Gemessen am vorausgehenden Drehbuch der Playoff-Viertelfinalserie zwischen Wiler-Ersigen und den Kloten-Bülach Jets, musste man nach dem 6:1 von Gerber in der 32. Minute von einem hauchdünnen Vorsprung der Berner sprechen. Nicht allein, weil Wiler in Spiel eins auch schon 5:1 geführt, letztlich jedoch nur dank eines «ausser Kontrolle» geratenen Zürcher Trainers noch knapp mit 7:6 gewonnen hatte.

Nein, die Dramaturgie der zwei vorausgegangenen Partien gipfelte jeweils auch darin, dass der Aussenseiter, die Jets also, den Bernern im Schlussdrittel gehörig den Sechseläuten-Marsch bliesen. Beim erwähnten 7:6 für Wiler in Spiel eins ging das finale Drittel 4:1; beim 7:3-Heimsieg der Zürcher in Spiel zwei gar 5:1 an die Jets.

Von all dem war in Spiel drei indes nichts mehr zu sehen. Nein, da war ein Serienmeister am Werk, der auf die 3:7 Niederlage tags zuvor und den schwachen Auftritt im ersten Spiel am Freitag eindrücklich reagierte. «Wir haben uns angepasst», bilanzierte Routinier Simon Bichsel. «Diesmal war sehr viel Energie in unserem Spiel und jeder ist voll für den anderen gegangen.» Man habe «gemerkt, worum es geht», so der langjährige Nationalspieler.

Ganz andere Geschichte

Partie drei der Best-of-Seven-Serie freilich schrieb eine Geschichte von einem beherzt auftretenden Wiler-Ersigen. Einem, das sich in jeder Rolle stark besetzt zeigte und einer Mannschaft in grün-weiss, die diszipliniert und kämpferisch auftrat. Dem Publikum wurde so attraktive Unihockey-Kost serviert.

«Diesmal sind uns auch die Tore gelungen, die zuletzt gefehlt haben», sagte Bichsel. Abgesehen davon sei die Rückkehr von Verteidiger Väänänen natürlich «sehr wichtig gewesen. Er kurbelt das Spiel an, bleibt in jeder Situation ruhig und findet immer die richtigen Worte.» Die enorme Erfahrung des finnischen Nationalspielers, der jüngst krankheitsbedingten gefehlt hatte, «macht es jedem Einzelnen von uns leichter.»

Kloten mit vielen Strafen

Freilich ist der SV Wiler-Ersigen gut beraten, nach dem klaren Erfolg nicht wieder nonchalant drei, vier Gänge runterzuschalten. «Man darf gespannt sein, wie es am Samstag weitergeht», meint Verteidiger Bichsel. Aber: «Wir müssen genau da weitermachen, wo wir jetzt aufgehört haben.» Die Kloten Bülach Jets haben trotz der 2:11-«Packung» erneut gezeigt, dass für sie als Underdog ein Sieg gegen den jahrelangen primus inter pares der Szene – just in dieser Playoff-Serie – nicht ins Reich von Donald Duck und Disneyland gehört.

Mit zahlreichen, auch unnötigen Strafen, erleichterten die Gäste den Einheimischen die Sache phasenweise doch ganz erheblich. So erzielten die Berner, angeführt von ihrem schwedischen Offensiv-Grossmeister Isaac Rosén, zwischen der 23. und 41. Minute vier Überzahltreffer «en suite» – die Vorentscheidung. In diesen Überzahlphasen mittun konnte auch der zuletzt verletzte Wiler-Captain Matthias Hofbauer. Keine schlechte Aussicht für die nächsten Spiele dieser Serie.