Unihockey Europacup
«Ich will den Europacup gewinnen»

Heute startet der schwedische Superstar Henrik Quist mit Wiler-Ersigen in den Europacup.

Michael Lüthi
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Solothurner Zeitung

In der Welt der Unihockeyaner ist er ein Superstar. Er ist dreifacher Weltmeister mit Schweden, gewann mit Kultklub Pixbo zweimal die Schwedische Meisterschaft, einmal den Cup und 2004 den Europacup. Der 29-jährige Henrik Quist ist der grösste Transfercoup in Wiler-Ersigens Vereinsgeschichte. Nach zehn Saisons mit Pixbo fehlte ihm die Motivation. Er suchte eine neue Herausforderung – und fand sie beim Schweizer Szenendominator aus dem Emmental.

Er wohnt zusammen mit Freundin Therese und den zwei gemeinsamen Kindern in Derendingen in Wiler-Ersigens «Ausländer-Haus». Ein Stock über ihm ist Michael Zürcher stationiert, der bei Dalen in Schweden spielte und noch eine Etage höher haust Quists Landsmann Olle Thorsell. «So können wir immer noch schwedisch sprechen», sagt Henrik Quist und strahlt. Die Tochter schaut sich daneben einen Trickfilm an – auf schwedisch.

Schweiz teurer als Schweden

Die Schweiz gefällt der Familie. In perfektem Englisch erzählt das Familienoberhaupt von Ausflügen in die Schweizer Bergwelt. «Besonders der Hoslibärjie (Hasliberg) hat mir sehr gut gefallen», sagt er. Die Unihockey-Familie sieht das Engagement bei Wiler als Lebenserfahrung, als Abenteur fernab der Heimat. Unterschiede zwischen den beiden Ländern gebe es nicht viele. «Nur in der Schweiz ist alles noch ein bisschen teurer.» Deutsch spricht Quist kaum. «Ich verstehe einiges, weil ich in der Schule drei Jahre Deutsch gelernt habe.»

Henrik Quist ist ein Winner-Typ. Nach seinen ersten drei Weltmeisterschaften kehrte er jedes Mal mit Gold nach Hause zurück. «Ich habe mich auch für Wiler entschieden, weil hier die Chancen sehr gross sind, Titel zu gewinnen.» Er weiss, in welch starker Equipe er nun spielt. «Spieler wie die Hofbauers gehörten auch in der schwedischen Liga zu den Leadern. Mit Wiler würden wir in Schweden bestimmt die Playoffs erreichen.» Die Freude nun in einem neuen Land Unihockey spielen zu dürfen steht Quist ins Gesicht geschrieben. Er muss weniger arbeiten als in Schweden, hat dementsprechend mehr Zeit für seine Familie. Und das Reisen zu den Auswärtsspielen ist hierzulande auch deutlich einfacher. «In Schweden mussten wir zum Teil 1000 Kilometer weit zu einem Spiel fahren.» Bei seinem neuen Verein spielt Quist übrigens auf der Center-Position – eigentlich ist er Verteidiger. Kein Problem führ ihn: «Wenn es der Trainer so will, dann ist das in Ordnung.»

Quist könnte vier Titel holen

Vier Titel (Schweizer Meister, Cup- und Europacupsieger mit Wiler-Ersigen und Weltmeister mit Schweden) könnte Henrik Quist in dieser Saison gewinnen. Heute beginnt die erste Mission: In Lettland will der Skandinavier Europacup-Gold holen. Erster Gegner in den drei Gruppenspielen: der schwedische Meister Stovreta. «Wir haben bisher nicht so überzeugt. Ein gutes Spiel gegen die Schweden zum Auftakt könnte uns Flügel verleihen. Für uns liegt alles drin. Ich will das Turnier gewinnen.» Genauso wie 2005 als die Emmentaler in Zürich den bisher einzigen Europacup-Titel holten. Im Final demütigten die Berner damals Pixbo und fegten die Schweden mit 9:1 vom Feld. Auch Henrik Quist musste damals von der Berger-Truppe Prügel einstecken. Mit einem Lächeln erinnert er sich an jenen 9. Januar. «Das war schlimm, eine meiner bittersten Niederlagen der Karriere», sagt er. Heute werde er bei seinem neuen Klub öfters auf dieses Spiel angesprochen. «Die Teamkollegen machen sich ab und zu einen Spass daraus.»

Quist möchte in seinem vierten Europacup zum zweiten Mal nach 2004 jubeln. Neben Stovreta sind Vitkovice (Tschechien) und Augur (Estland) Wilers weitere Vorrundengegner. «Wenn alles normal läuft, dann besiegen wird diese beiden.» Quist träumt vom grossen Coup, von einem Endspiel-Sieg gegen den schwedischen Meister. «Dann könnte ich mit erhobenem Haupt ins nächste Nati-Camp einrücken», sagt er und strahlt.