimmer aus der Schwimm-Macht Deutschland klar: «Die Athleten profitieren voneinander. Je grösser die Trainingsgruppe, desto höher ist das Trainingsniveau. Das Einzugsgebiet mit Grenchen, Bettlach, Solothurn und Gerlafingen ist gross, das hat Potenzial.»

Eltern stark einbezogen

Das Hand-in-Hand ist freilich nicht selbstverständlich: «Es funktioniert nur, wenn Eltern da sind, die sich für den Schwimmsport interessieren und bereit sind, ihre Kinder zu unterstützen», sagt Ildiko Cameron. Die 53-jährige, langjährige Trainerin von Gerlafingen und des Zentralschweizer Kaders ist die Initiantin der Swim Regio. Im Prinzip sei das Projekt gut angelaufen, hält Cameron fest. Aber man dürfe nicht vergessen, dass das Budget derzeit primär von den Eltern der 25 Elite-Schwimmerinnen und -Schwimmern gestemmt werde. Insofern sei jeder potenzielle Sponsor in diese gute Sache herzlich willkommen.

Zwischen 7000 und 8000 Franken koste ein Mitglied eine Saison in der Swim Regio Solothurn. Ein Drittel der Kosten übernehmen die Stammvereine – zwei Drittel die Eltern. Letztere bilden zudem praktisch den Vorstand. «Es ist uns ein Anliegen, dass die Eltern in der Führung des Vereins involviert sind», sagt die per Definition als Sekretärin der SRSO wirkende, ehemalige Leistungsschwimmerin Ildiko Cameron. Schliesslich sind sie quasi die «Aktionäre des Unternehmens».

Partner wie Physio-Koch in Derendingen, wo den Sportlerinnen und Sportlern vergünstigt Kraft- und Konditionstrainings angeboten werden, ergänzen die bemerkenswert erschaffene Struktur.

Am Wochenende ist die SRSO-Jungmannschaft am Schweizer Vereinsmeisterschaftsfinal in Bellinzona sowohl bei den Mädchen wie den Jungs am Start. Ein VM-Final mit Solothurner Präsenz hat bis vor kurzem noch ziemlich ins Reich der Raritäten gezählt – dank SRSO kann es Usus werden.

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