EHC Olten

Im Jura zum Top-Torhüter gereift

Strahlt Ruhe aus: Matthias Mischler freut sich auf die kommenden Aufgaben beim EHC Olten.HR. Aeschbacher

Strahlt Ruhe aus: Matthias Mischler freut sich auf die kommenden Aufgaben beim EHC Olten.HR. Aeschbacher

Matthias Mischler Die neue Nummer eins im Tor des EHC Olten bringt aus seiner Zeit beim HC Ajoie eine Menge wertvoller Erfahrungen mit.

Pruntrut ist ein hübscher, recht übersichtlicher Flecken in der Ajoie, dem jurassischen Zipfel im Nordwesten der Schweiz. Hier kennt man sich. Besonders dann, wenn man beim ansässigen NLB-Klub, dem HC Ajoie, Eishockey spielt. Matthias Mischler (25) hütete in den vergangenen viereinhalb Jahren das Tor des HCA. Und stand damit permanent unter kritischer Beobachtung der Zuschauer.

Nach einem schlechten Spiel konnte es da schon vorkommen, dass der Metzger des Vertrauens zwischen einem halben Kilo Gehacktem und den Koteletts zur grossen Gegentor-Analyse ausholte. Das war für Mischler allerdings kein Problem. Im Gegenteil: «Ich habe diese Nähe zu den Leuten und die familiäre Atmosphäre immer sehr geschätzt.»

Sowieso ticken die Uhren im Kanton Jura ein wenig anders als im Rest der Schweiz: «Man spürt die Nähe zu Frankreich. Die Leute nehmen alles ein wenig gemütlicher als bei uns.» Für Matthias Mischler war dieses Umfeld, fernab des Scheinwerferlichts, der ideale Ort, um seine Goaliekarriere zu lancieren. «Ich habe in den viereinhalb Jahren beim HC Ajoie viel erlebt. Der Start war schwierig. Aber als ich mich durchgesetzt hatte, war es super.»

Doch er musste auch mit Rückschlägen fertig werden. Vor der letzten Saison (14/15) war Matthias Mischler eigentlich zurück zu seinem Stammklub SCB gewechselt – in der Hoffnung, sich mittelfristig als möglicher Nachfolger der langjährigen Nummer eins Marco Bührer aufzudrängen. Die Pläne gingen indes nicht auf. Im Gegenteil: «Ich war einfach zum falschen Zeitpunkt dort. Als ich damals den Vertrag beim SCB unterschrieben hatte, war Antti Törmänen Trainer. Als ich dann im Sommer zu Bern kam, war Guy Boucher am Ruder.» Und der ehemalige NHL-Coach hatte offensichtlich andere Ideen. Mit Nolan Schaefer verpflichtete der SCB einen routinierteren und teureren Ersatzgoalie.

Mischler fiel zwischen Stühle und Bänke. Er hatte die Wahl: Entweder findet er sich mit der Rolle als Nummer drei ab. Oder er sucht sich einen neuen Klub – was, angesichts des späten Zeitpunkts, schwierig war. Aber Mischler hatte Glück. Der HC Ajoie schloss den verlorenen Sohn gerne wieder in die Arme. «Ich bin sehr dankbar, dass sie mir diese Chance gegeben haben», erzählt er.

Jetzt ist er in Olten angekommen. Und es gefällt ihm gut an seinem neuen Arbeitsort, wo er zusammen mit Fabian Ganz zwischendurch in einer WG wohnt. «Hier ist die Mischung perfekt. Die Erwartungshaltung ist gross, aber die Stimmung trotzdem familiär. Ich kam schon als Spieler von Ajoie immer gerne ins Kleinholz, weil es viele Zuschauer hat.»

Mischler bezeichnet sich selbst als ruhigen Zeitgenossen, der auch in hektischen Momenten auf dem Eis die Übersicht bewahrt. Deshalb haben ihn auch die Nebengeräusche, die der Abgang des letztjährigen Playoff-Helden Michael Tobler erzeugte, nicht tangiert. «Was letzte Saison war, interessiert mich nicht gross. Ich kann nicht mehr tun, als jetzt mein Bestes zu geben.»

2009 U20-WM-Teilnehmer

In Olten ist Matthias Mischler, der 2009 unter dem aktuellen
EHCO-Sportchef Köbi Kölliker Teil der Schweizer U20-WM-Nationalmannschaft war (als Nummer zwei hinter Benjamin Conz), auf eine «tolle Truppe» gestossen. «Es macht viel Spass mit den Jungs. Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft haben. Aber wir wissen auch, dass die Liga noch ausgeglichener geworden ist. Wir müssen in jedem Spiel bereit sein.» Wenn nicht, könnte auch der nächste Einkauf in Olten ungemütlich werden – nicht nur beim Metzger.

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