Fallschirmspringen
Im freien Fall hoch hinaus

Sandra Siegenthaler und ihr Team peilen an der Schweizermeisterschaft im Vierer-Formationsspringen eine Medaille an.

Luca Muntwyler
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Sandra Siegenthaler und ihr Team möchten an der Schweizer Meisterschaft auf dem Podest landen. zvg

Sandra Siegenthaler und ihr Team möchten an der Schweizer Meisterschaft auf dem Podest landen. zvg

Wie lange brauchen Sie für zwei Kilometer, oder besser gesagt für 2’000 Meter? Sandra Siegenthaler braucht dafür knapp 35 Sekunden – im freien Fall. Die Fallschirmspringerin von Skydive Grenchen steht mit ihrem Team im Vierer-Formationsspringen vor den Schweizer Meisterschaften vom 23. bis 25. August in Locarno. Dabei gilt es in der vorgegebenen Zeit so viele Figuren wie möglich fehlerfrei zu zeigen, um das Maximum an Punkten zu sammeln.

Siegenthaler und ihre Gruppe streben an der SM hohe Ziele an – als Meister 2011 und Vize-Meister 2012. «In den letzten zwei Jahren standen wir jeweils auf dem Podest. Ich hoffe, das können wir auch in diesem Jahr wieder erreichen», so die 39-Jährige, die vor 20 Jahren mit Fallschirmspringen angefangen hat und bereits zwei Jahre später ihren ersten Wettkampf bestritten hat. Um sich auf das Highlight des Jahres optimal vorzubereiten, braucht ein Fallschirmspringer eine solide Grundausdauer sowie eine gewisse Rumpfstabilität.

«Nebenbei sollte man genug Sport treiben. Man springt im Training bis zu zwölf Sprüngen pro Tag. Der Körper muss das durchhalten», erklärt die Lehrerin. «Dazu kommt die Visualisierung der Sprünge und Formationen.» Durch Videostudium von schnellen und exakten Teams muss man auch im Kopf das Training weiterführen. Eine weitere Methode seien die Übungen am Boden, bei denen man optimal die Distanzen anschauen und abschätzen könne. «Die wichtigste Trainingsart ist aber immer noch der Sprung aus dem Flugzeug», erläutert Siegenthaler. Kurz vor dem Wettkampf sind dann genügend Schlaf und Ruhe die letzten Vorbereitungsmassnahmen.

Im Wettkampf ist dann die non-verbale Kommunikation ein Erfolgsfaktor. «Man muss die Körpersprache der anderen lesen und schauen, ob sie bereit sind», erläutert die 39-Jährige. Zudem müsse man sich schnell bewegen können - was den kleineren Springern ein bisschen entgegen kommt – und eine gute Übersicht haben. Auch müsse man die Geschwindigkeit und die Energie richtig einsetzen. «Denn wenn man mit zu viel Power springt, nützt das dem Team überhaupt nichts», fährt Siegenthaler fort. Fasziniert ist die Lehrerin, die nebenbei als Instruktorin neue Fallschirmspringer ausbildet, nach wie vor von ihrer Sportart. «Die Luft ist ein gewaltiges Element. Es ist eigentlich ziemlich ein Klische, aber beim Sprung geniesst man fast absolute Freiheit. Die Probleme, die man auf der Erde hat, sind oben sehr klein. Beim Springen kann ich einfach abschalten», meint Siegenthaler. Auch die mentale Vorbereitung und das «Kribbeln» vor einem Wettkampf hat nach wie vor ihren Reiz.

Zu viel abschalten darf Siegenthaler jedoch auch nicht – sonst wird es nichts mit dem angestrebten Podestplatz an den Schweizer Meisterschaften.